Industriefut­ter: VKI testet Fertigsuppen

Viele Geschmacksverstärker, wenig Verlässlichkeit auf die Verpackungs-Texte.

Fremd Foto: Fremd Dafür bleibt leider immer weniger Zeit.

Die Industrie verspricht uns in ihrer Werbung die heile Welt des Suppenessens. Sie zeigen die glücklichen Gesichter von Vater, Mutter, Kind und Hund beim idylleschwangeren Löffeln einer Packelsuppe, die nur eben einmal mit Wasser heißt gemacht wurde. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass das Versprechen vom Inhalt des Sackerls nicht gehalten würde. Wie kann auch etwas wirklich schmecken, das aus dem Labor  kommt und nicht aus dem Topf am Herd? Logisch ist daher, dass bei Fertig-Suppen, ob aus dem Packerl oder dem Kühlregal, dem Geschmack meistens nachgeholfen wird. Die Industrie sagt dazu Geschmacksverstärker. Das hört niemand gerne. Immer öfter kommt deshalb Hefeextrakt zum Einsatz. Nur bei Bioprodukten wird darauf verzichtet.

 

Ideal und Wirklichkeit im Lebensmittelindustriezeitalter

Wer gerne Suppe löffelt, weiß natürlich genau, was er tun sollte: Gemüse im Bioladen oder beim Biobauern seines Vertrauens einkaufen. Wenn es unbedingt sein muss, auch Fleischknochen – selbstverständlich vom glücklichen Rind aus dem Laufstall oder von der Alm. Daheim alles putzen, schneiden, aufsetzen und köcheln lassen. Bei einer ­Rindsuppe dauert diese Prozedur an die drei Stunden. Im Gegensatz dazu ist eine ­Gemüsesuppe zum Glück schneller zube­reitet. Ist alles inkusive Suppeneinlage geschafft, Tisch schön decken und im Kreise der Familie genießen.

Bei den meisten Menschen geht das nur, wenn sie sich dafür genügend Zeit nehmen. Der Speiseplan unter der Woche wird dagegen häufig von industriell hergestellten Suppen bestimmt. Bei einer Studie über den Suppenverzehr gaben 2009 mehr als ein Drittel der 1.500 Befragten an, dass sie mehrmals pro Woche einen Teller Suppe verspeisen. Fast zehn Prozent greifen dabei auf Packerlsuppen zurück.

 

Über Packerl, Dose, Becher und Flaschen

Ein bisschen Fachsprache zwischendurch: Trockensuppen, wie der Fachbegriff für ­Packerlsuppen lautet, machen seit Langem den größten Teil des industriellen Suppenmarktes aus. Sie sind immer verfügbar, lange haltbar und es gibt sie in vielen Sorten. Die Zubereitung ist einfach: Packung öffen, Inhalt je nach Rezept in kaltes oder warmes Wasser einrühren, kochen lassen, fertig. Ein Klassiker sind auch Fertigsuppen in Dosen wie z.B. Gulasch-, Bohnen-, Tomaten-, Kraut- oder Leberknödelsuppe.

Dose öffnen, Suppe erhitzen und schon kann es losgehen. Mit dem Essen, mit dem Genießen nur, wenn der Anspruch nicht zu hoch ist. Seit einiger Zeit ergänzen dieses bewährte ­Standardangebot nun fertige Suppen, die im Kühlregal stehen. Sie werden in verschiedene Gebinde abgefüllt, müssen zur Auf­bewahrung in den Kühlschrank und sind nicht lange haltbar. Anders als die Konkurrenz können sie daher mit einem "Frische­bonus" werben.

Wie schmeckt eigentlich Nass-Suppe?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) schaute nach, was alles in ­ Suppen aus dem Supermarkt steckt. Weil es noch lange dauert, bis die Paradeiser wieder Saison haben, entschieden sich die Tester des VKI als Vorgriff auf den Sommer für Tomatensuppe. Sie gehört zu jener Geschmacksrichtung, die fast alle ­Hersteller verkaufen.

Nur wenn sie bei einem Produzenten nicht aufzutreiben war, wichen die Suppentester auf eine Gemüsesuppe aus. Insgesamt nahmen diese 19 Produkte unter die Lupe – 16 Paradeissuppen und 3 Gemüsesuppen. Zehn der 19 Testkandidaten sind Trockensuppen im ­Beutel, also Packerlsuppen. Alle anderen ­werden als Nass-Suppen bezeichnet. Nass-Suppen übrigens ein genialer Begriff.

Drei ­Produkte waren Dosensuppen, die restlichen sechs sind gekühlte Suppen aus Bechern oder Kunststoffhüllen.

Zuviel Salz, Zucker und Glutaminsäure

Wer glaubt, dass Fertigsuppen Teil einer kaloriensparenden Mahlzeit sein könne, irrt möglicherweise. Zum Beispiel Zucker. Mit einem Teller Fertigsuppe löffelt man bis zu zweieinhalb Stück Würfelzucker mit. Ein neuer Trick der Industrie ist es, Natriumglutamat durch Hefeextrakt zu ersetzen. Damit spart man sich auf der Packung den Hinweis auf Geschmacksverstärker. Denn das versteht auch der einfache Suppenesser, dass Geschmacksverstärker böse sind. (Vor allem für Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten und davon gibt es ja immer mehr.)

Tatsache ist aber, dass Hefeextrakt von Natur aus Glutaminsäure enthält und das nicht gerade in geringen Mengen. Wer auf diese und andere Geschmacksverstärker verzichten will, muss zu Bioprodukten greifen. Fertigsuppen ohne Hefeextrakt oder Natriumglutamat gibt es von Ja! Natürlich, Suppenglück oder Natur Compagnie sowie bei den Suppen von Le Gourmet.

Zu viel Salz fanden die Tester in fast allen Suppen, außer in einem Produkt von Natur Compagnie. Manche Suppen enthalten pro Portion bis zu einem halben Teelöffel Salz. Ein Problem für Menschen mit Bluthochdruck.

Enttäuschend das Testergebnis auch für Vegetarier: In manchen angeblich nur aus Gemüsen bestehenden Fertigsuppen weist die Zutatenliste Rindfleischextrakt auf.

Haben wir, einmal ehrlich, etwas anderes erwartet?

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(kurier / ar) Erstellt am
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