Hifsorganisationen helfen den Kleinbauern, die Bohnen sicher über die Grenze zu bringen.

© Aubrey Wade/Caroline Gluck/Oxfam

Anbau im Kriegsgebiet
10/31/2016

Woher die "gefährlichste" Tasse Kaffee der Welt kommt

Der internationale Boom von hochwertigem Spezialkaffee wird jetzt zur Überlebenschance für viele Kleinbauern in einem der ärmsten Länder der Welt.

Sprachpuristen werden einwenden: Eine Tasse Kaffee - wie kann die gefährlich sein? Aber das renommierte Wall Street Journal veröffentlichte dieser Tage einen großen Bericht mit dem Titel: "The most dangerous cup of coffee in the world". Und dieser kommt - aus der Demokratischen Republik Kongo in Afrika, einem der zehn ärmsten Länder der Welt.

Tatsächlich ist der Kongo in der globalen Jagd nach den besten Kaffeesorten der Welt eines der letzten Hoffnungsgebiete. Die Nachfrage steigt weltweit als Folge des "Third-Wave-Coffee"-Trends: einer weltweiten Bewegung für hochwertigen Spezialkaffee aus den besten Sorten und Röstungen, und diese nachhaltig und fair angebaut und produziert. Bereits bei jedem zweiten in den USA verkauften "cup of coffee" handelt es sich um eine derartig hochwertige Kaffeespezialität. Für viele Kleinbauern in der Demokratischen Republik Kongo ist dieser Boom des Spitzenkaffees ein Hoffnungsschimmer in einem Alltag voller Gewalt und Terror.

Morde, Entführungen & Erpressungen sind Alltag

Seit 1998 sind 5,4 Millionen Menschen im Kongo ums Leben gekommen - durch Krankheiten und Kriegshandlungen (von insgesamt 65 Millionen Einwohnern). Mehrere Dutzend bewaffnete Gruppen kämpfen dort um die Vorherrschaft in einzelnen Gebieten und natürliche Ressourcen. Morde, Entführungen und Erpressungen sind Alltag.

Im November sollte die Präsidentenwahl stattfinden, kurz vor dem Ende der zweiten Amtsperiode von Präsident Joseph Kabila. Ein drittes Mal darf er laut Verfassung nicht antreten. Im September kündigte die Wahlkommission eine Verschiebung der Wahl auf Ende 2018 an. Die Opposition wirft Kabila vor, so an der Macht festzuhalten. Seither eskaliert die Gewalt weiter.

Hunderttausende Menschen sind bereits vertrieben. Hilfsorganisationen wie Oxfam errichten Zeltstädte, sichern die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Eines von drei Kindern im Kongo hat keine Möglichkeit zum Schulbesuch. Oxfam organisiert auch die Renovierung von Schulen und die Ausbildung von Lehrern. Und sie unterstützt Kaffee-Kleinbauern beim Anbau und dabei, die Ernte sicher über die Grenze nach Uganda zu bringen, von wo aus sie dann weiter vertrieben wird.

Der steigende Anspruch westlicher Konsumenten an Kaffee wird jetzt zur Existenzgrundlage vieler Kleinbauern, die bereits an das Aufgeben gedacht hatten: Nicht nur die großen der Branche wie die Starbucks Corp. investieren im Kongo. Auch viele kleine Röstereien suchen Partnerschaften mit kongolesischen Kaffeebauernkooperativen. Die Kooperative Sopcadi ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung: 2003 hatte sie 268 Mitglieder, heute sind es fast 8.000.

Erste, zweite und dritte Welle

Die erste Welle begann Mitte des 19. Jahrhunderts und umfasste einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren. Kaffee wurde zur Massenware, jeder Haushalt konnte ihn sich leisten, aber es ging um möglichst billige Produktion, Geschmack und Qualität spielten kaum eine Rolle. Die zweite Welle war ab den 60-er Jahren eine Gegenbewegung, Espresso und Caffé Latte wurden ein Begriff, Regionalität, Herkunft und Sortenqualität wurden erstmals ein Thema. Die dritte Welle, die erstmals rund um das Jahr 2000 als solche bezeichnet wurde, sieht in Kaffee ein künstlerisches Produkt für wahre Genießer, vergleichbar mit teuren Spitzenweinen.

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