Genuss
22.01.2012

Gefahr für das Weinland Österreich

Die Industrialisierung der Weinproduktion könnte das Ende für den kleinstrukurierten Weinbau in Österreich mit sich bringen. Und Weingärten in Hanglagen wie in der Wachau oder der Südsteiermark vollkommen unrentabel machen.

Die heimischen Weinbauern laufen Sturm gegen die geplante Liberalisierung der Wein-Auspflanzungsrechte. Weinbauverbandspräsident Josef Pleil warnte vor einer damit verbundenen Industrialisierung des Weinanbaus. Finanzinvestoren, etwa der französische Versicherungskonzern AXA, würden dann im Weinbau vermehrt aktiv werden und "alles zerstören", sagte er vor Journalisten bei der Grünen Woche in Berlin. Eine Liberalisierung wäre im Interesse des Weingroßhandels, der Industrie sowie der Welthandelsorganisation und nicht der Weinbauern. Er sieht dadurch die kleinstrukturierte österreichische Weinwirtschaft in Gefahr.

EU-Weinländer gegen Liberalisierung

Mit der Reform der Weinmarktordnung 2008 wurden die Wein-Auspflanzungsrechte in der EU bis Ende 2015 begrenzt. Das heißt, es dürfen bis dahin keine zusätzlichen Weinreben angepflanzt werden. Einzelne Länder können das Verbot aber noch bis Ende 2018 verlängern. Neben Österreich wollen 12 weitere EU-Staaten die Liberalisierung verhindern, darunter große Weinbauländer wie Frankreich und Italien. Der Neuauspflanzungsstopp wurde 1976 eingeführt, um Weinüberschüsse zu vermeiden und traditionelle Weinbaugebiete zu erhalten.

Österreichs Weinwirtschaft kleinstrukuriert

Die österreichische Weinwirtschaft ist im europäischen Vergleich noch immer sehr kleinstrukturiert. Rund 20.000 Weinbauern bewirtschaften derzeit etwa 46.000 Hektar Rebfläche, davon 66 Prozent mit weißen Rebsorten. In den vergangen 20 Jahren hat sich die Zahl der heimischen Weinbauern bereits mehr als halbiert. Einen Mangel an Anbauflächen gib es hierzulande aber nicht: In Österreich ist noch eine "Auspflanzungsreserve" von 7.000 Hektar vorhanden. "Jeder Jungwinzer bekommt sein Pflanzungsrecht in Österreich gratis", erklärte Pleil. Eine Liberalisierung würde zu einer Verschiebung vom Anbau in Hanglagen in die Ebene führen. Damit seien traditionelle Anbaugebiete, wie etwa das Weinviertel, gefährdet. Auch der Weinbau in den Terrassen der Wachau oder den Steilhängen der Südsteiermark wäre kostenmäßig kaum mehr zu rechtfertigen.

Überproduktion und Wegschütten

Um die Wein-Überproduktion in Europa zu verhindern, wurden in den vergangenen Jahren rund 350.000 Hektar an Weinbauflächen, vor allem in Spanien, Italien und Portugal gerodet. Die EU zahlte bis vor kurzem rund 1,3 Mrd. Euro an Förderungen pro Jahr, um die Weinüberschüsse "wegzuschütten", erklärte Pleil. Bei einer Liberalisierung werde es wieder zu einer eklatanten Überproduktion kommen und "derselbe Schwachsinn" beginne von vorne. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos hat bei der Grünen Woche in Berlin angekündigt, eine sogenannte "High Level Group" Wein einzuberufen, um sich mit dem Thema Auspflanzungsrechte zu beschäftigen. Auch beim morgigen Agrar-Ministerrat wird die geplante Weinanbau-Liberalisierung auf der Tagesordnung stehen.