Genuss
31.05.2018

Im Café Drechsler weht frischer Berliner Wind

Sternekoch Nikolai Kölbl hat das Lokal mit Benjamin Weidinger übernommen. Am 30. Mai fand die offizielle Eröffnung statt

Es ist wieder da. Nicht einmal zwei Monate nach der viel beklagten Schließung öffnete das Kult-Café Drechsler Mitte Mai wieder seine Pforten - mit neuen Besitzern: Nikolai Kölbl, Mastermind der Burgerlokale Weinschenke, und Benjamin Weidinger. In nur leicht verändertem Design, dafür aber mit viel frischem Wind heißt das Lokal an der Wienzeile 22 (6. Bezirk) seine Gäste nun willkommen: Die Holzvertäfelung ist weg, die Lederbänke sind nun dunkelgrün und an der Wand prangt ein eigens angefertigtes Ölgemälde von Helmut Qualtinger.

Nach einer zweiwöchigen Soft-Opening-Phase fand am 30. Mai die offizielle Eröffnungsparty statt. Bis spät in die Nacht wolle man feiern, meint Kölbl am Nachmittag.

Überhaupt soll das Drechsler wieder mehr zur Partylocation werden. Deshalb starten Kölbl und Weidinger im Juni mit der Eventreihe "Mulatschak" (ungarisch für „Vergnügen“), bei der unterschiedliche DJs ab 22 Uhr für Stimmung sorgen werden. Wird das angenommen, werde man das ausbauen.

Apropos feiern: Nächstes Jahr werde das Drechsler 100 Jahre alt. Das Jubiläum wolle Kölbl groß feiern. Am besten mit einer 100-Stunden-Party über Silvester.

1919 ist das Kaffeehaus ja von Engelbert Drechsler eröffnet worden, ursprünglich als Treffpunkt für die Marktstandler, später sprach es sich unter den  Nachtschwärmern herum, da man selbst um 4 Uhr früh Schnitzel essen konnte.

Getrüffelte Erdäpfel und Safranpüree

Apropos Essen: Bei den Gerichten legt Michelin-Sternekoch Nikolai Kölbl  Wert auf das gewisse Extra. Das klassische Wiener Schnitzel gibt es mit getrüffeltem Erdäpfelsalat (17,90€), das Gulasch kommt mit Ochsenfleisch (13,90€) und das faschierte Laibchen wird mit Safranpüree (11,90€) serviert.

In puncto Kaffee wünscht sich Kölbl südländischen Flair. Der Kaffee an der Bar ist deshalb auch billiger als auf den Sitzplätzen, "wie in Italien". Und peu à peu wolle Kölbl auch ein paar Schmankerln aus seiner Heimat Berlin in die Karte aufnehmen.

Ach ja, Berlin. Natürlich habe er die Kommentare von manchen mitbekommen, dass unbedingt ein "Piefke" das Wiener Kult-Kaffeehaus übernehmen musste. "Aber wenn ich's nicht gemacht hätte, hätte es niemand gemacht. Und das wär den Wienern dann ja auch nicht recht", meint er mit Augenzwinkern.

"Mit Vollgas"

Der Gastronom ist sich auch sehr wohl bewusst, dass er sich mit Drechsler ein "Mörderprojekt" aufgehalst hat. Der vormalige Besitzer Manfred Stallmajer hatte das Lokal unter anderem Ende März geschlossen, weil die umliegenden Lokale am Naschmarkt immer mehr zur Konkurrenz geworden waren.

Deshalb werde das neue Team in nächster Zeit auch "Vollgas geben", versichert Kölbl, um das Drechsler wieder zu beleben. "Es wäre doch toll, wenn hier irgendwann noch einmal der 200. Geburtstags des Lokals gefeiert werden könnte."