Witzigmanns Welt: Dampfnudeln

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Ob süß oder pikant, Hauptspeise oder Dessert, Germknödel, Rohrnudeln oder Wuchteln sie sind günstig, nahrhaft und trotzdem ein wahrer Genuss.


Was James Brown für den Soul, ist Franzl Lang für die Volksmusik. Kein anderer hat das Kufsteinlied so schön gesungen wie der Münchner Godfather of Yodeling. Legendär war auch sein Dampfnudellied: "Dampfnudeln hamm mir gestern ghabt / Dampfnudeln homm mir heid / Dampfnudeln hamm mir alle Tag / weil's uns so gfreid." Dieser Song war vor 30 Jahren der Renner und ist jetzt in der Fastenzeit wieder top(f)aktuell. Während meiner Kindheit war die fleischlose Mehlspeise ein willkommener Sattmacher. Da Lebensmittel während und nach dem zweiten Weltkrieg knapp waren, mussten Hausfrauen wie meine Mutter sehr kreativ sein, um ihre Familien zu ernähren. Da war die Dampfnudel gerade recht. Die Zutaten (Mehl, Butter, Eier, Milch, Salz, Zucker, Hefe) waren einigermaßen erschwinglich, lieferten Energie und schmeckten zur Vollendung gebracht phänomenal. Eine angenehme Begleiterscheinung sind bis heute die Kombinationsmöglichkeiten: Die goldenen Hefeteigknödel sind süß genauso eine Offenbarung wie pikant. Ich liebe sie als Dessert mit selbstgemachter Vanillesauce und Zwetschgenröster, aber auch als deftige Hauptspeise z.B. mit Kraut.

Spätestens seit 1785 ist die süddeutsche Dampfnudel auch den Wienern ein Begriff. Eine Köchin aus Regensburg verkaufte damals die fremde Kost auf dem Neumarkt - mit Erfolg. Eine Wiener Zeitung schrieb, die Uraufführung von "Figaros Hochzeit" hätte in Wien bei Weitem nicht so viel Begeisterung ausgelöst wie die bayerischen Dampfnudeln. Wesentlich bekannter sind in Österreich aber die böhmischen Schwestern der Dampfnudel, wie Germknödel, Rohrnudeln oder Wuchteln, denen Georg Danzer in seinem Lied "Jö schau" ein Denkmal setzte: "Neilich sitz' i umma hoiba zwa im Hawelka / bei a poa Wuchtln und bei an Bier / auf amoi gibt's beim Eingang vui an Mordstrara / wei a Nackerter kummt eine bei da Tür." Na dann, Mahlzeit!

Aus: freizeit-KURIER vom 20.03.2010
Eckart Witzigmann widmet sich in seiner Kolumne im FREIZEIT-Kurier dem ganz (un)gewöhnlichen Küchen-Alltag.

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(kurier) Erstellt am
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