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Genuss
05/14/2019

Food-Start-ups, die die Welt retten

In Berlin werden auch heuer ökosoziale Lebensmittel-Pioniere ausgezeichnet. Österreich mischt kräftig mit.

von Gabriele Kuhn

Bio. Ein Schlagwort, das irgendwann auf nahezu jeder Lebensmittelverpackung klebte, um gesundheitsbewussten Konsumenten gerecht zu werden. Der Trend ist erwachsen geworden, es geht längst um Größeres. Etwa um die Idee, die Welt auch noch für unsere Nachfahren lebenswert zu machen – also um biologische Vielfalt, Bodenfruchtbarkeit, das Klima. Regionale Produkte sind nachgefragter denn je, zugleich besinnen sich die Menschen auf traditionelles Handwerk und transparente Herstellungsprozesse. Die Sehnsucht nach bewusstem, nachhaltigem und naturverbundenem Essen wächst. Viele Menschen wollen wissen, woher ihre Nahrung kommt und wie sie produziert wird.

Gründer-Preis

Seit sieben Jahren fördert die deutsche Gründerwerkstatt „Next Organic“ Ideen, die diesen Bedürfnissen Rechnung tragen. Gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung lädt sie Food-Start-ups, Lebensmittelhandwerker und die New-Food-Economy-Szene zu einer Trendshow nach Berlin. „Dabei geht es uns vor allem darum, innovative, ökosoziale Lebensmittelkonzepte zu fördern, um langfristig etwas zu bewegen“, sagt Alexandra Söderberg von Next Organic. Dafür wird auch heuer ein eigener Start-up-Preis verliehen, der sich aus einem Publikumspreis und dem Preis einer prominenten Jury – etwa mit der Zero-Waste-Aktivistin Milena Glimbovski – zusammensetzt. Der Wettbewerb zeigt, dass viele Lösungen bereits da sind und es immer mehr Pioniere gibt, die Transformation wagen und völlig neue Wege bei der Lebensmittelproduktion beschreiten. Viele davon kommen aus Österreich.

Die Ösi-Pioniere

Nominiert sind etwa die Macher von Österreis (oesterreis.at), die in Gerasdorf, vor den Toren Wiens, seit vier Jahren biologischen Reis anbauen. Die Freude über die Nominierung ist groß. „Es ist eine Ehre für uns. Das Voting läuft gut, obwohl wir im Vergleich zu den anderen nur ein kleines Unternehmen sind“, erzählt Gregor Neumeyer am Telefon. Die Reismacher haben schwierige Jahre hinter sich. Der Start im Jahr 2015 war ein Blindflug. Das trockene Klima führte dazu, dass nur eine Handvoll Reis geerntet werden konnte. Die folgenden Jahre lief es besser, 2018 war so richtig erfolgreich. Der Reis ist ausverkauft. „Wir haben erstmals gemeinsam mit sieben Betrieben angebaut und es ist uns gelungen, das gesamte Produkt biologisch zu zertifizieren“, sagt Neumeyer. Seit Kurzem gibt es auch Reiswaffeln und Reismehl sowie losen Reis, der in Greißlereien verkauft wird.

Aquaponik in Wien

Ebenso nominiert: Blün (bluen.at), eine Gruppe erfahrener Landwirte in Wien, die „der Lebensmittelproduktion neue Perspektiven eröffnen“ möchte. Etwa mit Aquaponik, einer nachhaltigen Technologie, um Fischzucht und Gemüseanbau in einem geschlossenen Kreislauf zu vereinen. Nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft geht dabei kein Tropfen Wasser verloren. Das Fisch-Abwasser wird von den Pflanzen im Glashaus verwendet.

Stimmen kann man außerdem für das Wiener Unternehmen BioBalkan (biobalkan.info), die handgemachte Bio-Spezialitäten aus der Balkan-Region und Delikatessen aus Serbien, Bosnien und Herzegowina produzieren. Damit möchte man „Brücken zwischen kleinen Bauern am Balkan und Genießern in Österreich“ schlagen. Partner in der Region sind Sozialunternehmen in entlegenen Landstrichen, die alleinerziehenden Müttern, Langzeitarbeitslosen, Menschen mit Behinderungen oder Minderheiten Arbeitsplätze bieten.

Ein spannendes Produkt ist Kornelia (kornelia-urkorn.at). Ein Teig aus Urkornmehl, für den das Korn bei Waldviertler Bio-Bauern gekauft, in der Steinmühle vermahlen und zu Frischteigkugeln verarbeitet wird. Die gibt es dann in Greißlereien, Bauern- und Naturkostläden zu kaufen. Der Teig eignet sich für Pizza ebenso wie für Flammkuchen. Und schließlich wäre da noch Alpengummi – ein natürlicher Kaugummi, der aus dem heimischen Harz der Schwarzkiefer, Bienenwachs und Birkenzucker produziert wird. Dabei soll auch das alte Handwerk der Harzgewinnung – Pecherei – gefördert werden. Es gehört seit 2011 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Die Next-Organic Publikumsabstimmung läuft noch Dienstag bis 16 Uhr hier: https://nextorganic.de/startup-award/