Genuss
05.03.2012

Moskau, Stadt der Gourmets

Luxus in Moskau: Reiche Russen importieren die feinsten Speisen aus der ganzen Welt. Auch aus Österreich.

Die Wurst fliegen wir aus Frankreich ein. Der Lachs kommt aus Norwegen. Das Kalbfleisch kaufen wir in Holland. Die Ochsenherztomaten importieren wir aus Armenien." Gerhard Mitrovits, Direktor des Fünfsternehotels Baltschug-Kempinski in Moskau, bietet seinen Gästen nur das Feinste. Für den gebürtigen Eisenstädter hat auch Österreich Platz auf der Karte: Mit 18 unterschiedlichen Weinen etwa.

"Bei Lebensmitteln sind die Russen importsüchtig", beschreibt der österreichische Handelsdelegierte Dietmar Fellner. "50 Prozent der Waren kommen aus dem Ausland." Allein nach Moskau würden täglich 30.000 Tonnen Lebensmittel angeliefert.

Die europaweit teuerste Metropole boomt: Gourmets finden hier 1600 Toplokale vor. Diese Zahl entstammt einer Studie des Getränkeherstellers Pago, als "Toplokal" wird kurioserweise gewertet, wo der Preis für einen Cappuccino acht Euro aufwärts beträgt.

Tausende Rubel

Die Luxushotels werden nicht nur von Ausländern frequentiert. Auch wohlhabende Moskauer pflegen ihre Leidenschaften dort: Gut und viel zu essen, ausgiebig erlesenen Alkohol zu trinken, pro Kopf und Magen Tausende Rubel dafür hinzublättern. Moskauer Lehrer können sich diesen Luxus nicht leisten, verdienen sie doch umgerechnet nur 1000 Euro im Monat, 40.000 Rubel also.

Im Februar war die Welt wieder einmal zu Gast in Moskau: Bei der "Prodexpo", der Lebensmittelmesse für Russland und die GUS-Staaten. Die Steiermark rühmt sich, mit ihren naturnahen Produkten Feinkostladen Europas zu sein. Also machte sich eine Delegation unter dem Schutzschirm des Lebensmittelclusters "Tech for Taste" nach Moskau auf. "Der Russe ist ein Feinspitz", beschreibt der Wiener Consulter Paul Bruck. "Es muss nicht immer Kaviar sein."

Genussbotschafterin

Österreichs Botschafterin Margot Klestil-Löffler kauft gerne im Luxusladen Asbuka Wkusa ("ABC des Geschmacks") ein. "Österreichische Waren vermisse ich dort noch ein bisschen." Ihre Exzellenz hat sich fest vorgenommen, mehr steirische Köstlichkeiten bei Botschaftsempfängen anzubieten. Klestil-Löffler hält auch die olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 und die Fußball-WM 2018 in Russland für geeignete Markteintritts-Plattformen.

Geld spielt anscheinend keine Rolle in der Welt der Reichen und Schönen. Wer sich in der goldenen Einkaufsmeile von Moskau eine Luxuswohnung um 40.000 Euro pro Quadratmeter leistet, gibt auch ohne viel Grübeln fürs leibliche Wohl Unsummen aus. Was aus Österreich ist also gefragt? Darbo-Marmelade etwa ist schon dick im Geschäft. Bei Kernöl fremdelt man noch. "Ein Prozent der Russen kennt es, also 1,4 Millionen Menschen", hält Paul Bruck diese Exportschiene für ausbaubar.

Platzieren wird sich Steirerkren, im Ausland Lieblingskren genannt und im Glas erhältlich. Wer dran dreht, dem sticht Schärfe in die Nase. Mit ein bisschen Schwefel ist diese Frische zu konservieren. "Russen sind Krenesser", weiß Herbert Hörlein, Seniorchef der Feldbacher Fruit Partners.

Zigarrenbrand

Questers Saiblinge und Forellen aus steirischen Naturteichen werden demnächst in veredeltem Zustand exportiert: Als Räucherfilets, Fischwürstel und Sushi. Steirische Jöbstl-Schnäpse haben Kempinski-Chef Mitrovits schon überzeugt: Vor allem der Zigarrenbrand von Oberschnapsbrennerin Waltraud Jöbstl.

Auch die Ölmühle Fandler bestach in Moskau mit exklusiven Produkten. Das Macadamia-Öl war bei einer Verkostung in einem Delikatessen-Laden gleich ausverkauft. Das Walnussöl, in Österreich um sieben Euro pro 100 ml zu haben, wurde in Moskau ums Vierfache an die Konsumenten gebracht. Edelwinzerin Nora Trierenberg (Weingut Georgiberg) hat auch schon einen geschäftstüchtigen Fuß in der Türe: Sie liefert Morillon, Grauburgunder und Sekt an die genussfreudigen Russen.