Schauspielerin Katharina Klar

Schauspielerin Katharina Klar: Dieses Buch hat sie „umgehauen“

In den Kammerspielen brilliert sie in „Die Tanzstunde“. Ihre Bibliothek strotzt vor berührenden literarischen Stimmen.

Zwei Einsame, die der Zufall zueinander führt. Erst mit Bandagen, schüchtern, in einem Apartment. Dann im weißen Abendkleid, Ausgehanzug, am Tanzparkett. Ein autistischer Geowissenschaftler und eine blessierte Broadway-Tänzerin wachsen in „Die Tanzstunde“ – zu sehen in den Kammerspielen der Josefstadt – über sich hinaus. Berührend ist das, romantisch und witzig. „Es macht Spaß, zu spielen, wie diese so unterschiedlich einsamen Menschen zueinander finden“, erzählt Katharina Klar. Im Publikum wird gelacht wie geweint, das freut sie – ebenso wie die einhellig begeisterten Kritiken.

Ihr Wohnzimmer wird von einem riesigen Bücherregal dominiert. Eigentlich besteht es aus zwei Bibliotheken, die zusammengelegt wurden: ihrer und der ihres Mannes. „Bis wir zu diesem Schritt bereit waren, waren wir schon zwei Jahre verheiratet“, verrät Klar lachend und fügt mit Augenzwinkern hinzu: „Denn das ist wirklich verbindlich.“ Viele Bücher waren doppelt – ein gutes Zeichen.

Kurier Freizeit: "Meine Bibliothek" mit Katharina Klar

Begeistert derzeit in "Die Tanzstunde": Katharina Klar

©kurier/Tobias Steinmaurer

Diese Buch hat sie "einfach umgehauen"

Einen fixen Platz hat Siri Hustvedt, eine von Klars Lieblingsautorinnen. Ihr Essay „Die Illusion der Gewissheit“ hat sie nachhaltig beeindruckt. Er balanciert zwischen Philosophie und Neurowissenschaft und handelt von der Trennung von Körper und Geist (ein Konstrukt) und „wie menschliches Denken im Fühlen und im Körper verankert ist“. 

An „Blutbuch“ von Kim de l’Horizon (Deutscher Buchpreis) hatte Klar ohnehin hohe Erwartungen, „aber dann hat es mich einfach umgehauen“. Die erzählende Hauptfigur identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. „Es geht um Herkunft, Gewordenheit, Geschlechteridentität. Sprachlich großartig.“ 

Schauspielerin Katharina Klar

Schauspielerin Klar: Siri Hustvedt ist eine ihrer Lieblingsautorinnen

©kurier/Tobias Steinmaurer

Wie auch „Arbeit und Struktur“ von „Tschick“-Autor Wolfgang Herrndorf: die Blogeinträge des Autors, nachdem bei ihm ein Hirntumor diagnostiziert wurde und er erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat. „Ein unglaublich berührendes Tagebuch und Vermächtnis“, schwärmt Klar, „gleichzeitig ist es sehr witzig: Ein Buch, bei dem ich manchmal laut lachen musste.“

Die Bücher im Überblick:

  • Siri Hustvedt: „Die Illusion der Gewissheit“ – philosophischer Essay über  Körper und Geist
  • Kim de l’Horizon: „Blutbuch“ – die Familiengeschichte einer nonbinären Erzählerfigur
  • Wolfgang Herrndorf: „Arbeit und Struktur“ – das digitale Tagebuch eines Todkranken
Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

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