© Olio secondo Veronelli

Genuss
04/19/2012

"Gutes Olivenöl ist wie guter Wein"

Supermarkt-Olivenöle im VKI-Test: Urteil vernichtend. KURIER.at befragte den Olivenöl-Experten Heinrich Zehetner zum Thema. Sein Credo: "Schrott bleibt Schrott."

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) testete Olivenöle aus Supermärkten. Das Ergebnis war vernichtend. Die Reaktionen vorhersehbar. Spar in Salzburg postet auf der Homepage des VKI: "Olivenöl-Experten bewerten Olivenöle ganz anders als "normale" Konsumenten."

Wir holten die Meinung eines der von der Supermarktkette so genannten "Experten" ein. Der Österreicher Heinrich Zehetner ist in Italien geprüfter Oliven-Öl-Verkoster. Mit dem VKI hat er nichts zu tun. In Workshops versucht er interessierte Köche und Konsumenten auf den Geschmack reinsortiger Olivenöle zu bringen. Er selbst ist ein Fan der Olivenöle, sortenrein produziert nach der Veronelli-Methode aus entkernten Oliven. Das Verfahren ist nach dem italienischen Wein- und Feinschmeckerpapst Luigi Veronelli benannt ist, der das Verfahren vor zehn Jahren ins Leben rief.

KURIER.at: Was sagen Sie zum Test des VKI?

Heinrich Zehetner: Generell sind diese Tests immer gut. Für Kenner der Situation allerdings ist das Ergebnis nichts Neues. Die Resultate sind immer dramatisch. Auch in Deutschland, wo sie die Stiftung Warentest durchführt. Zu kritisieren ist, dass nur Billigöle untersucht werden. Wenn man Schrott untersucht, kommt als Ergebnis eben Schrott raus, sage ich immer.

Was kostet ein hochqualitatives Olivenöl?

Ein gutes Olivenöl kann es unter 15 Euro nicht geben. Natürlich liegen manche auch noch deutlich darüber.

Aber wenn jemand günstiger produziert?

Die Produktion, wenn sie ordentlich und von Hand gemacht wird, hat überall ihren Preis, und der liegt für einen Liter nicht unter 10 Euro. Nehmen Sie noch die Handelsspanne dazu, den Transport, dann kommen Sie auf den Betrag, den ich genannt habe.

Was soll der Konsument jetzt glauben?

Die industriellen Abfüller klären ihre Kunden nicht auf. Und ihre Geschäftemacherei ruiniert den Ruf eines Kulturproduktes. Darunter leiden natürlich am meisten die Qualitätsproduzenten.

Was tun Sie, damit sich das ändert?

Predigen, Predigen, Predigen. Und das schon zehn Jahre lang …

Da kriegt man ja fast Mitleid. In Italien hätten Sie es wahrscheinlich leichter. Italien gilt ja als das Land mit der höchsten Olivenölkultur.

Wenn Sie dort in den Städten in die Supermärkte gehen, finden Sie genauso ahnungslose Kunden wie bei uns. Das Niveau der Öle ist genauso schlecht wie überall.

Also vielleicht umsteigen auf Rapsöl, Leinöl oder Walnussöl. Soll ja laut Experten Brühl (siehe Interview) eh gesünder sein. Wegen der wertvollen Omega-3-Fettsäuren.

Olivenöl hat keine Omega 3-Fettsäuren, das stimmt. Aber Olivenöle haben als einzige Öle etwas, das genauso wichtig ist, wenn nicht sogar wichtiger: Polyphenole. Die sind auch in sonngereiften Tomaten, im Matcha-Tee und in herben Rotweinen drin, und eines der Geheimnisse der Mittel-Meer-Diät. Polyphenole sind Antioxydantien - die sogenannten Radikalenfänger, die das Altern der Zellen bremsen.

Die Behauptungen vom Olivenöl als Medizin hören wir ja jetzt schon lange.

Weil was dran ist. Ärzte haben vor einiger Zeit das Thema der so genannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen bei hochwertigem Olivenöl aufgegriffen. Ich selbst darf immer wieder auf Symposien zum Thema Anti-Aging sprechen. Professor Markus Metka, einer der führenden Köpfe auf dem Gebiet, sagt selbst, dass Fisch wegen des Omega 3 und hochqualitatives Öl wegen der Polyphenole sozusagen die ideale Kombination sind. Polyphenole gibt es nur in wirklich hochwertigen Olivenölen. Noch besser, wenn die Oliven entkernt wurden, denn die Kerne enthalten Enzyme, die gegen die Polyphenole sind.

Trinken Sie täglich einen halben Liter Olivenöl, um länger gesund zu bleiben?


Das nicht, aber ich frühstücke mit zwei Esslöffel Olivenöl, dazu Vollkornbrot - und einer Tasse Matchatee. Zwei bis drei Esslöffel pro Tag reichen, um dem Körper die gesunden Inhaltsstoffe zuzuführen.

Viele Menschen wissen nicht, wie ein gutes Olivenöl schmeckt. Was sagen Sie denen?

Da zitiere ich die EU-Vorschriften: Fruchtigkeit steht an vorderster Stelle. Schärfe und Bitterkeit sind keine Fehltöne, sondern deuten auf Frische und einen hohen Polyphenolanteil hin. Viele Produzenten, aber auch das deutsche Feinschmecker-Magazin waren ja übrigens dafür, dass auf den Flaschen der Polyphenolanteil deklariert wird. Die Industrielobby hat`s verhindert.

Von dem Wissenschaftlichen einmal abgesehen: Wie kommt man ausgerechnet dazu, sich mit Olivenöl zu beschäftigen?

Es war auf einer Reise durch die Toskana und ein Besuch auf dem Gut Felsina im Jahr 1987. Da hat es zwischen mir und der Olive gefunkt. Gutes Olivenöl ist wie guter Wein. Man kann süchtig werden danach.

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