Genuss 05.12.2011

Witzigmanns Welt: Krabben

© Bild: APA/Panimo - Fotolia

Von monströsen Meeresspinnen, Taschenkrebsen, süchtigmachenden Cakes und dem Seitwärtsgang ins Bett.

Im Gegensatz zu Krebsen bewegen sich Krabben an Land nicht im Rückwärtsgang vorwärts, sondern seitlich - und das erstaunlich schnell. Vielleicht weil sie ahnen, dass sie zu den größten Köstlichkeiten für uns Feinschmecker zählen. Gerade das aromatische Fleisch der Exemplare, die im Meer leben, ist die Wucht in Schalen.

Gerne erinnere ich mich in diesem Zusammenhang zurück an meine Zeit als Sous Chef im "Jockey Club" (Washington D.C.). Es war damals das beste Restaurant der Stadt, in der wir Prominenz wie den Raketeningenieur c verköstigten, und verfügte über ein angegliedertes Lokal namens "Sea Catch", in dem ausschließlich Meeresfrüchte serviert wurden. Hier erlernte ich den Umgang mit Krustentieren aller Art und wurde zu einem wahren Panzerknacker. Besonders beliebt bei Gourmets weltweit ist die Riesenkrabbe, im Volksmund auch Meeresspinne genannt. Rekordhalterin ist die japanische Ausgabe, die mit ausgestreckten Beinen eine Spannweite von bis zu drei Metern erreichen kann. Ihr monströses Erscheinungsbild hat ihr deshalb auch den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Crabzilla" eingebracht. Eine weitere Spitzenkrabbe ist der Taschenkrebs. Das Herauspulen des fasrigen Fleisches erfordert einiges an Geduld, vor allem weil man aufpassen muss, dass man dabei keine Schalensplitter übersieht. Eine meiner Leibspeisen sind "Crabcakes".

Dazu nehme ich das Fleisch der Königskrabbe, die streng genommen keine echte Krabbe, sondern ein Krebs ist, vermenge es mit Kabeljau und verfeinere mit etwas englischem Senf, feinsten Würfeln roter und gelber Paprika, englischer Sellerie und Mayonnaise. Die Masse, gewälzt in japanischen Bröseln, wird dann von beiden Seiten goldbraun gebraten. Sollten Sie einmal in San Francisco sein, müssen Sie unbedingt die Crabcakes im legendären "Fishermans Wharf" essen. Die machen süchtig und danach sind Sie so voll, dass Sie anschließend nur noch im Seitwärtsgang ins Bett krabbeln können.

Aus: freizeit-KURIER vom 11. 12. 2010

Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolumne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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Erstellt am 05.12.2011