Genuss 05.12.2011

Witzigmann als Botschafter von Tafelspitzcountry

Mit großem Brimborium und in einem brechend vollen Prunksaal des Imperial fand die Ehrung des Jahrhundertkochs und der österreichischen Esskultur statt.

Wenn sich die Herren Minister Niki Berlakovich und Reinhold Mitterlehner plus Entourage mittags in einem goldglänzenden Saal des Hotels Imperial versammeln, muss mit einem wichtigen Event gerechnet werden. Wenn Weinmarketingchef Willy Klinger dazukommt, und Toni Mörwald, den wir hier nicht extra vorstellen müssen, sich den dreien anschließt, kann man sich ausrechnen, es geht wohl um einen kulinarischen Schwerpunkt. Und dann klettert noch Eckart Witzigmann auf die Bühne und allen ist klar: hier handelt es sich um eine Veranstaltung von internationalem Format. Und darum geht es auch: Ums Ausland. Denn um dort draußen gut anzukommen, braucht man Botschafter. Österreich will im Ausland noch stärker als kulinarische Nation wahrgenommen werden. Seit heute hat es dafür einen offiziellen Botschafter: Eckart Witzigmann, Jahrhundertkoch und KURIER-Freizeitkolumnist.

Einmal Chef, immer Chef

Von vielen kochenden Kollegen, die fast alle mal bei ihm in der Küche gestanden sind, heute noch "Chef" genannt. In den güldenen Gewölben des Staatsempfangshotels wurde der Küchenchef, der mehrere Generationen von Köchen prägte, und in München mit österreichischen Klassikern vom Schweinsbraten bis zum Kaiserschmarrn auf 3 Sterne Niveau Furore machte, mit dem keinesfalls ersten Ehrentitel seines Lebens bedacht. Und was er außerhalb von Österreichs Grenzen repräsentieren soll, kann sich ja sehen und schmecken lassen. Es läuft offenbar gut für die heimischen Bauern, Winzer und Produzenten. Dioxin im Frühstücksei scheint auf der kulinarischen Insel der Seligen irgendwie schwer vorstellbar. (Sagen wir bis zum Beweis des Gegenteils.)

Stunde der Patrioten

Ob er da vielleicht als Botschafter einen Diplomatenpass bekomme, fragte Witzigmann auf der Bühne die Kollegen Politiker. Man war sichtlich guter Dinge. Eckart Witzigmann, der einst aus Österreich auswandern musste, um später in Deutschland was zu werden, ist ein Routinier im Umgang mit Leuten und Medien, und verglich in seiner Dankesrede die Erfolge österreichischer Winzer, Serviceleute und Köche zwischen Hamburg und New York mit den Siegen österreichischer Schifahrer und Wintersportler. Das freut den Patrioten. Doch der Genießer sagt sich: Mir ist ein Essen in einem wirklich guten Restaurant lieber als, sagen wir, der vom Schiwachs der Sieger aromatisierte Schneematsch im Kitzbüheler Zielgelände.

( KURIER.at ) Erstellt am 05.12.2011