Genuss
05.12.2011

Witzigmanns Welt: Nüsse

Von falschen und jungfräulichen Nüssen,gesunden Inhaltsstoffen und dem Geheimrezept meiner Mutter.

Neulich saß ich mit Freunden auf meinem Balkon, um bei einem Glaserl "Sturm" die goldene Oktobersonne zu genießen. Dazu gab es frischen Zwiebelkuchen mit Haselnüssen. Nach dem ersten Bissen musste ich unweigerlich an den Sänger Heino denken, der heute ein Café betreibt und Haselnusstorten verkauft. Das beste Haselnusstortenrezept stammt aber von meiner Mutter. Sie hat es gehütet wie ihren Augapfel und nie verraten, woher sie es hat. Doch bevor ich dieses süße Geheimnis lüften werde, wollen wir die Nuss erst einmal allgemein knacken.

Streng genommen sind viele beliebte Nüsse gar keine. Wie zum Beispiel die Cashew-, Erd-, Kokos-, Pekan- oder Muskatnuss. Genauso wie die Mandel oder Pistazie. (Beides Kerne einer Steinfrucht.) Persönlich finde ich diese botanische Nussspalterei jedoch "nuts", wie der Amerikaner zu sagen pflegt. Ich liebe alle Nüsse. Sie schmecken mir roh, kalt gepresst als Öl, geistreich als Likör, zu Käse, als Eis oder im Strudel. Genauso gern verwende ich sie in Verbindung mit Farcen, Pilzen, Fisch oder Fleisch. Probieren Sie doch mal einen Rehrücken mit einer Walnuss-Trüffelkruste.

Ein wunderbares Gericht - passend zur Jahreszeit - ist auch ein herbstlicher Salat aus Radicchio, Trauben, Geflügelleber und Schälnüssen. Das sind ungetrocknete Walnüsse, denen man die noch weiche Schale abziehen kann. Eine etwas fisselige, aber lohnenswerte Arbeit. Denn der Geschmack einer "jungfräulichen" Walnussfrucht ist unbeschreiblich nussig. Aber Nüsse schmecken nicht nur gut, sie sind auch gesund und wirken sich besonders positiv auf unser Herz-Kreislauf-System aus. Durch ihre mehrfach ungesättigten Fettsäuren senken sie zum Beispiel nachweislich den Cholesterinspiegel im Blut und stabilisieren den Zuckerwert.

Womit wir wieder bei der "Haselnusstorte mit Topfen" von meiner Mutter wären, der ich unbedingt in meinem Tantris-Kochbuch ein Denkmal setzen wollte. Schweren Herzens verriet sie mir also dieses Geheimrezept. Dabei stellte sich raus, dass sie es von ihrer Nachbarin hatte, die es selbst wiederum aus einer Zeitschrift hatte. . .
Übrigens hab ich noch einen Veranstaltungstipp für Sie:
19 Sterne, 39 Hauben, 15 Köche & 24 Weingüter,
ein kulinarisches Festival, 23. bis 26. Oktober, Velden.
haubeundtraube.velden@capellahotels.com

Zum Schluss noch ein Tipp: Reife Birnen schnell aufessen! Die einzige Birne, die Sie länger aufbewahren können, ist der Williams-Brand - zum Beispiel aus der Schnapsbrennerei Rochelt. Im Gegensatz zum herkömmlichen Birnensaft, der unter Sportlern als idealer Durstlöscher gilt, sollten Sie diese hochprozentige Flüssigkeit aber bitte nur in Maßen genießen - und damit meine ich nicht die Bierkrüge vom Münchner Oktoberfest.

Aus: FREIZEIT-Kurier vom 10.10.
Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolummne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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