Genuss
19.04.2012

Weinschule, Folge 2: Das Kamptal

Entdecken Sie mit Vinorama.at und KURIER.at die Vielfalt des facettenreichen Weinbaugebiets am Kamp.

Das Kamptal - Mikrokosmos zwischen Fluss und Terrassen, zwischen Urgestein und Lehm, zwischen Tradition und Moderne. Entlang des Talverlaufs bietet sich eine einzigartige Vielfalt an Terroirs und Weinen, eine Vielfalt, die entdeckt werden will und gerade erst begonnen hat, ihr volles Potenzial zu entfalten.

In dem kompakten und überschaubaren Weinbaugebiet gelingt es den Winzern mit ihrem Know-How das vermeintliche Spannungsfeld der Widersprüche in tollen Weinen zu vereinen. Mit seinen knapp 3.900 Hektar Anbaufläche zählt das Kamptal zu den größeren Weinbaugebieten des Landes.

Landschaftliches Wahrzeichen des Kamptals ist der Heiligenstein. Die prominente Lage war im Mittelalter noch als "Höllenstein" bekannt - ein Hinweis auf die hohen Temperaturen, die Sonne brannte "höllisch" auf den Boden.

Mit der Wein-Erlebniswelt Loisium wird in Langenlois ein moderner Kontrapunkt zur langen Tradition des Weinbaugebiets gesetzt. Im Spannungsfeld von moderner Architektur und alter Weinkultur können Besucher in dem vom amerikanischen Star-Architekten Steven Holl entworfenen neben der theoretischen Aufbereitung des Themas Wein auch das Gelernte bei Verkostungen gleich in die Praxis umsetzen.

Historische Wurzeln - Die Weinbautradition im Kamptal geht weit bis ins Mittelalter zurück. Urkunden aus dem 11. Jahrhundert geben darüber Aufschluss. In einem Schriftstück aus dem Jahr 1082 wird das spätere Langenlois erstmals unter dem Namen "Ljubisa" erwähnt. Wurde das Kamptal bereits zu Zeiten der Ritter als Weinregion geschätzt, so wird es heute als eines der spannendsten zukunftsträchtigsten Weinbaugebiete mit großem Potenzial gesehen.

Das Kamptal zählt mit einer Milliarde Jahre Erdgeschichte und 30.000 Jahren Menschheitsgeschichte zu den ältesten Landschaften und Kulturregionen Europas. Die Basis für den erfolgreichen Weinbau im Kamptal ist der so genannte "Gföhler Gneis", das Urgestein, das in den Hang- und Bergbereichen nur mit einer dünnen Humusschicht bedeckt ist. In den Eiszeiten setzte sich im Kamptal Löss in gewaltigen Schichten ab, der Kamp sorgte für lehmig-sandigen Untergrund. Schotter- und Tonböden sind im Kamptal ebenso zu finden.

Das Klima des Kamptals ist, ähnlich wie jenes im Kremstal, geprägt durch zwei Einflüsse: Im unteren Kamptal treffen das trocken-heiße pannonische Klima und die rau-kühle Luft des nordwestlichen Waldviertels aufeinander, sodass man von einem Kamptaler Kleinklima sprechen kann. Durch die Topographie des Tales - offen zur Donau hin verengt es sich in Richtung Norden - wird der klimatische Effekt verstärkt. Heiße Tage und kühle Nächte im Sommer, sowie lange sonnige Herbstperioden sind daher typisch für das Kamptal, das dadurch Weine mit klarem und frisch-würzigem Charakter hervorbringt.

Der Weinbau im Kamptal kann im Allgemeinen als Symbiose aus Tradition und Innovation beschrieben werden. Neben Langenlois mit den Gemeinden Gobelsburg, Haindorf und Zöbing sind noch zahlreiche kleinere Weinorte mit ihren Lagen von Bedeutung.

