60 Jahre Toast Hawaii

Fresh made portion of Toast Hawaii<br />
Bildnummer: 51…
Foto: HANDMADEPICTURES/FOTOLIA 51767876/HandmadePictures/Fotolia Seit 60 Jahren gehört die kulinarische Sünde zu den Klassikern der deutschen Küche.

1955 erfand ein deutscher Fernsehkoch die kulinarische Sünde.

Ananas, Kochschinken, Käse und Toast – der deutsche Fernsehkoch Clemens Wilmenrod spiegelte in seiner Kreation aus dem Jahr 1955 den beginnenden Wohlstand der Nachkriegsgeneration wider. Fernweh und Überfluss an leistbaren, exotischen Lebensmitteln in einem Gericht zur kulinarischen Sünde vermischt. Das "i-Tüpfelchen" des Toast Hawaiis: die Cocktailkirsche oder der Klacks Preiselbeermarmelade. Wer hat, der hat.

Ob Wilmenrod tatsächlich der Erfinder ist oder nur die Kreation seines Lehrers populär machte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Der deutsche Koch starb bereits 1967 in München: Besser gesagt der Schauspieler Carl Clemens Hahn, denn Wilmenrod war nur dessen Künstlername für die erste deutsche Kochsendung (NWDR) namens "Clemens Wilmenrod bittet zu Tisch". Von seinem Lehrer Hans Karl Adam erlernte er das Koch-Handwerk erst, als die Show bereits ein voller Erfolg war. Diesem soll er auch einige Rezepte abgekauft haben und wegen deren Honorierung in Streit geraten sein.

Die Amerikaner kannten bereits in den 30ern den Toast Hawaii unter dem Namen Grilled Spamwich. Der einzige Unterschied: Statt Schinken verwendeten sie sogenanntes Frühstücksfleisch. Spam findet sich meist als geliertes Schweinefleisch in der Dose auf amerikanischen Frühstückstischen wieder. Obwohl das Dosenfleisch im Zweiten Weltkrieg seinen Weg nach Russland fand, konnte man Spam in Deutschland nicht erstehen. Gut möglich, dass Wilmenrod oder Adam von dem amerikanischen Rezept gehört hatten und es abwandelten, wie etwa der Viennale-Direktor Hans Hurch, der für den Kurier Toast Hawaii zubereitete.

Das KURIER-Lebensart-Ressort hat zehn kulinarische Sünden gekürt:

Pizza mit Würstel
Pizza ist Fastfood, Würstel sind Fastfood – warum also nicht verbinden. Auch im Pizzaland Italien findet sich dieses kulinarische Missgeschick auf der Speisekarte. Ob es sich dabei immer um qualitativ hochwertige Würstel handelt, bleibt fraglich. Spaghetti mit Ketchup
Schaut köstlich aus, schmeckt eklig. Spaghetti mit Ketchup. Champagner aus dem Becher
Auf Skihütten findet der Champagner der betuchten Klientel nicht immer den Weg ins Glas, aber wahrscheinlich schmeckt er im Becher genauso gut. Croissant ins Heferl tunken
Nicht nur Kinder tauchen das Kipferl oder Croissant in den Kakao. Schmeckt zwar gut, sollte aber in den vier Wänden zu Hause stattfinden. Schweinefleisch mit Schinken
Sie dachten, dass es Kreationen wie Acht Schätze nur hierzulande im Land des Schweinefleisches gibt? Falsch, auch edle Kreationen wie Sandwiches in Amerika widmen sich der Vereinigung von Schwein und Schwein. Kräutertee mit Milch
Tee-Puristen schütteln sich angesichts von milchigen Kräutertees. Zwar nicht Kräutertee, dafür Grüntee mit Milch wird auch in Japan, dem Land der Teetrinker getrunken. Eis mit Brot
Eis mit Brot oder Keks ist hier die Frage. Nein, nicht Eskimo hat das Sandwich-Eis erfunden. Die Italiener schwören auf Weißbrot mit Eis, ebenso in Asien gibt es für diese Delikatesse Straßenverkäufer. In schicken Cafés finden sich dafür Keks-Variationen mit Eiscreme gefüllt. Austern mit Ketchup
Gourmets rümpfen jedes Jahr die Nase, wenn Richard Lugner seine Austern mit Ketchup auf dem Opernball bestellt. Die Franzosen schwören auf Vinaigrette, die Puristen auf Zitrone. Spaghetti schneiden
Auch diese kulinarische Sünde ist eine Erwähnung wert: Klein geschnittene Nudeln für Kinder – ja. Für Erwachsene – nein, danke! Toast Hawaii
Man glaubt es kaum, aber die Ursprungsvariante des Toast Hawaiis stammt nicht aus Europa, sondern aus den USA. Die Amerikaner kombinieren Frühstücksfleisch, Käse und Ananas. In den 50ern wurde schließlich die deutsche Version mit Kochschinken erfunden.

(Kurier / kaa) Erstellt am
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