Genuss
05.12.2011

Witzigmanns Welt: Zwetschken

Von kleinen Rumtopf-Dieben und geheimen Slibowitz-Palatschinken, Elsässer Tartes und Schweizer Essigzwetschken.

Wenn die Zwetschken reif sind, muss ich immer an den Zwetschkenrumeintopf meiner Mutti denken, den sie in unserer schmalen, kleinen Speise ganz hinten oben im Regal versteckt hatte. Still und heimlich schlich ich mich immer auf Zehenspitzen hinein, um von dieser verbotenen Köstlichkeit zu naschen.

Zugegeben - es waren weniger die Zwetschken, die mich interessierten, als die gezuckerte, mit Stroh-Rum parfümierte Flüssigkeit. Eines Tages kam mir meine Mama leider auf die Schliche. Sie hatte ohne mein Wissen auf der Rückseite mit einem Stift so Stricherl gemacht und mich als üblen Rumtopfdieb entlarvt. "Rum macht dumm!", belehrte sie mich kleine Zwetschke dann. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich heute lieber Champagner trinke.

Gerade die österreichische Mehlspeisenküche hat diesem Obst echte Klassiker zu verdanken. Ich sage nur: Zwetschkenknödel, Zwetschkenröster oder Zwetschkenkuchen. Apropos - vor kurzem machte ich mit einem Fernsehteam von "arte" einen Abstecher ins "Auberge de L'Ill" im elsässischen Illhaeusern, wo mich mein Freund Marc Haeberlin mit einer Tarte mit überbackenen Zwetschken auf Mandelmus nebst Pflaumeneis verzauberte.

Zwetschken sind aber auch pikant ein wahrer Genuss. Zum Beispiel die süß-sauren Essigzwetschken meines Schweizer Lehrmeisters Paul Simon aus Bad Ragaz. Sie harmonierten perfekt zu Wildpastete, aber auch zu Gans, Schwein oder gekochtem Rindfleisch.

Ich selbst habe eines meiner besten Zwetschkenrezepte dem gelernten Koch und Schauspieler Georg Thomalla zu verdanken. Bei gemeinsamen Dreharbeiten verriet er mir einmal die Geheimrezeptur für seine Powidl-Palatschinken, die zum Schluss mit
Slibowitz flambiert werden. Als er dann später einmal ins "Aubergine" kam, staunte er nicht schlecht, als ich ihm zum Dessert "Crêpes Thomalla" (nachzulesen in meinem Mehlspeisenbuch "Süße Verführungen") servierte. Zum Dank gab es hinterher noch einen schönen Zwetschkenschnaps.

Übrigens: Auch als Aufstrich ist diese Frucht eine Wucht. Mein Favorit? Na klar: "Zwetschke mit Rum" aus der Marmeladenmanufaktur meiner Tochter Véronique!
(www.veronique-witzigmann-buffet.de).

Aus: FREIZEIT-Kurier vom 19.9.
Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolummne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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