Genuss 05.12.2011

Neuer Luxus: Kaffee und Schokolade

Alexander Rabl hat etwas gegen Spekulation mit Lebensmittelpreisen.

Schon letztes Jahr hörte man hinter vorgehaltener Hand in den kleinen Sckoko-Geschäften in Paris oder Wien, dass die Kakaopreise so anziehen, dass es irgendwann zu gewaltigen Preiserhöhungen bei der ohnehin nicht gerade billigen Schokolade mit hohem Kakaoanteil kommen wird, die in den letzten Jahren immer mehr Freunde gefunden hat. Spitzenkakao, mit dem zum Beispiel Christian Petz in Wien arbeitet, wird zwar nicht an den Märkten gehandelt, sondern ist eine Sache persönlicher Verbindungen zu High-End-Lieferanten. Doch auch für alles unter High-End gilt: die Ware ist knapp, der Nachfrage steigt. Jetzt steigt auch der Kaffeepreis.

Es ist die Liebe zum Geld, die die Kaffeepreise steigen lässt.

Was die Wiener in ihren Kaffeehäusern erfreut, ja, deren Existenz eigentlich möglich macht, was wir uns zwischendurch als Ristretto in kleine Tassen gießen lassen, dessen Preis ist an den Rohstoffbörsen in den letzten Monaten um 50% gestiegen. Sie haben richtig gelesen: Fünfzig Prozent (die Hälfte von Hundert). Und: Rohstoffbörsen. Denn die Börsenbroker und Hedgefonds, denen der Rest der Welt so angenehme Dinge wie Wirtschaftskrisen und Bankenschirme verdankt, haben einen enormen Einfluss auf die Preise von Lebensmitteln. Sie spekulieren mit den Preisen von dem, was wir täglich essen und trinken. Es ist also nicht so, dass der Kaffee teurer wurde, weil Merryl Streep in ihrer afrikanischen Kaffeeplantage wegen eines Brandes einen Ernteausfall hatte.

Es ist die Liebe zum Geld, die die Kaffeepreise steigen lässt.

Es sind die Spekulanten, die Kaffee und auch Kakao in den letzten Monaten gewaltig teurer machten. Vielleicht kommt der kleine Espresso nach dem Essen beim "Italiener" bald genauso teuer kommt wie die Flasche Brunello, die vorher geleert wurde. Vielleicht rangiert ein Päckchen Schokotrüffel bald nicht nur was die Verpackung betrifft auf der gleichen Ebene wie Cartier. Was kann der Einzelne tun außer zu jammern? Die Regierungen sind gegen die Freunde aus der Fondsabteilung ziemlich machtlos oder tun zumindest so. Aber jeder von uns hat die Macht, herauszufinden, wer da spekuliert und ihm und seinen Vertreibern das Geld zu entziehen.

( KURIER.at ) Erstellt am 05.12.2011