Genuss
30.03.2012

Joseph Haydn wird Weinritter

Eine posthume Ehre für einen großen Komponisten, der einem guten Schluck Wein offenbar sehr zugetan war. Der Festakt erfolgt anläßlich des 280. Geburtstags Haydns am Samstag in der Bergkirche mit dem Haydn-Mausoleum.

Am Samstag jährt sich der Geburtstag von Joseph Haydn zum 280. Mal. Aus diesem Anlass wird dem Komponisten eine posthume Ehre zuteil: Im Rahmen eines Festaktes im Mausoleum in der Bergkirche in Eisenstadt nimmt der Europäische Weinritterorden den Genius Loci in seine Reihen auf.

Haydn wurde am 31. März 1732 im niederösterreichischen Rohrau geboren. Über Jahrzehnte hinweg lebte und arbeite der Komponist in Eisenstadt im Dienste der Fürsten Esterhazy. Sein Wirken in Eisenstadt und der Umstand, dass er im edlen Wein auch eine Quelle der Inspiration gefunden habe, war auch ein Anlass für die Weinritterschaft, den genialen Komponisten mit einer einmaligen Ausnahme posthum zu würdigen, so Alfred Tombor-Tintera, Magister Generalis des Ordo Equestris Vini Europae.

Fünf Liter Wein pro Tag

Der Festakt am Samstag beginnt mit dem Einzug der Ordensritter in vollem Ornat in die Bergkirche. Nach einer Andacht wird im Haydn-Mausoleum die in Latein verfasste Verleihungsurkunde verlesen. Das Ordenskreuz in Gold wird auf einem Insignienpolster am Sarkophag Haydns abgelegt. Ordenskreuz und Urkunde übernimmt anschließend für die Internationale Privatstiftung Joseph Haydn Intendant Walter Reicher.

Was der Geehrte wohl selbst dazu sagen würde? "Ich glaube, zu Lebzeiten hätte er sich auch darüber gefreut",  meinte Reicher. Bei Haydn könne man schließlich viele Bezüge zum Wein herstellen: "Ein Teil seines Gehalts war ein Weindeputat." Dabei handelte es sich um ungefähr fünf Liter pro Tag. "Das klingt viel, nur muss man bedenken, dass zu diesem Zeitpunkt das Wasser nicht trinkbar war, es war teilweise auch verschmutzt", erläuterte Reicher. Außerdem sei der ganze Haushalt - einschließlich der Diener - mit dem Wein versorgt worden.

"Freunde, Wasser macht stumm"

Auch musikalische Bezüge sind überliefert: "Eines seiner Chorlieder heißt: Freunde, Wasser macht stumm. Das ist eigentlich ein Lobgesang auf den Wein", schilderte Reicher. Auch im Text eines Jubelchores aus dem Oratorium "Die Jahreszeiten" wird dem Wein gehuldigt. Als Haydn sich ein Haus in Eisenstadt kaufte, habe zum Grund auch ein Weingarten gehört, der sich am Gelände des heutigen Schlossparks befand.

Aus den späteren Jahren Haydns existierten auch Schreiben, wo der Komponist für seine Gesundheit Tokajer-Wein erbat, erzählte der Intendant, dem dazu auch eine Geschichte einfiel: Der Fürst habe Haydn eine Kutsche zur Verfügung stellen wollen. "Haydn hat sich sehr artig bedankt für diese große Ehre." Dann habe er gemeint, "es wäre ihm lieber, wenn er diese Gnade in ein Tokaier-Deputat umwandeln könnte. Das wäre für seine Gesundheit noch mehr zuträglich. Es war dann auch so."