Sieben Personen in Krankenhauskleidung stehen zusammen, eine Person sitzt, ein Skelett und ein Wischmopp sind zu sehen.

Scrubs-Comeback: Das sind die größten Herausforderungen

Das Krankenhaus Sacred Heart öffnet wieder seine Türen: "Scrubs" geht weiter. Welche Charaktere zurückkehren – und welche Hürden warten.

Ich bin zurück, Baby!“ Diesen Schlachtruf schleudert Dr. J.D. mit stolzgeschwellter Brust den entgeisterten Jungärzten entgegen.

Das zeigt der erste Teaser zur Krankenhaus-Sitcom „Scrubs“ , die 17 Jahre nach dem Abschied Ende Februar in den USA wieder zurückkehrt. Die gute alte Nostalgie, sie funktioniert immer wieder. In Österreich dürfte das Revival wohl kurz darauf bei Disney+ landen.

Zur Erinnerung: Am Ende der achten Staffel verabschiedete sich J.D. vom Krankenhaus Sacred Heart. Er träumte von einer glücklichen Zukunft. Von der Ehe mit Elliot (Sarah Chalke), ewiger Freundschaft mit Turk (Donald Faison) und Carla (Judy Reyes). Zum Schluss gab es sogar eine Umarmung vom sonst eher stahlharten Mentor Dr. Cox (John Christopher McGinley). Eine Szene zum Dahinschmelzen.

Alles nur ein Traum

Allerdings war hier wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens: „Wir alle wissen, unsere Hoffnungen und Träume gehen im Leben nicht immer in Erfüllung“, sagte J.D.-Darsteller Zach Braff jüngst dem Esquire. Und genau hier setzt die Neuauflage an. J.D. kehrt in seine ehemalige Wirkungsstätte zurück und trifft auf die alten Weggefährten Turk, Carla und Elliot. Mit ihr ist er offenbar nicht mehr zusammen.

„Scrubs“ handelte zu Beginn von einem jungen Arzt, der in eine neue Welt eintaucht. Die dreht sich weiter: „Wie ist es also, ein 50-jähriger Arzt zu sein, der vom System gebeutelt wurde? Es ist heutzutage sehr, sehr schwer, Arzt zu sein“, sagte Braff bei einem Festival in Texas.

 Gleichzeitig haben die bekannten Gesichter nun die Erfahrung, die sie hoffentlich auch weitergeben. Die Tonlage bleibt typisch „Scrubs“: etwas Humor, eine Menge Tagträume und noch viel mehr Herz – nur eben angepasst an 2026.

Der zynische Dr. Cox muss sich ändern

Das heißt auch, dass der gnadenlose Zyniker Dr. Cox umdenken muss. „Er ringt wirklich damit, sich in diesem System zurechtzufinden“, sagte Braff. Sein legendärer, beißender Unterrichtsstil stößt auf die Grenzen der zeitgemäßen Krankenhausrealität. Der ordinäre Chirurg Todd mit seinen ständig unpassenden Aussagen und Macho-Attitüde muss sich nun auch am Riemen reißen.

Sechs Personen stehen nebeneinander und lächeln in einem Innenraum, die Arme umeinander gelegt.

 Eine Aufnahme von den Dreharbeiten zur neuen Staffel: Regisseur Lawrence neben den Darstellern von Turk, Elliot, J.D., Carla und Perry Cox.  

©Disney

Dafür sorgt ein prominenter Neuzugang – die aus Saturday Night Live bekannte Komikerin – Vanessa Bayer. „Sie kümmert sich um Beschwerden der Personalabteilung. Sie hat eine sehr dicke Akte über The Todd und achtet, wie in richtigen Krankenhäusern üblich auch darauf, dass sich die Praktikanten nicht zu Tode schuften“, erklärte Braff.

Und der Hausmeister?

Was ist mit zwei der größten Kultfiguren? Beim fiesen Hausmeister (Neil Flynn) und dem schrägsten aller Schrägen, Chefarzt Bob Kelso (Ken Jenkins), bleibt es spannend. Braff wurde im Interview darauf angesprochen. „Wenn wir das Glück haben, eine zweite Staffel zu bekommen, dann definitiv.“ Aber wer weiß ? Zum Zeitpunkt des Esquire-Gesprächs waren die letzten Folgen von Staffel 1 noch nicht geschrieben. Ein Überraschungsauftritt ist also nicht ausgeschlossen.

Fans werden sich das wünschen, schließlich sind die Machtspielchen das Salz in der Suppe. „Scrubs“ zeigt, was den Klinikalltag wirklich prägt: Hierarchien, hohe Arbeitslast, der Umgang mit tragischen Geschichten und mit Fehlern. Viele, die im Spital arbeiten, nennen genau das realistisch. Eine Ärztin brachte es pointiert auf den Punkt: ‚Scrubs‘ ist näher am echten Spitalsbetrieb als ‚Emergency Room‘.“

Auch Fachleute halten die Serie für erstaunlich nützlich. Ein Beitrag im American Journal of Bioethics (2008), von Bioethiker Jeffrey Spike, argumentiert: Vertraute Figuren binden emotional, ihre Entscheidungen gehen uns nahe und zwingen zum Abwägen. Humor öffnet Türen, macht heikle Themen zugänglich, ohne sie zu verharmlosen. So trainiert „Scrubs“ Empathie, Perspektivwechsel und das Aushalten von Grauzonen besser als abstrakte Seminarfälle. Da soll noch wer sagen, Popkultur bringt nix für die Moral. 

Vorläufer des Nicecores

Dazu hat „Scrubs“ vorweggenommen, was „Ted Lasso“ – beide stammen übrigens vom selben Serienmacher Bill Lawrence – später zur Königsdisziplin machte: „Nicecore“.

So heißt diese freundliche, optimistische Comedy mit Herz. Während man beispielsweise bei „Seinfeld“ den Ungustln bei ihren Spompanadeln gern zusieht, sie aber selten wirklich mögen kann, tragen bei „Scrubs“ – und beim Fußballtrainer Ted – die meisten Figuren das Herz am rechten Fleck. Gut möglich, dass es nun bei der Scrubs-Neuauflage wieder zündet. In Zeiten wie diesen kann etwas „Nicecore“ gar nicht schaden.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

ist Redakteur bei der KURIER Freizeit. Seit Dezember 2020 schreibt er über Reisen, Kultur, Essen und Lifestyle. Kurz: über alles, was Freude macht. 2011 startete er in der KURIER-Chronik als Mitarbeiter für Oberösterreich, später produzierte er lange verschiedene Regionalausgaben.

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