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Gesund
02/05/2019

Arzt zu Sex nach Geburt: "Besser Sie tun es, sonst tut es eine andere"

In einer aktuellen Studie berichten Frauen über teils unangenehme "Empfehlungen" ihrer Frauenärzte.

von Elisabeth Gerstendorfer

"Nun, es ist besser, Sie tun es wieder, denn wenn Sie es nicht tun, wird es jemand anderes tun" – das sagte ein Gynäkologe einer Patientin, die fragte, ob Sie nach der Geburt ihres Kindes bereits wieder Sex haben "soll". Eine andere Patientin erzählt: "Mein Arzt war richtig aufgeregt, als er meinem Partner nach sechs Wochen sagte, dass ich wieder bereit wäre, Sex zu haben." Ob sie dazu schon bereit ist, war in diesem Gespräch scheinbar irrelevant. Die Zitate stammen aus einer amerikanischen Studie mit 70 Tiefeninterviews mit Frauen zwischen 19 und 78 Jahren zum Thema Sex nach der Geburt.

Die Empfehlung weltweiter gynäkologischer Gesellschaften lautet, etwa vier bis sechs Wochen nach einer Geburt mit dem Geschlechtsverkehr zu warten. Auch in Österreich wird Frauen von ihren Gynäkologen dazu geraten, diese Zeitspanne einzuhalten. In dieser Zeit kommt es zum sogenannten Wochenfluss, einem blutigem Ausfluss. Auch eventuelle Geburtsverletzungen brauchen eine gewisse Zeit, um abzuheilen, und der Beckenboden muss sich nach einer Geburt wieder straffen, die Brüste können durch das Stillen sehr empfindlich sein.

Nicht "wie beim Fahrradfahren"

Die Studienautoren der Purdue University in South Carolina schreiben etwa, dass die Wiederaufnahme sexueller Aktivität nach Geburt und Schwangerschaft nicht immer so sei "wie beim Fahrradfahren", wo man auch nach längerer Pause einfach wieder auf den Sattel steigt. Vor allem Mütter, die nach der Geburt Schmerzen haben, müde sind und sich gestresst fühlen, müsste mehr vermittelt werden, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse ihres Körpers zu hören.

Viele Paare glauben jedoch, dass es einen klar definierten und raschen Zeitpunkt gibt, zu dem sie wieder Geschlechtsverkehr haben können, wie aus der Studie hervorgeht. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Culture, Health & Sexuality veröffentlicht. "Unter den Teilnehmerinnen war die häufigste Empfehlung von Gesundheitsdienstleistern, nach sechs Wochen wieder Sex zu haben", sagte Studienleiterin Andrea DeMaria.

"Aber wir fanden heraus, dass einige Frauen aufgrund von persönlichen und Partnerwünschen bereits vor sechs Wochen bereit waren, während andere Frauen Schwierigkeiten hatten, den Sex wiederaufzunehmen, einschließlich Schmerzen und Erschöpfung aufgrund der Anforderungen durch ihr Baby." So gibt es Frauen, die sich bereits vor Ablauf von sechs Wochen wieder für Sex bereit fühlen. Sie sind stolz auf ihren Körper, fühlen sich sexy und attraktiv. Andere sind nach sechs Wochen noch nicht dazu bereit, weil sie keine Lust haben, sich mit ihrem Körper unwohl fühlen oder erschöpft sind.

Unter Druck gesetzt

Letztere setze die Angabe von "sechs Wochen" eher unter Druck. Laut den Studienautoren sollten Gynäkologen ihren Patientinnen gegenüber vor und nach der Geburt betonen, dass Frauen unterschiedliche Erfahrungen mit Sex nach einer Schwangerschaft gemacht haben. "Es gibt keine strikte Empfehlung oder Richtlinie, die für jeden gilt", betonte DeMaria. Einzig solange der Wochenfluss anhält, sollte mit Sex gewartet werden, da die Gebärmutter in dieser Zeit anfällig für Infektionen ist. Wer dennoch schon während dieser Zeit Sex haben möchte, sollte ein Kondom verwenden.

Die Ergebnisse bestätigen frühere Erkenntnisse, dass sich Frauen hinsichtlich ihrer Wünsche nach Sex nach der Geburt unterschieden. Sie werden oft durch die Art der Entbindung, sowie durch ihr Selbstvertrauen und Körperbild nach der Schwangerschaft beeinflusst. Wichtig sei, offene Gespräche mit dem Partner, anderen Müttern und Ärzten zu führen – auch schon vor der Geburt.

"Wenn es Ärzten und anderem medizinischen Personal gelingt, die unterschiedlichen Erfahrungen zu normalisieren, werden sich Frauen und ihre Partner stärker bewusst sein, dass ihr eigenes Empfinden normal ist“, sagte Stephanie Meier, Mitautorin der Studie.

Die Studie ist Teil eines umfassenderen Projektes, in dem die Erfahrungen von Frauen im Bereich der reproduktiven Gesundheit über Generationen hinweg erfasst werden, einschließlich Menstruation, Verhütung, Geburt und sexueller Gewalt.

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