Hat Paris Hilton "ausgesprudelt"?

Die Winzer Norditaliens laufen Sturm und wollen die EU zu einem Verbot von Dosen-Prosecco bewegen – die Chancen stehen schlecht.


Im Norden Italiens entstand dieser Tage bemerkenswerter Aufruhr. Insgesamt 150 Winzer der Weinbauregion Conegliano-Valdobbiadene, Heimat des Proseccos, haben sich zusammengeschlossen um gen Brüssel zu marschieren. Ihr Anliegen: Qualitätsschutz. Über die EU versuchen sie eine Anerkennung der geografischen Gegend, aus der der Prosecco ursprünglich stammt zu erwirken. In 15 Gemeinden der norditalienischen Provinz Treviso wird Prosecco angebaut. Hat sich die Prosecco-Produktion in den letzten Jahrzehnten zwar vervielfacht, so kommt nur mehr ein geringer Teil aus der ursprünglichen Prosecco-Gegend. Dies ist nur eine Tatsache die nun zu Protesten seitens der Prosecco-Produzenten führt.

Italiens Winzer sehen die Identität des Prosecco in Gefahr!

Die erbosten Winzer reagieren mit ihren Bestrebungen nicht zuletzt auf die groß angelegte Werbekampagne von "Rich Prosecco". Mit der weltbekannten Selbstdarstellerin Paris Hilton als Werbeträgerin vermarktet der Österreicher Günther Aloys seit geraumer Zeit Prosecco in Dosen. Antonio Bisol, Sprecher der italienischen Prosecco-Produzenten, sieht darin eine "Beleidigung der Arbeit von Generationen von Prosecco-Winzern." Um den Dosen-Trend zu stoppen verlangen die Winzer eine Ausweitung des strengen italienischen Gesetzes, das eine Abfüllung von Wein in Dosen verbietet. Dieses Gesetz sollte bald auch für italienische Weine, die außerhalb Italiens verkauft werden gelten. Das würde dann das Aus für Paris Hilton’s Nobel-Sprudel aus der Dose bedeuten.

Schlechte Verhandlungsbasis

So nachvollziehbar das Anliegen der Prosecco-Winzer ist, so schwierig wird wohl seine Realisierung sein. Denn Prosecco ist ja kein Gebiet wie die Champagne, sondern eine Rebsorte, deren Ursprung nicht einmal in der Region Conegliano-Valdobbiadene liegt. Die Heimat der spät reifenden Rebsorte liegt vermutlich entweder in Friaul, wo es die Ortschaft Prosecco gibt, oder in den Colli Euganei in Venetien.

Von der Dose ins Glas

Auch die Aversion gegen Wein in Dosen ist nur emotional begründet, denn dieses Gebinde ist für Weine nicht das schlechteste. Aber Italien ist beim Thema Wein ohnehin sehr traditionell, auch Schraubverschluss hat bei unseren südlichen Nachbarn keine Chance.

In Australien wird schon verbreitet auf Wein in Dosen gesetzt. Sogar Prosecco kann man durchaus in Dosen transportieren und lagern, nur trinken sollte man ihn nicht daraus. Denn durch die Öffnung sprudelt er zu viel und es gelangt zu viel Schaum in den Mund. Fans von Dosen-Prosecco sollten daher den Inhalt besser in ein Glas umleeren, wenn das nicht zu uncool ist.

(kurier) Erstellt am
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