Ted Lasso kommt zurück: Neue Story, neue Figuren, neuer Fokus
Ohne Männerteam, dafür mit einem neuen Kapitel rund um Frauenfußball. Trainer Ted Lasso ist ab August wieder da. Was bleibt, was ändert sich?
Eigentlich nahm alles ein gutes Ende. Ted Lasso stieg nach vielen Höhen und Tiefen in ein Flugzeug und hob Richtung Heimat, die USA, ab. Taschentuch raus, Tränen trocknen, lächeln, fertig. Dachten wir.
Doch im August kommt der von Jason Sudeikis geschaffene und gespielte Fußballtrainer auf Apple TV mit einer vierten Staffel zurück. Mit Schnauzer, unerschütterlichem Optimismus und womöglich auch wieder mit seinen legendären Keksen im Trainingszentrum des A.F.C. Richmond.
Alles dreht sich um ein Frauen-Team
„Wir setzen die Geschichte drei Jahre später fort. Daher kann in dieser Zeit nichts mehr ganz so bleiben, wie es war“, sagte Brendan Hunt, Co-Schöpfer der Serie und Darsteller von Coach Beard, gegenüber Entertainment Weekly.
Fix ist: Diesmal dreht sich alles um das Frauenteam, das Klubpräsidentin Rebecca Welton (Hannah Waddingham) gemeinsam mit ihrer Freundin Keeley Jones (Juno Temple) am Ende der dritten Staffel ins Leben gerufen hat. Ted Lasso ist wieder in England, muss aber keine chaotische Männer-Elf zur Einheit zusammenschweißen.
Nicht mit von der Partie sind dieses Mal Phil Dunster als gockeliger Ronaldo-Lookalike Jamie Tartt oder Nick Mohammed als gleichermaßen machthungriger wie zutiefst verletzter Nate Shelley. Dafür kommt Tanya Reynolds zum Trainer-Team. Neue Mannschaft, neue Dynamik.
Ted Lasso bekommt einen neuen Sohn
Ein kleines, aber feines Detail: Die Rolle von Teds Sohn Henry, zuvor gespielt von Gus Turner, wird neu besetzt. Der mittlerweile zwölfjährige Henry, der in den Staffeln eins bis drei oft per FaceTime mit seinem Vater telefonierte, ist inzwischen selbst ein talentierter Fußballspieler geworden.
Coach Beard (li.) bleibt erhalten. Neben Ted Lasso kommt auch noch Tanya Reynold auf die Trainerbank – für ein Frauen-Team.
©Apple TVGanz einfach war der Weg zurück offenbar nicht. „Wir brauchten eine Auszeit, bevor wir das alles verarbeiten konnten.“ Entsprechend verabschiedeten sie sich damals mit den Worten: „Wir freuen uns, euch alle wiederzusehen, aber ich kann euch eine Weile nicht sehen“, sagte Hunt. Nach einiger Zeit meldete sich dann doch Jason Sudeikis wieder: „Ich glaube, wir sollten das machen.“
Wieder drei Staffeln
Und wie Bill Lawrence, ebenfalls Teil des kreativen Kernteams, dem Medium Deadline bestätigte, plant Sudeikis – wie schon beim ersten Durchlauf – erneut einen Handlungsbogen über drei Staffeln hinweg. Man darf gespannt sein, wie gut das gelingt.
Die erste Staffel war ohnehin nahezu unantastbar. Jeder Schmäh saß wie ein perfekt gezirkelter Schuss ins Kreuzeck. Und nicht ganz unwichtig, ja, sogar Teil des Erfolgs: In diesen ziemlich stürmischen Zeiten war Ted Lasso eine willkommene Auszeit von all den üblen Nachrichten da draußen. Lieb statt Krieg und Seuchen. Nicecore nennt man das im Fachjargon. So richtig böse war hier kaum jemand. Selbst die „Wichser!“-Rufe, mit denen das Publikum den zunächst eher erfolglosen Trainer bedachte, klangen irgendwie… nett.
Klubpräsidentin Rebecca Welton (Hannah Waddingham) trifft wieder auf den beliebten Teamchef.
©Apple TVBei Staffel zwei und drei scheiden sich dann bekanntlich die Geister – beim Publikum wie bei der Kritik. Für manche war es, trotz des Nettigkeits-Kerns, einfach zu fluffig. Dazu kamen bemühte Schmähs, halbgare Nebenhandlungen und ein paar Nebenfiguren, die eher farblos als liebenswert blieben.
Böse, weil verletzt
Da konnte man schon einmal auf das Wesentliche vergessen. Ted Lasso, dieser stets unverbesserliche Optimist mit eigenen Abgründen. Der Vater, der seinen Sohn vermisst, der bei der getrennten Frau in den USA lebt. Der Mann, der nur deshalb engagiert wird, weil die zutiefst verletzte Klubchefin Rebecca Welton sich an ihrem Ex-Mann rächen will. Sie will dessen größte Leidenschaft, den Verein, zugrunde richten. „Kein Wunder also, dass wir uns in eine Fernsehserie verliebt haben, in der schlechtes Verhalten fast immer durch verborgenen, heilbaren Schmerz motiviert ist; in der Egoismus und Rachsucht selten die ganze Wahrheit über den Charakter eines Menschen darstellen und Vergebung sowohl den Vergebenen als auch den Vergebenden befreit“, schrieb die Kommentatorin Margaret Renkl einmal in der New York Times.
Und gerade deshalb könne man so viel aus der Serie mitnehmen: „Beim Zuschauen beginnt es gar nicht mehr so abwegig zu erscheinen, sich vorzustellen, dass auch wir fähig sind, einander entgegenzukommen – dass auch wir lernen könnten, als Team zu spielen.“
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