Die markanteste Lage des Weinbaugebiets ist der bereits erwähnte Heiligenstein. Das Besondere ist der Boden, ein Wüstensandstein mit vulkanischen Bestandteilen aus der 270 Millionen Jahre alten Perm-Zeit. Auf den steilen Terrassen am Südhang des Heiligensteins wächst hauptsächlich Riesling, der kraftvolle, langlebige Weine hervorbringt. Die Lage Dechant gehört hingegen zu den Rotweininseln des Kamptals. Blauburgunder und Zweigelt bringen hier die besten Ergebnisse. Am Gaisberg, genauer in der Einzellage Ofenberg gedeihen aufgrund des besonderen Bodens und des absolut optimalen Mikroklimas unverwechselbare Grüne Veltliner. Die Lage Hasel bringt hochreife Grüne Veltliner, Sauvignons und Chardonnays hervor. Am Loiserberg fühlen sich Rebsorten mit ausgeprägtem Aroma wohl. Veltliner- und Burgunder-Rebstöcke in der Lage Schenkenbichl bringen alljährlich Weine von besonderer Dichte, Mächtigkeit und Ausdrucksstärke hervor. Im Westen des Orts Zöbing liegt die Riede Seeberg. Sand und Lehm wechseln sich hier mit bis knapp an die Oberfläche reichenden Schiefereinschnitten ab, heiße Tage und kühle Nächte sorgen für feinfruchtige, würzige Weine mit guter Konzentration. Der Spiegel zeichnet sich durch eine mächtige Löss-Schicht (bis zu 40 Meter) aus - besonders konzentrierte und vielschichtige Veltliner sind hier typisch. In der Lage Wechselberg gedeihen Grüner Veltliner und Riesling, Letzterer findet auch in der Steillage Wechselberger Spiegel idealste Bedingungen. Weitere Lagen: Fahnberg, Käferberg, Ladner, Stangl, Steinhaus, Steinmassl.

Nicht nur die Qualität der Weine aus dem Kamptal besticht, auch die Vielfalt spricht eine einzigartige Sprache. Vom Winzersekt bis hin zum Hochprädikatswein bietet das Kamptal alles, was das Herz eines Weinliebhabers höher schlagen lässt.

Die Hauptrebsorten im Kamptal sind der Grüne Veltliner und der Riesling. Für diese beiden Sorten findet sich auch auf den Etiketten der
Herkunftsbegriff "Kamptal". Der Zusatz "Reserve" kennzeichnet im Gegensatz zu den klassischen die gehaltvollen Weine der Herkunft Kamptal. Der Grüne Veltliner ist im Kamptal durch optimales Terroir, reduzierte Erträge, perfekt ausgereifte Trauben und schonende Kellertechnik in dichter, harmonischer, finessenreicher und langlebiger Ausprägung vertreten. Die ideale Sortenausprägung resultiert aus den hohen Temperaturen am Tag und den kühlen Nächten. Im Kamptal kommt der Variantenreichtum des Grünen Veltliners voll zur Geltung - von unkompliziert und leicht über klassisch und opulent bis hin zu vollmundig und süß. Rieslinge fühlen sich im Kamptal ebenfalls wohl. Die verwitterten Gesteinsböden mit vulkanischem Anteil bewirken eine unvergleichliche Mineralik, Biss und hervorragendes Reifepotenzial. Die bereits beim Veltliner ausgeführten klimatischen Bedingungen sorgen beim Riesling für extrem konzentrierte Weine mit perfekter Säure. Weitere Weißweine, die im Kamptal angebaut werden, sind: Chardonnay, Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Muskateller. Die Rotweine sind mit den Sorten Zweigelt und Blauburgunder vertreten. Und übrigens: Der namensgebende Züchter des Zweigelt, Friedrich Zweigelt, stammte aus Langenlois.

Vier ausgesuchte Winzer werden Ihnen in der zweiten Folge der Weinschule vorgestellt: Ein Chardonnay Gaisberg von Birgit Eichinger aus Strass, ein Weißer Zweigelt von Johann Topf, ebenfalls aus Strass, das Schloss Gobelsburg kredenzt einen Gobelsburger Grünen Veltliner Lössterrassen, und das Weingut Hirsch aus Langenlois schenkt einen Riesling Zöbing ein.

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