Kein Essen für Warmduscher: Zampone

Nur wer kein Geld braucht, serviert den Zampone statt mit Linsen zum Beispiel mit Bohnen.

Aus gegebenem Anlass und weil wir noch Jänner haben. In Italien gilt der Zampone als traditionelles Gericht rund um den Jahreswechsel. Novizen müssen sich Anfangs überwinden und werden belohnt mit einem herrlich galertigen Genuss.

Gefüllter Schweinsfuß?" fragt der Warmduscher. "Uhhh, wie grauslich." "Da wird mir ja gleich schlecht beim Gedanken", sagt der Vorwärtseinparker. Und die Hausfrau befällt ein wohliger Schauer beim Anblick des in durchsichtigem Plastik verpackten Fußes. Der Zampone (Zampa=Haxe) ist in Italien Kult. Während der Weihnachtszeit, um den Jahreswechsel und danach serviert man Zampone traditionellerweise mit Linsen. Linsen gelten ja als Glücksbringer in finanziellen Angelegenheiten. Wenn Sie Agnelli heißen, können Sie statt der Linsen auch Bohnen oder Erdäpfelpüree nehmen. In den italienischen Restaurants in Wien und Restösterreich wird man den Zampone übrigens meistens umsonst bestellen. Es gibt ihn nur in Lokalen, die sich der Pflege der echten südländischen Esskultur verschrieben haben und nicht ihrem Abklatsch nördlich der Alpen. Zum Beispiel beim großartigen Alberto Stefanelli in seinem Bacchus in Wien 5. Darüber ein anderes Mal mehr.

So geht die Zubereitung

Der Zampone funktioniert im Prinzip wie eine Wurst. Ein entbeinter Schweinsfuß mitsamt Klauen wird mit einem Brät aus gehackten Sehnen, gehackter Schulter und den üblichen Verdächtigen gefüllt. Der Fuß wird in einem für diesen Zweck speziell geeigneten Ofen getrocknet und verpackt. Wenn der Zampone auch am Teller nicht unbedingt der Light-Fraktion zuzuordnen ist, ist er doch äußerst leicht zuzubereiten. Einige Stunden Wässern (Packung vorher entfernen nicht vergessen), eventuell da und dort mit einer Gabel einstechen, damit der Fuß während des Kochens nicht vorzeitig von uns geht. Kochen. Servieren. Der Fuß sollte heiß serviert werden, in Scheiben macht er auf der Servierplatte eine gute Figur.

Ein Stück Kultur

Essen, das aussieht wie Essen und nicht ein denaturierter Quader aus dem Tiefkühlregal, das ist doch schon was. Die Gallerte und der doch recht eindeutige Geschmack des Zampone sind anfänglich nicht immer jedermanns Sache. Man kann die Gäste mit der Mitteilung überzeugen, dass es sich hierbei um ein echtes Stück italienischer Essgeschichte handelt oder auch damit, dass es nach dem Essen für alle, die brav aufgegessen haben, ein Tiramisu oder einen wirklich guten Grappa gibt. Manche wird man auch damit nicht überreden können und sie werden sagen: "Da schwimm ich lieber noch zehn Längen am Beckenrand, bevor ich da einen Bissen nehme." Tastes are eben different.

(KURIER.at) Erstellt am
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