Genuss
04.12.2018

Heiße Punsch-Ideen: Vom Glüh-Gin bis zum Schoko-Drink

Drei Experten verraten ihre Rezepte – vom Glüh-Gin bis zum schokoladigen Hot-Drink.

Aus der Ferne

diesen Wunsch:

Glückliche Sterne

und guten Punsch!

Theodor Fontane

Wie Weihnachten schmeckt? „Süßlich, nach Zimt, Spekulatius, Piment, Nelken, Orangenzesten und Mandarinen“, beschreibt Foodbloggerin Verena Pelikan (30, ihr Blog heißt „Sweets & Lifestyle“) festliche Gaumenfreuden. Rezepte dafür hat sie in ihrem Buch „ Punsch, Glögg & heißer Kakao – Die leckersten Getränke für die Winterzeit“ gesammelt. „Für einen guten Punsch braucht es hochwertige Zutaten,“ sagt sie.

Das beginnt bei den Gewürzen – Zimt, Nelken, Ingwer (frisch oder trocken) und Kardamom. Außerdem verwendet sie losen, frischen Tee, den sie sich selbst zusammenmixt. „Zum Beispiel Schwarztee, den ich mit Gewürzen anreichere, dazu kommt Orangensaft.“

Nur nicht billig

Das Gute an Punsch ist, dass er spontan, also schnell, zubereitet werden kann – mit dem, was in der Küche dafür gerade vorhanden ist. Aber natürlich darf man das Punsch-Brauen auch zelebrieren: „Für Apfelstrudelpunsch mische ich Rosinen, Äpfel und Gewürze und lasse das alles vier Stunden lang ziehen.“

Und da wäre noch der Alkohol. Billig darf er nicht sein – es braucht auf jeden Fall guten Rum und guten Wein (weiß oder rot), „sonst droht Kopfweh“. Auch mit dem Zuckern sollten Punschologen behutsam vorgehen, es gilt: lieber weniger süßen, nachlegen geht immer. Alternativen sind Honig oder Agavendicksaft für Veganer.

Seefahrer-Getränk

Aus Sicht des Mixologen und Historikers David Wondrich ist Punsch Teil der britischen Geschichte, er war ein alltäglicher „Trunk“ und ursprünglich ein Seefahrer-Getränk. Punsch kommt in Texten von Daniel Defoe ebenso vor wie in jenen von Jonathan Swift und Charles Dickens, der sogar ein eigenes Punsch-Rezept erfand – klassisch mit Rum, Cognac. Zitrone und Zucker. Punsch wurde im britischen Königshaus serviert, auch die US-Präsidenten George Washington oder Thomas Jefferson schätzten ihn. Wolfgang Amadeus Mozart liebte ihn angeblich. Wer Punsch trinkt, trinkt Geschichte.

Punsch kam einst ohne Schnickschnack wie Beeren und anderen Accessoires daher – als simpler Mix . Wer ihn erfunden hat, ist unklar. Ziemlich sicher kommt der englische Begriff „Punch“ aus Indien, wo „pantsch“ für die Zahl fünf steht. Fünf Zutaten waren es, die den Ur-Punsch ausmachten: Arrak, Zitrusfrüchte, Rohrzucker, Wasser, Tee oder Gewürze wie Muskatnuss. Das Getränk wurde traditionell in einer Schüssel („Punsch Bowle“) serviert, eine Art Gemeinschaftstrunk, der – zumindest was die Qualität betrifft – mit der Zeit an Niveau verlor. Was heute oft an Billig-Punsch-Abklatsch in Pappbechern kredenzt wird, hat wenig mit dem Ursprung zu tun.

Für David Wondrich ist das Zubereiten eines wohl schmeckenden Punschs höchste Mix-Kunst, der er in seinem Buch „Punch“ (nur in englischer Originalversion) ausführlich huldigt. Darin beschreibt er auch historische Punschrezepte. „Bei einem delikaten Punsch geht es um die feine Balance von hochgeistigen und wässrigen Elementen, sodass das er sanft und angenehm, aber keineswegs schal schmecken darf“, schreibt er.

Heiß, aber perfekt

„Ein perfekter Drink ist die Summe seiner einzelnen Zutaten. Wenn man auch nur ein qualitativ nicht so hochwertiges Produkt dazu gibt, kann daraus nicht so Gutes im Ganzen entstehen. Das fängt bei der Spirituose an, geht über den frischen Zitronensaft bis hin zum Saft“, sagt Alexander Knoll, Mixologe in der „Katze Katze Bar“, Graz. Das gilt auch für Punsch. Er verwendet nur besten Cognac und etwa Bio Apfelsaft vom Bauern seines Vertrauens. Dazu kommt brauner Rohrzucker, Honig, frischer Ingwer, frischer Zitronensaft und Zimt. Punsch muss nach mehr schmecken, ist der Mixologe Wondrich überzeugt: „Denn Punsch ist ein Langstreckendrink, kein Sprinter wie ein Cocktail.“

Bleibt nur noch die Frage, was zu Punsch gegessen wird. „Vor allem Trockenes – wie zum Beispiel Cantuccini oder einfach nur Nüsse zum Knabbern“, rät Verena Pelikan.

