Genuss
05.12.2011

Kann man den Schweinen trauen?

Und wie steht es um die Hühner und ihre Eier? Die Industrie serviert uns einen Appetithemmer nach dem anderen. Alexander Rabl auf der Suche nach Alternativen.

Der deutsche Gourmetkritiker Wolfram Siebeck schrieb in der Zeit "Alarmstufe Gelb" und meinte damit die mit dem Gift verseuchten Hühnereier und Hühner und auch den Umgang der Funktionäre mit einem Thema, das sie einfach nicht in den Griff zu kriegen scheinen. Oder auch nicht wollen. Es geht um die immer wiederkehrenden Skandale bei der industriellen Herstellung unserer Lebensmittel. Mittlerweile ist es Alarmstufe Rot. Die Schweinefleischpreise fallen, Bauern müssen ihre Höfe schließen, Österreichs Fleischmarketingfunktionäre machen sich mehr als Sorgen.

Die übliche Vorgangsweise. Der aufgeklärte Konsument sagt sich: Hab ich eh immer schon gewusst. Er kennt seine Fleischhauer (ab Linz heißen sie Metzger), er kennt seine kleinen Gemüsehändler, er kauft ausschließlich österreichische Bioeier. Der noch nicht aufgeklärte Konsument (wahrscheinlich leider immer noch die Mehrheit) sagt: Aber wo soll ich denn einkaufen? Leicht hat er es ja nicht. Aber auch nicht unbedingt schwer. Ein Verzeichnis der ambitionierten Betriebe kann man sich schon besorgen.

Zum Beispiel den Genussführer "Genussregion" oder den Slow Food-Führer von Nina Kaltenbrunner und Florian Holzer. Die guten und ehrlichen Fleischhauer liefern sich nicht dem Druck der Lebensmittelketten aus. Können sie nicht, wollen sie nicht und haben sie auch nicht notwendig. Fazit: wer gute und ehrlich gemachte Ware wünscht, muss manchmal einen Umweg auf sich nehmen. Wer den bequemen Weg in den Supermarkt wählt, muss damit rechnen, dass auch in Zukunft kleine prickelnde Skandälchen dem Einkauf Spannung verleihen.

Der Beruf des Fleischhauers zählt in Österreich zu den sterbenden Exotenberufen. Ganz im Gegenteil zu Italien oder Frankreich. Auch ein Grund, warum das Fleisch manchmal so schwach ist, auch wenn der Geist der Käufer durchaus willig wäre. Doch es gibt noch ein paar Unentwegte. Wir werden sie in lockerer Serienfolge vorstellen, ebenso wie Gemüsehändler abseits des Mainstreams und die kleinen oder größeren Läden, die stur ihre Eigenart und ihr Qualitätsbewusstsein pflegen.

Unser erster Besuch führt uns demnächst nach Hollabrunn. Zum Fleischhauer Hofmann.