T.I. ist ein US-amerikanischer Rapper, Schauspieler und Filmproduzent.

© Prince Williams/Getty Images

Gesund
11/08/2019

Nach Eklat um Rapper T.I.: Expertinnen verurteilen Hymentests als "unethisch"

Dass US-Rapper T.I. das Jungfernhäutchen seiner Tochter regelmäßig untersuchen lässt, sorgt international für Wirbel. Nun melden sich Expertinnen zu Wort.

Wem der Künstlername "T.I." bisher kein Begriff war, hat nun jedenfalls eine Assoziation dazu. Denn Rapper T.I. ist derzeit weltweit in den Schlagzeilen.

Der Musiker, Schauspieler und Filmproduzent, der eigentlich Clifford Joseph Harris jr. heißt, sorgte mit seinen Äußerungen über das Jungfernhäutchen seiner 18-jährigen Tochter diese Woche für Aufregung.

In einem Interview für den Podcast "Ladies Like Us" bestätigte er am Dienstag, dass er seine Tochter Deyjah Harris seit deren 16. Lebensjahr zu regelmäßigen Terminen beim Arzt begleite, um dort "ihr Hymen kontrollieren" zu lassen. Ein intaktes Jungfernhäutchen sei laut T.I. ein sicheres Zeichen dafür, dass sein Kind noch keinen Sex hatte.

Expertinnen zeigen sich ob der Schilderungen des 39-Jährigen, der insgesamt sechs Kinder aus verschiedenen Beziehungen hat, entrüstet.

Kein Beweis für Jungfräulichkeit

Das Jungfernhäutchen ist eine ringförmige, dünne Schleimhaut, die bei manchen Mädchen und Frauen ausgeprägter ist als bei anderen. Je nach Ausprägung, Stellung beim Sex und Beschaffenheit des Penis blutet die Frau beim Sex – oder nicht. Ein Beleg dafür, ob eine Frau bereits Geschlechtsverkehr hatte, ist das Hymen nicht. Es kann beim Geschlechtsverkehr, bei körperlicher Aktivität, beim Tampongebrauch oder bei medizinischen Eingriffen reißen oder gedehnt werden.

Menschen, die mit der weiblichen Anatomie "nicht ihren Lebensunterhalt verdienen", würden diese schlicht "nicht verstehen", betont Maura Quinlan, Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Northwestern University in Chicago, im Interview mit der New York Times. "Es ist wie mit Ohrläppchen – es gibt jede Menge verschiedene Erscheinungsbilder."

Expertinnen verurteilen sogenannte Jungfräulichkeitstets zudem als groben Verstoß gegen Frauenrechte und als unwissenschaftliche Prozedur. "Eine Jungfräulichkeitsprüfung gibt es nicht", erklärt Quinlan. "Wenn jemand ein Mädchen für eine Jungfräulichkeitsprüfung zu mir schickt, sagte ich dieser Person: 'Ich kann es nicht sagen, so oder so'."

In den USA haben Eltern nach dem 18. Lebensjahr kein Recht mehr auf Einsichtnahme in die Krankenakten ihres Kindes und benötigen die Erlaubnis, Diagnosen und Behandlungen mit einem Arzt zu besprechen. Dass T.I., wie er im Interview beschreibt, seine Tochter offenbar dazu gezwungen habe, ihren Arzt schriftlich von der Schweigepflicht entbinden, verurteilt Julia Potter, stellvertretende medizinische Direktorin des Jugendzentrums am Boston Medical Center, gegenüber der New York Times scharf. "Es gibt gute Studien, die zeigen, dass Jugendliche auf medizinische Dienste verzichten, wenn sie der Meinung sind, dass ihre Vertraulichkeit nicht geschützt ist", sagt Potter.

In ihrer eigenen Praxis fordert Potter Eltern auf, den Raum während der Untersuchung und des anschließenden Gesprächs zu verlassen, wenn ihr Kind älter als zwölf Jahre ist. Eine dritte Person bleibt als Aufsichtsperson im Raum.

WHO fordert Verbot von Jungfräulichkeitstests

In vielen Kulturen wird auch heute noch vorausgesetzt, dass die Frau um der Familienehre willen als Jungfrau in die Ehe geht. Auch nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Jungfräulichkeitstests unethisch und sollten verboten werden, da sie jeder wissenschaftlichen und klinischen Grundlage entbehren.

Eine Prüfung des Hymens ist laut WHO "eine unnötige und oft demütigende und schmerzhafte Prüfung, die traumatisch und schädlich für das psychologische Wohlbefinden sein kann".