Genuss 05.12.2011

Witzigmanns Welt: Knoblauch

© Bild: apa/Wilhelm Schraml

Von köstlichen Sonntagsbraten und kräftigem Schnaps, vomPyramidenbau und den Athleten der Antike, und von den weißen Knollen, die mitunter auch schwarz sein können.

Eine der intensivsten Geruchserinnerungen habe ich dem sonntäglichen Schweinsbraten meiner Mama zu verdanken. Schon am Vortag hatte sie das Fleisch kräftig mit gepresstem Knoblauch und Kümmel gewürzt und verwandelte unsere Wohnung in Bad Gastein aromatisch in Klein-Istanbul. Das übrig gebliebene Bratenfett vernaschte mein Vater mit geröstetem Schwarzbrot - dieses natürlich kräftig mit Knoblauch eingerieben - dazu Pfeffer aus der Mühle. Mein Vater war sowieso ein großer Knoblauchfan. Er war überzeugt von der gesundheitlichen Wirkung und gönnte sich jeden Morgen ein Stamperl seines selbst angesetzten Knofi-Schnapses. Danach hat es ihn immer kräftig gebeutelt.

Schon im alten Ägypten nahmen die Pharaonen das Liliengewächs mit ins Grab und die Sklaven hätten die Pyramiden nur halb so schnell fertig gestellt, hätten sie nicht jeden Tag Knoblauch gegessen. Die Kraft und Ausdauer erhöhende Wirkung war auch in der Antike hoch geschätzt. Athleten futterten die tollen Knollen vor Wettkämpfen, Soldaten vor der Schlacht. Bei Verlust des Schwertes musste man den Gegner nur einmal stark anhauchen und schon war der Kampf gewonnen.

In der Küche spielt Knoblauch eine große Rolle. Vom Mittelmeerraum über den Balkan bis nach Asien werden die Speisen nicht zu knapp mit ihm aufgepeppt. Nur in unseren Gefilden scheint es gewisse Berührungsängste zu geben.

Leider. Denn es gibt im Grunde kein pikantes Gericht, das der Knoblauch nicht adeln würde. Denken Sie nur an Lammbraten, Venusmuscheln, Tsatsiki, Seehecht, Weinbergschnecken, Bruschetta, Würste aller Art, Vanillerostbraten oder Bouillabaisse.

Wenn Sie das volle Aroma des weißen Knoblauchs genießen wollen, aber auf die olfaktorischen Folgewirkungen verzichten möchten, sollten Sie mal schwarzen Knoblauch versuchen, der seine Farbe aufgrund natürlicher Fermentierung erhält. Mit dem können Sie zwar keine Vampire vertreiben, aber ruhigen Gewissens zum nächsten Rendezvous gehen.

Aus: freizeit-KURIER vom 4.6. 2011

Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolumne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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Erstellt am 05.12.2011