Mehr als nur Bücher bietet der Kärtner Helmut Zechner.

© KURIER/Franz Gruber

Lesung mit Geschmack
05/23/2016

Eine Buchhandlung, in der man auch bewirtet wird

Ein Klagenfurter Buchhändler lädt zu literarischen Dinners und will so Konkurrent Amazon ein Schnäppchen schlagen.

Buchhändler müsste man sein. Dieses Klischee hatte bis vor gut zehn Jahren durchaus seine Berechtigung. Die Branche galt als lukrativ und krisensicher. Doch just als Helmut Zechner die Buchhandlung Heyn in der Klagenfurter Altstadt von seinem Vater übernahm, brauten sich dunkle Wolken zusammen.

Zum einen setzten finanzkräftige Filialketten den unabhängigen Buchhändlern massiv zu. Zum anderen stieg mit Amazon ein internationaler Gigant ins Rennen ein, der das traditionelle Geschäftsmodell des Buchhandels revolutionierte.

"Die Rasanz, mit der Kollege Amazon den Markt aufgemischt hat, haben wir alle unterschätzt. Mittlerweile bieten wir online zwar die gleichen Leistungen und Preise, aber für viele kleinere Buchhandlungen war die übermächtige Online-Konkurrenz der finale Todesstoß", erzählt Zechner.

Ein Ort der Begegnung

Ihm wurde klar, dass ein Buchhändler mehr bieten muss, als nur Bücher zu verkaufen. Persönliche Beratungsgespräche sind für die Kundenbindung genauso wichtig wie regelmäßige Lesungen mit Autoren. Vor ein paar Jahren war er in Wien bei der Präsentation von Ewald Plachuttas "Kochschule" eingeladen, wo der Autor selbst ein paar Gerichte aus seinem Buch kochte. Zechner fragte ihn, ob er nicht nach Klagenfurt kommen würde, um ebenfalls sein Buch samt Kostproben zu präsentieren.

Plachutta sagte zwar zu, meinte aber, dass er an fremden Orten das Kochen lieber einem Catering überlasse. "Dann mache ich das selbst", war Zechners Reaktion. Schließlich ist er seit Jahren ein begnadeter Hobbykoch, der privat regelmäßig auch für größere Runden kocht. Plachutta war von den Kochkünsten des Buchhändlers genauso begeistert wie die Gäste.

Kulinarische Lesungen

Weil er aber nicht nur Kochbücher verkauft, überlegte sich Zechner, auch die literarischen Lesungen kulinarisch zu umrahmen. "Wenn Autoren wie Martin Walker kommen, in dessen Büchern Essen eine große Rolle spielt, ist die Menüwahl relativ leicht. Bei anderen Autoren wie unlängst Benedikt Wels oder Erika Pluhar war es ein bisschen schwieriger, aber dafür umso reizvoller, ein thematisch passendes Menü zusammenzustellen", erzählt Zechner.

Mit seiner sinnesfrohen Kombination aus Kultur und Genuss dürfte er jedoch goldrichtig liegen, denn seit ein paar Jahren ist jedes literarisches Dinner schon wochenlang im Voraus ausverkauft, ganz egal wie populär der Autor ist. "Lesen und Essen passt einfach gut zusammen. Durch die Pausen bei der Lesung ermüden die Zuhörer nicht so schnell und haben auch gleich die Möglichkeit, sich über den Text zu unterhalten."

Er kocht für seine Buchhandlung übrigens auch in kleinerem Rahmen. Von Amazon hat er gelernt, wie wichtig authentische Kundenkritiken sind. Also bietet er sechs Mal im Jahr ausgewählten Stammkunden ein kostenloses Rezensionsexemplar eines neuen Buches kurz vor dem Erscheinungstermin an. Einzige Bedingung ist die Verfassung einer persönlichen Kurzkritik und die Teilnahme an einer gemeinsamen Buchbesprechung, bei der es – richtig – ein vom Chef persönlich gekochtes Menü gibt. "Gutes Essen und gute Literatur zählen zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben. Besonders viel Freude macht es mir, wenn ich das mit Gleichgesinnten teilen kann. Dass davon auch unsere Buchhandlung profitiert, ist ein angenehmer Nebeneffekt", freut sich Zechner.Dieser Artikel ist in Kooperation mit Gault & Millau entstanden. www.heyn.at

Hier finden Sie kulinarische Buchhandlungen

Dass Kulinarik und Literatur gut zusammenpassen, beweist das neue Team der Wagner’schen in Innsbruck mit ihrer Meierei 1639. Hier gibt es nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch selbst gebackenes Brot und frisch gekochte Speisen. Köchin Nina Rettenbacher lässt sich dabei von Rezepten aus aktuellen Kochbüchern inspirieren und gibt gerne persönliche Empfehlungen. Im Zuge der Buchhandelskrise wurde die 1639 gegründete Buchhandlung vor neun Jahren an den Bücher-Multi Thalia verkauft und als Filialbetrieb weitergeführt. Vergangenes Jahr haben private Investoren die Wagner’sche erworben und sie als klassische Buchhandlung wieder neu eröffnet (www.wagnersche.at).
Noch enger ist die Beziehung zwischen Kochen und Büchern im Babette’s, das vor 14 Jahren von Nathalie Pernstich im Wiener Freihausviertel als Fachbuchhandlung für Kochbücher eröffnet wurde. Das Besondere: trotz räumlicher Enge verfügt das Babette’s seit Anfang an über eine kleine Profi-Küche. Zu Mittag kann man hier ein täglich wechselndes Menü genießen, am Abend finden regelmäßig Kochkurse statt. Theorie und Praxis gehören im Babette’s eben einfach zusammen. Ihrer Leidenschaft für intensive Aromen folgend, eröffnete Pernstich vor sieben Jahren am Hof die Gewürzmanufaktur Babette’s. Hier gibt es neben Gewürzen und Büchern ebenfalls kleine Mittagsgerichte wie Suppen und Curries, die man auch mitnehmen kann (www.babettes.at).

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