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Neue Kino-Komödie: Dieses Ehepaar erfand ein Kult-Sextoy

Am 23. Juli startet „Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“ in den Kinos. Die französische Komödie erzählt lose die Geschichte des Ehepaars Lenke, das ein revolutionäres Sextoy für Frauen erfand.

Es gibt Erfindungen, bei denen man sich fragt, warum die Menschheit so lange dafür gebraucht hat – Beispiele gefällig? Der Koffer mit Rollen, vielleicht die Lesebrille. Oder ein Sextoy, das sich dem weiblichen Begehren widmet.

Wie es zur Erfindung des „Womanizer“ kam, erzählt nun die französische Komödie „Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“, die am 23. Juli in Österreichs Kinos startet. Sie ist lose von der Geschichte des Ehepaars Brigitte und Michael Lenke inspiriert also jener beiden Menschen, die mit einer ziemlich unglamourösen Idee jede Menge Schlafzimmer-Highlights initiiert haben.

Alles begann im Jahr 2014 mit einer eher „sachlichen Romanze“, um Erich Kästner zu zitieren. Michael Lenke, Erfinder und Ingenieur aus Bayern, hatte über den sogenannten Orgasm Gap gelesen, also darüber, dass Männer in heterosexuellen Begegnungen h öfter zum Höhepunkt kommen als Frauen. Er begann, zu tüfteln.

„Am Anfang habe ich das vor allem als technische Fragestellung betrachtet. Dabei habe ich mich gefragt, ob die vorhandenen Produkte die Bedürfnisse vieler Frauen überhaupt richtig erfüllen.“

Michael Lenke, Sextoy-Erfinder
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Brigitte und Michael Lenke

©Lenke

Mini-Luftimpulse

Der erste Prototyp arbeitete mit einer umgebauten Aquariumpumpe, die Mini-Luftimpulse erzeugte. Die Idee dahinter: die Klitoris nicht mit klassischen Vibrationen stimulieren, sondern durch wechselnden Luftdruck. Aus dieser Bastellösung wurde später die „Pleasure-Air-Technologie“. 

„Am Anfang habe ich das vor allem als technische Fragestellung betrachtet“, erzählt Lenke. Dabei habe er sich gefragt, „ob die vorhandenen Produkte die Bedürfnisse vieler Frauen überhaupt richtig erfüllen“. Er wollte es besser machen.

Experimente

Gemeinsam mit seiner Frau Brigitte begann er zu experimentieren. Sie war also nicht nur die Ehefrau, sondern auch die wichtigste Testperson. Wobei man sich diesen Testprozess, wie Brigitte sagt, nicht als erotisches Dauerfeuer vorstellen sollte, sondern eher als berufliche Tätigkeit. 

Denn wenn Michael wieder einen neuen Prototyp entwickelt hatte, musste verlässlich getestet werden. Darüber zu reden, fiel den beiden nicht schwer, sagt Brigitte: „Wir hatten schon immer ein sehr erfülltes Liebesleben und konnten offen über sexuelle Themen sprechen,“ So entstand der erste Womanizer: ein Gerät, das die Klitoris nicht durch klassische Vibration, sondern mit Luftdruckwellen stimuliert.

Der Film

In „Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“ heißen die Protagonisten Fanny und Tom. Sie sind seit mehr als 20 Jahren verheiratet, als sie gesteht, dass sie noch nie einen Orgasmus hatte. Tom, in seinem Stolz angeknackst, macht aus der privaten Erschütterung ein Projekt.

Aber wie erfindet ein Mann im realen Leben ein Produkt für weibliche Lust, ohne die weibliche Sexualität erst wieder nur typisch maskulin zu „lösen“? „Indem man akzeptiert, dass man nicht alles selbst wissen kann. Ich konnte die technische Seite entwickeln, aber nie beurteilen, wie sich das Ergebnis anfühlt. 

Deshalb war Brigitte von Anfang eingebunden. Ihre Rückmeldungen bedeuteten oft, dass wir einen Prototyp komplett überarbeiten mussten.“ Kommunikationsbarrieren gab es kaum, so Brigitte: „Für uns war das Thema nie schambehaftet, aber natürlich gab es Situationen, die ungewohnt waren, schließlich spricht man nicht jeden Tag so detailliert über den eigenen Körper oder was funktioniert.“ Aber das sei wichtig gewesen, ergänzt Michael: „Am Ende geht es darum, Frauen ernst zu nehmen und Produkte zu entwickeln, die ihren tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen.“ Ein Satz, der auf den Beipackzettel jeder Beziehung gehört.

Regisseurin Reem Kherici erzählt das alles als leichte französische Komödie mit viel Situationskomik, Ehealltag und Zärtlichkeit. Alexandra Lamy spielt Fanny, François Cluzet ihren Tom. Das Augenzwinkern ist den Lenkes wichtig: „Humor kann ein wunderbarer Türöffner sein. Viele Menschen sprechen leichter über Themen, die ihnen unangenehm sind, wenn sie gemeinsam lachen können. Wenn Scham abgebaut wird und Sexualität als etwas Normales empfunden wird, kann das befrei sein.“

Sextoy als Ergänzung

In der Realität wird weibliche Lust aber häufig immer noch behandelt wie ein nettes Extra im Beziehungsmenü. Vorspeise, Hauptgang, er ist fertig, zahlen, bitte. Dabei ist bekannt, dass viele Frauen nicht durch Penetration allein zum Orgasmus kommen. Trotzdem hält sich in vielen Köpfen das alte Drehbuch: Sex ist dann super, wenn er seinen Höhepunkt hatte und sie sagt, es war schön. Dem wollten die Lenkes etwas entgegensetzen.

Der Womanizer wurde aber nicht erfunden, um Männer überflüssig zu machen. Im Gegenteil: Offene Gespräche und Aufklärung hält das Paar für genauso wichtig wie Innovationen. „Lust sollte kein Bonus sein, sondern ein selbstverständlicher Teil einer gleichberechtigten Sexualität“, sagt Michael. 

Das würden auch die Rückmeldung zeigen: „Viele schrieben uns nicht nur, dass ihnen das Produkt gefiel“, erzählt er, „sondern dass sie dadurch zum ersten Mal offen über das Thema Lust sprechen konnten oder ihren Körper besser verstanden.“ Brigitte ergänzt: „Viele öffnen sich, sobald jemand einen Anfang macht.“

Test im Swingerclub

Ihr erster Test mit anderen Nutzerinnen fand in einem Swingerclub statt, was für das Ehepaar nicht alltäglich war. „Die Menschen waren sehr offen und das Feedback war so positiv, dass wir wussten, wir haben ein wirklich gutes Produkt entwickelt.“ Die spannendste Erfahrung für die beiden war allerdings, zu sehen, was entstehen kann, wenn das Thema Sexualität Raum bekommt und wie offen die Menschen dafür werden.

Orgasm-Gap,  auf Deutsch „Orgasmuslücke“, wird  als Begriff  seit den 1990er-Jahren verwendet. In der Sexualforschung wurde er vor allem durch Arbeiten wie jene von Lisa Wade und Kolleginnen sowie später durch die Psychologin Laurie Mintz populär.

20,4 Prozent der Frauen, aber nur 1,2 Prozent der Männer, berichteten in einer niederländischen Studie (im Journal „Sexes“, 2026) beim Partnersex nicht regelmäßig einen Orgasmus zu erleben. Das hat auch  damit zu tun, was beim Sex  als „richtiger Sex“ gilt – und ob  klitorale Stimulation  mitgedacht wird.

Gabriele Kuhn

Über Gabriele Kuhn

Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.

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