Genuss 01.04.2012

Schnecken in der Karwoche

Zum Ausklang der Fastenzeit servieren Wiener Restaurants ausgefallene Kreationen rund um die Kriechtiere.

Bei kaum einer Delikatesse scheiden sich die Geister mehr als bei Schnecken. Fakt ist aber, die Wiener Weinbergschnecke war schon vor Jahrhunderten ein beliebtes Gericht zur Fastenzeit. Die Nachfrage nach der "fleischlosen" Fastenspeise war so enorm, dass die Weichtiere im 17. und 18. Jahrhundert sogar über die Donau importiert wurden.

In Wien gab es einen eigenen Schneckenmarkt. Die Tiere wurden dort von sogenannten "Schneckenweibern" als Wiener Auster angepriesen. Dieser Markt befand sich in der Gegend des heutigen Jungferngasserl hinter der Peterskirche. Dort verzehrte man die Kriechtiere am liebsten gekocht und gezuckert als Imbiss, gebacken oder auch mit Speck gebraten zum Weinkraut.

Andreas Gugumuck betreibt eine Schneckenfarm in Rothneusiedl. Diese Woche gibt es in ganz Wien erlesene Menüs mit den Weichtieren.
© Bild: Wiener Schnecke, honorarfrei

Ausgesuchte Wiener Restaurants lassen diese Tradition nun aufleben und kredenzen in der Karwoche ganz besondere Schnecken-Gerichte. Hier eine Auswahl:

Im Marktachterl (2., Karmelitermarkt 96 ) serviert man ein würziges Kaninchenragout mit Wiener Schnecke. Bei Christian Domschitz im Vestibül im Burgtheater (1., Dr. Karl Lueger-Ring 2) kann man die Weichtiere hingegen nach Burgunder Art mit Kräuterbutter genießen. Deftiger geht es im Restaurant Der Ringsmuth (10., Johannitergasse 1) in Favoriten zu. Denn dort kredenzt man ein "Szegediner Krautfleisch von der Schnecke". Beim Silberwirt im Schlossquadrat ( 5., Schlossgasse 21) gibt es ein "Erdäpfel-Bällchen von der Violetta gefüllt mit Wiener Weinbergschnecke und Kräuterbutter auf Sauerrahm mit Forellenkaviar" oder "Gratinierte Schnecken mit Weißbrot".

Bis 8.April, alle teilnehmenden Restaurants findet man unter: www.diningcity.com oder www.wienerschnecke.at.

Wussten Sie, dass ...

... Schnecken in der Küche eine lange Tradition haben, die sogar bis ins Mittelalter zurückreicht? Auch die alten Römer schätzten die Delikatesse bereits sehr, da ihr eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wurde.

... man in Wien Schnecken früher besonders gerne gekocht, in Knoblauchbutter geschwenkt, in Bierteig getaucht und abschließend in Schweineschmalz herausgebacken hat?

... Schneckenfleisch arm an Fettgehalt, aber dafür reich an Omega-3-Fettsäuren ist? Das Fleisch hat drei Mal so viel Protein wie ein Steak und kaum Cholesterin.

... Franzosen und Italiener am häufigsten Schnecken verzehren?

( Kurier ) Erstellt am 01.04.2012