Genuss 05.12.2011

Strom-Wein und andere Verirrungen

Technische Manipulation von Industrie-Wein, über Mostkonzentration bis hin zu den vieldiskutierten Eichenchips.

Auf Spiegel.de war unlängst zu lesen, dass eine Strom-Behandlung den Wein besser mache. Na sicher. Hier ein paar Zitate aus dem von großen Weinkennern verfassten Artikel:

"Ein neues Verfahren könnte das jahrelange Reifen von Wein überflüssig machen: Chinesische Wissenschaftler haben mit Strom jungen Wein innerhalb von Minuten veredelt. Selbst Kenner waren vom Ergebnis positiv überrascht."

Diese Kenner würd ich lieber nicht kennen lernen.

"Elektrische Felder können offenbar den Reifeprozess von Rotwein dramatisch beschleunigen und selbst kaum genießbaren Billigwein schmackhaft machen."

Genau. Wir kaufen nur noch Tetra-Pak-Weine und setzen sie unter Strom.

Wein und Technik

Mir persönlich sind ja Weine am liebsten, die so natürlich wie möglich entstehen dürfen. Aber global gesehen wird manipuliert, da weiß man dann wenigstens wovon einem schlecht ist. Da werden Eichenholz-Pulver schon bei der Gärung beigefügt, damit man rasch und billig Barrique-Geschmack imitieren kann. Dort werden mittels aufwendiger Verfahren die Weine in die einzelnen Bestandteile zerlegt und neu wieder zusammengebaut. Na Prost.

Nur die bösen Amis? Nein. Auch bei uns wird konzentriert und mit Eichenchips gearbeitet. Zugegeben, meist auf keinem schlechten Niveau. Aber wir wissens ja eh nicht, weil laut EU-Verordnung muss es nicht deklariert werden. Wer sicher gehen will, dass sein Wein wirklich in einem echten Eichenfass gereift ist, muss auf die Bezeichnungen "Holzreife" oder "Barrique" achten. Aber "unter Beigabe von Eichenchips aromatisiert" werden Sie vergeblich suchen. Das sieht auch unser heimisches Weingesetz nicht vor.

Erstellt am 05.12.2011