Genuss 05.12.2011

Witzigmanns Welt: Palatschinken

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Was hat der eingerollte Eierkuchen mit Placenta zu tun? In welchem Land ist er am knusprigsten und wo wird er mit Kastanienmehl zubereitet?

Die Lieblingssuppe meiner Kindheit? Frittatensuppe! Der Palatschinke sei Dank. Die Entstehungsgeschichte dieses durch und durch österreichischen Wortes geht auf die alten Römer zurück. Die bezeichneten Kuchen per se als "placenta". Ein Begriff, der heute nur noch in der Medizin Verwendung findet und weniger appetitanregende Assoziationen hervorruft. Jedenfalls wurde die "placenta" über die Jahrhunderte etymologisch weitervererbt, bis wir Österreicher im 19. Jahrhundert den Begriff "palacinka" aus dem Slawischen adaptierten und den Eierkuchen zur Palatschinke machten. Am populärsten ist sie in der Bretagne. Nirgendwo ist sie dünner und knuspriger. Nur wird sie hier "Galette" genannt, während die Bretonen sie als "Crêpe" kennen. Galettes werden mit Buchweizenmehl zubereitet wie auch die russische Variante "Bliny". In der Toskana verwenden sie für ihre "Necci" Kastanienmehl.

Gebräuchlich ist für den runden Dauerbrenner neben Ei und Milch auch gemahlener Hafer. Der Klassiker ist jedoch Weizenmehl. Palatschinken, Pfannkuchen oder "pönnukaka", wie sie auf Isländisch heißen, sind süß wie pikant der Hit. Früher habe ich in meinem Restaurant Aubergine gerne geeiste Apfelsuppe mit süßen Frittaten serviert oder - als Hommage an den Schauspieler Georg Thomalla - "Crêpe Thomalla", gefüllt mit Powidl und mit Slibowitz flambiert. Ein großer Erfolg waren auch meine "Pfannkuchengeldbeutel", gefüllt mit Crème fraîche und Kaviar oder Lachstatare. Aber passen Sie auf, wenn Sie selbst Palatschinken machen. Nicht, dass es Ihnen geht wie mir als Kind: Zusammen mit meinen Freunden spielte ich immer im Wald Indianer und anschließend kochte ich überm Lagerfeuer Palatschinken. Doch einmal landete der Eierkuchen beim Wenden nicht in der Pfanne, sondern auf "Häuptling Baldurs" nacktem Fuß. Ergebnis: Der kleine Eckart musste den restlichen Nachmittag alleine verbringen, gefesselt an eine Tanne.

Aus: freizeit-KURIER vom 13.03.2010
Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolumne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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Erstellt am 05.12.2011