Genuss
12.04.2018

Wein & Co-Chef Kammerer will nicht mehr verkaufen

Die Neuausrichtung von Wein & Co war wegen der geänderten Konsumgewohnheiten der jüngeren Generation notwendig.

Der Gründer und Eigentümer von Wein & Co, Heinz Kammerer, will seine Weinhandelskette nach drei Jahren heuer wieder aus der Verlustzone führen. "Wir haben drei Jahre gebremst, weil wir das Unternehmen komplett umgebaut haben", sagt der Weinhändler. Die Weinkette feiert heuer ihr 25-jähriges Jubiläum und soll auch vorerst im Besitz von Kammerer bleiben.

Ein kompletter Verkauf von Wein & Co  wie in der Vergangenheit mehrfach kolportiert  ist für den 69-jährigen Firmenchef derzeit kein Thema. "Es wäre jetzt kein guter Zeitpunkt." Vorstellbar für Kammerer ist es aber, einen Geschäftspartner in das Unternehmen reinzunehmen. "Da bin ich am überlegen und reden." Er sei interessant an Partnern, die etwas "ganz anderes" einbringen können, etwa Kommunikationsdienstleistungen.

Wein & Co machte im Geschäftsjahr 2016/17 mit 20 Filialen, davon 7 Barfilialen, einen Nettoumsatz von 42 Mio. Euro. Im laufenden Jahr sollen die Erlöse bei rund 43,5 Mio. Euro liegen. Rund 70 bis 75 Prozent des Gesamtumsatzes erzielt die Weinhandelskette in ihren Shops, 15 bis 20 Prozent in den Wein & Co-Bars und 15 Prozent im Online-Handel. 85 Prozent des Umsatzes erzielte Wein & Co mit Wein/Schaumwein, 8 Prozent mit Destillaten, alkoholfreien Getränken, Bier und Kaffee, vier Prozent mit Feinkost und drei Prozent mit Non Food.

Die Verluste in den vergangenen drei Jahren von insgesamt rund 2 Mio. Euro waren laut Kammerer notwendig, um die Weinhandelskette umzubauen. Die Wein & Co-Logistik mit 35 eigenen Mitarbeitern wurde an den Logistiker Schenker ausgelagert, der Online-Shop wurde neu konzipiert.

Die junge Generation sieht Wein als "Begleitung"

Geänderte Konsum- und Einkaufsgewohnheiten der jüngeren Generation haben laut dem Wein & Co-Chef eine Neuausrichtung nötig gemacht. "Wie in den 1990/2000er Jahren so kann man heute fast keinen Wein mehr verkaufen". Wein werde "heute nicht mehr mit religiösem Ernst konsumiert, sondern mehr als Begleitung gesehen", so Kammerer. "Der Weinhandel wird anlassgetriebener, die Jahrgangssammler werden immer weniger. Es ist spaßiger geworden, das ist sehr angenehm", so das Fazit des Weinhändlers. Als Händler könne man heutzutage nicht mehr mit einem rein analogen und einem Rabatt-getriebenen Geschäftsmodell erfolgreich sein.

Expansionsschritte von Wein & Co wurden in der Vergangenheit wieder abgeblasen, etwa nach Deutschland. "Ich bin so froh, dass ich das nicht gemacht habe", sagte der Wein & Co-Chef. Auch das Shop-in-Shop-Konzept bei Merkur habe nicht funktioniert.

Expandieren will Kammerer derzeit mit einer neuen Social-Media-Strategie, Suchmaschinen-Optimierung und Werbung bei Google, mehr Veranstaltungen und Kooperationen. Grundsätzlich kann sich Kammerer einen Standort in Deutschland vorstellen, wo Wein & Co viel online verkauft.

Derzeit macht die Weinhandelskette rund ein Drittel des Online-Umsatzes in Deutschland. Wenn man in Deutschland einen Standort eröffnen würde, etwa in München, dann nur mit einem etablierten Partner, so Kammerer.

Ein Thema bei Wein & Co ist auch, die Gastronomie in den Weinbars an einen externen Partner zu verpachten. In Graz sei man damit sehr erfolgreich, in Wien überlege man diesen Schritt.

Für den Wein & Co-Chef war die Gründung der Weinhandelskette vor 25 Jahren "wie eine Abenteuerreise. Nur wenige haben geglaubt, dass es Sinn macht". Im Jahr 1993 gründete der damalige Fliesenhändler Kammerer die Weinhandelskette mit sechs Filialen. Im Jahr 1998 verkaufte Kammerer das Fliesenhandelsgeschäft für einen Millionenbetrag. Bis 2012 wuchs der Umsatz kontinuierlich, seitdem stagnierten die Erlöse. Die Expansion im Online-Handel soll künftig die Umsätze wieder pushen.