Wieso der Krimi-Autor Thomas Raab kaum Krimis liest
Der Bestsellerautor Thomas Raab über eigene "Metzger"-Bücher im Regal, prägende Lektüren, Playmobil-Figuren und warum seine neue Reihe in Italien spielt.
Hat ein Schriftsteller wie Thomas Raab eigentlich seine eigenen Werke im Bücherregal stehen? Ist „Der Metzger“, jene erfolgreiche Krimi-Reihe, bei ihm gut sichtbar? „Nein, es stehen keine Bücher im offiziellen Wohnzimmer-Regal. In meinem Arbeitszimmer aber stehen Leseexemplare zuhauf“, sagt der Autor – und merkt, dass er darüber noch nie nachgedacht hat.
Da wird ihm bewusst: „Ich sollte vielleicht wieder einmal meine alten Bücher lesen, um mit der heutigen Brille zu sehen, was war gut, was schlecht.“
Liest Thomas Raab andere Krimis?
Krimis von anderen liest er kaum. „Ich analysiere einfach zu viel. Beim Lesen will ich entspannen und abschalten können.“ Außerdem interessiert ihn am Schreiben weniger das Morden oder das klassische Whodunit. „Mich reizt die Möglichkeit, mich dank des Genres mit jeder Facette des Menschen intensiv auseinanderzusetzen und in fremde Köpfe eintauchen zu können. Dank Perspektivenwechsel sogar in mehrere.“
So sieht Thomas Raabs Bücherwand aus.
©Thomas RaabWas er selbst gern geschrieben hätte? Harry Potter. „Allein schon wirtschaftlich betrachtet.“ Zum Schreiben gebracht haben ihn dagegen „Der Herr der Ringe“ und „Der Name der Rose“.
Vom Playmobil-Steller zum Schriftsteller
Und: stundenlanges Playmobil-Spielen. „Ich hatte nur wenige Figuren, wir waren nicht wohlhabend, aber jede meiner Figuren hatte ihre Geschichte. Und wenn sie aufgestellt waren, dann wusste ich genau, warum die da stehen. Und wehe, sie wurden umgestellt. Ich glaube, da war ich im Kopf bereits so etwas wie Schriftsteller. Playmobil-Steller, quasi.“
Ein wichtiges Buch für ihn ist „Gegen den Hass“ von Carolin Emcke, ein Plädoyer für Empathie. „Dieses Buch unterwegs im öffentlichen Raum in der Hand zu halten, als wandelnde Plakatwand, und allein so zu tun, als würde man lesen, ist ein Signal.“ Jeder, der das Cover sieht, denke: Gegen den Hass. „Das zu denken, und wenn’s nur für eine Sekunde ist, ist besser, als es nicht zu denken.“
Thomas Raab empfiehlt allen „Gegen den Hass“ von Carolin Emcke.
©Thomas RaabEbenfalls wichtig: sein erster „Metzger“. Nicht aus Eitelkeit. Vielmehr steckt darin eine Botschaft: „Nur weil andere behaupten, du könntest etwas nicht, heißt das noch lange nicht, du solltest es nicht trotzdem probieren, wenn du Freude dran hast.“ Passend dazu: Es gibt eine Neuauflage von „Der Metzger“ – mit einer Ketchup-Flasche am Cover.
Immer funktioniert ein Griff zu Calvin & Hobbes. „Gute Laune, kluge Gedanken, lenkt sofort ab und lässt mich jedes Mal staunen.“ Unverzichtbar sind für ihn auch Mira Lobes „Das kleine Ich-bin-ich“ und „Die Geggis“. „Das sind Pflichtlektüren, die sollten Erwachsene regelmäßig Kindern vorlesen müssen, allein um selbst was zu lernen.“
Er mag es auch, von anderen über Bücher zu lernen. Gerade liest er „Revolusi“ von David Van Reybrouck über Indonesiens Unabhängigkeit von den Niederlanden. Das hat ihm ein Freund empfohlen.
Es geht in die Proleten-Karibik
Am liebsten liest Thomas Raab unterwegs. „ In den Öffis. In Italien bei einem Café. In einer Bar sitzen, lesen, denken, schauen, schreiben… den wunderbaren Klang der Sprache um sich, ohne dabei aktiv zuzuhören.“ Auch deshalb, „weil ich so gut wie nix verstehe, verstehen muss, verstehen will. Herrlich ist das.“
Thomas Raabs Hündin heißt Coco, ist neun Jahre alt und macht es sich im Lesesessel gemütlich.
©Thomas RaabEigentlich wollte er Italienisch lernen, kam aber drauf: Fehler. „Dann ging’s mir ja wie hier, immer offene Ohren.“ Kein Zufall, dass seine nächste Reihe, die 2027 erscheinen soll, in Italien spielt: „Meine zweite Heimat. Proleten-Karibik.“
Live zu erleben ist Thomas Raab mit seiner kabarettistisch-literarischen „Verlesung“ am 16. Juni im Kunsthaus Mürzzuschlag und am 17. Juni auf der Murinsel Graz.
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