Idee Nummer eins

Der Mix mit dem gewissen Etwas: Zwei Hotdrinks, die in weihnachtliche Stimmung versetzen.

Die Gewürzklassiker-Kombination „Zimt  und Nelke“ erzeugt auch für Agent-Oscar-Barchef Frank Hassfurther „weihnachtliche Gefühle – erst in der Nase, dann im Mund“. Seine praktische Umsetzung macht beinahe süchtig – einmal ist sogar Schokolade mit luftigem Schlagobers dabei. Empfehlung!

Agent Punch (1 Portion):

Zutaten:
3,5 cl Myers’s Rum, 1, 5 cl Apricot Brandy, 2 cl frisch gepresster Zitronensaft – weiters 6 cl frisch gepresster Orangensaft, 1,5 cl Honig, 2  bis 3 Stück ganz dünn  geschnittene Ingwerscheiben, 1 Stange Zimt, 5 Gewürznelken

Zubereitung:
1 Hot Drink Glas nehmen, Ingwerscheiben, Zimtstange und Gewürznelken dazu geben und danach mit den flüssigen Ingredienzien aufgießen. Anschließend mit dem Honig verfeinern.  Zum Schluss  alle Zutaten erhitzen – zum Beispiel  mit einer heißen Dampfdüse – und dabei vermengen.

Chocolate Punch (1 Portion):

Zutaten:
3 cl Calvados, 2 cl Amaretto,
1 cl Curaçao Orange, heiße Schokolade, angeschlagener Schlagobers (nicht zu fest geschlagen),

Zubereitung:
Die Zutaten – außer den Schlagobers – nacheinander ins Glas füllen. Dann mit der Dampfdüse erhitzen und vermengen. Den angeschlagenen Obers nach und nach darüber floaten – also mit dem Löffel sanft drauflegen. Zum Schluss als Dekoration ein After Eight auf einen Spieß stecken und auf das Glas legen. Mit Kakaopulver dekorieren.

Idee Nummer zwei

Vom ersten bis zum letzten Schluck Weihnachten "pur": Ein Gin, der glüht.

Verena Pelikans Glüh Gin mit Apfel und Orangen (für 2 Portionen, Zubereitungszeit circa 20 Minuten)

Zutaten:
350 ml Apfelsaft, 3 Bio-Orangen, 8 Nelken,
2 Zimtrinden, 3 cm Ingwer, 4 cl Gin (oder nach Belieben), 1 Bio-Orange zum Garnieren der Gläser

Zubereitung:
Die Schale einer Bio-Orange heiß waschen, abtrocknen, dünn abreiben.  Nun die Orangen auspressen,  den Saft mit ApfelsaftNelken,  Zimtrinden und Orangenschale in einen Topf geben.  Ingwer schälen, in dünne Scheiben schneiden, ebenso in den Topf geben.  Alles erhitzen und ca. 15-20 Minuten ziehen lassen. Nicht aufkochen.

Von der Bio-Orangen eine dicke Zeste abreiben.  Mit der Orangenzeste an den Glasrändern entlangfahren – das ergibt einen besonders fruchtigen Geschmack. Orange in Scheiben schneiden.  Erhitzte Zutaten abseihen und nun auf zwei Gläser aufteilen.  Zum Abschluss mit den Orangenscheiben und Zimtrinden garnieren, anschließend  sofort servieren.

Jeweils 2 cl Gin (oder nach Belieben) hinzugeben.

Idee Nummer drei

Marille, Apfel und etwas Honig - ein fruchtiger Punsch für Freunde: Ein heißer Drink, der zu jeder Adventparty passt.

Alexander Knolls Punsch „Happy Grinch (für ca. 20 Portionen):

Zutaten:
40 cl Cognac (z.b  
Hennessy Very Special)
1 Liter Bio Marillensaft
20 cl frischer Zitronensaft
15 cl Vanillesirup
1 Zimtstange

Punsch French Apple (für ca. 20 Portionen):

Zutaten:
40 cl Cognac
1 Liter Bio Apfelsaft
2 Löffel brauner Rohrzucker
2 Löffel Honig
1 Zimtstange
Ein paar Stücke Ingwer

Zubereitung (gilt für beide Rezepte):
Alle Zutaten in einen großen Topf geben und mit etwas Wasser vermischen, Immer wieder abschmecken. Danach kommt alles in einen Punsch-Kocher, der auf 70 Grad gestellt wird. 

Ein Buchtipp zum Abschluss

Punsch, Glögg & heißer Kakao. Die leckersten Getränke für die Winterzeit, Frechverlag, € 12,99