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Martini-Bräuche
11/03/2012

Vom Naturallohn zum kulinarischen Hochamt

Was hinter dem Kult ums Martinigansl steckt.

von Martin Burger

Ein anständiger Burgenländer kann die Vita seines Landespatrons im Schlaf hersagen: Geboren 326 oder 327 in Savaria (heute: Szombathely, dt.: Steinamanger) als Sohn eines römischen Offiziers, mit 15 Jahren
Eintritt in die Armee, Militärdienst in Gallien, am Stadttor von Amiens (damals: Samarobriva) soll es zur überlieferten Begegnung mit einem Bettler gekommen sein, mit dem Martinus seinen Soldatenmantel teilte. Vor
seiner Bestellung zum Bischof soll er sich im Gänsestall versteckt haben – daher der Name „Martinsgans“. Am 8. 11. 397 starb Bischof Martin auf einer Seelsorgereise. Am 11. November wurde er in Tours beigesetzt. Martins Begräbnis fiel auf den letzten Arbeitstag des bäuerlichen Jahres. Die Knechte erhielten ihren Lohn und als Draufgabe eine Gans. Keine milde Gabe: Vor der kargen Winterzeit musste die Geflügelschar auf dem Hof verkleinert werden. Das Christentum übernahm den heidnischen Brauch des Schlachtfestes wie viele andere auch. Neben dem Martinigansl (1171 erstmals urkundlich erwähnt) gehören die Laternenumzüge (erinnern an die mittelalterlichen Martinsfeuer), das Martinsgestampfe gegen böse Geister (in Tirol) und das Verkosten des Jungweins zum Martini-Brauchtum, im Burgenland: Martiniloben. Der Jungwein-Hype ist aber etwas abgeflaut, weil 1.) die vergangenen Ernten geringer ausgefallen sind und 2.) die sortenreinen Weißweine schon früher auf den Markt kommen. Wichtig ist nach wie vor der „Staubige“ (ein unfiltrierter Wein), der zum Rotkraut serviert wird. Zuprosten darf man erst, nachdem der Wein in der Kirche gesegnet wurde. Letzte Worte: Beim Jungwein sagt man „Prost“, beim Sturm und beim Staubigen ist „Mahlzeit“ die korrekte Ansprache.
 

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