Genuss
24.05.2018

Mahlzeit: Meersalz mit Mikroplastik verunreinigt

Österreichische Konsumentenschützer warnen vor möglichen Kunststoffteilchen in Meersalz.

Die zarte Blume des Salzes – das feine fleur de sel verleiht jeder Speise eine elegante Würze. Seit einigen Jahren gibt es einen wahren Hype um die Salzblume, die nur an heißen, windstillen Tagen als hauchdünne Schicht an der Wasseroberfläche entsteht. Wer sich für dieses besonders teure Tafelsalz entscheidet, riskiert gesundheitliche Folgewirkungen: Bereits Anfang des Jahres hatten Wissenschafter der Universität Oldenburg Ergebnisse eines Tests veröffentlicht, wonach alle von ihnen untersuchten fleur de sel-Proben winzige Plastikteilchen enthielten.

Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) wollte es jetzt genau wissen: Handelt es sich hier um einen alarmierenden Zufallsfund oder um eine echte Gefahrenquelle für alle Konsumenten, die mit Meersalz kochen? Die Konsumentenschützer wählten zwölf Salze aus heimischen Supermärkten aus – darunter ein fleur de sel und ein österreichisches Steinsalz – und ließen diese in einem international anerkannten Labor untersuchen.

Birgit Beck, Ernährungswissenschafterin im VKI: "Wir haben uns zu dem Test entschlossen, weil wir das Problem der hohen Konzentration von Mikroplastik in den Meeren kennen. Bei Meersalz und Meeresfrüchten ist die Gefahr größer, dass wir Mikroplastik zu uns nehmen als bei Speisefischen, da bei wir normalerweise nur Fische essen, bei denen der Verdauungstrakt entfernt wurde." Das Ergebnis ist durchaus besorgniserregend: In sechs der elf Meersalz-Proben fand das Labor winziges Plastikgranulat oder Teilchen von Plastikfolie.

Steinsalz aus Österreich war plastikfrei

Nach der Vorbereitung der Proben, der Reinigung und Filtration wurde im Labor per Mikroskopie nach Mikroplastik in Form von Fasern, Granulat und Folie gesucht. Bei den Fasern lagen alle getesteten Salze unter der Bestimmungsgrenze. In vier Meersalzen war jedoch Mikroplastik in Form von Granulat nachweisbar, in zwei Meersalzen war sogar Granulat und Folie nachweisbar. Die meisten Plastikkörnchen bzw. -kügelchen hatten eine Größe von weniger als 0,1 mm - das entspricht der Stärke eines Blatt Papiers. Das als "versteckte Blindprobe" eingeschickte Steinsalz war übrigens frei von Kunststoffpartikeln – mit diesem Ergebnis hatten die heimischen Konsumentenschützer gerechnet. Im fleur de sel (mit 11,98 Euro pro Kilogramm das teuerste der getesteten Salze) konnte das Labor nur geringe Mengen an Mikroplastik nachweisen.

Einen Zusammenhang zwischen Mikroplastik und der Verpackung ließ sich im Test nicht herstellen, die Kunststoffteilchen stammen also definitiv aus dem Meer. "Es gibt bereits Untersuchungen von anderen Lebensmitteln, die ebenso den Verdacht nahelegen, dass Plastikteilchen Teil unserer Nahrungskette sind. Allerdings hängen die Schlüsse, die aus diesen Studien gezogen werden, stark von der jeweiligen Untersuchungsmethode ab." So gab es u.a. eine Studie der State University of New York zum Thema Kunststoffpartikel in Mineralwasser.

Langzeitfolgen für den Menschen sind unbekannt

Generell lässt sich sagen, dass es auch in der Luft eine Kontamination von Plastikfasern gibt – zum Beispiel von Kleidung mit Kunstoffanteil.

Wer glaubt, dass die "böse Industrie" die Weltmeere am meisten verschmutzt, irrt: 77 Prozent des in den Meeren schwimmenden Mikroplastiks stammt laut der Organisation „International Union for Conservation of Nature“ von privaten Haushalten – aus Waschmaschinen, in denen wir Kleidung aus synthetischen Materialien waschen, vom Abrieb der Reifen unserer Autos oder von Kosmetika, die wir in den Abfluss kippen. Jeder Europäer spült auf diese Weise rund 57 Sackerl pro Jahr in die Meere.

Kommenden Montag reagiert die Europäische Kommission auf diese Umweltverschmutzung: Sie will ein Verbot von Einweggeschirr, -besteck und Strohhalmen aus Plastik vorschlagen. Das Verbot kann jedoch nicht ohne Zustimmung der Mitgliedstaaten und des EU-Parlaments erlassen werden.

Aber was passiert nach der Aufnahme von Mikroplastik in unserem Körper? Scheiden wir es aus oder gelangt dieses in den Blutkreislauf? Die Auswirkungen für den Menschen sind weitgehend unbekannt. Im Tierversuch wurde die Aufnahme kleinster Teilchen bereits nachgewiesen – ebenso Entzündungsreaktionen und Zellschäden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gibt zwar Entwarnung, regt aber weitere Studien an. Expertin Beck: "Bis wir wissen, ob Mikroplastik unschädlich oder giftig ist, empfehlen wir Alternativen zu Meersalz."