Harlan Coben: Der Krimi-König von Netflix
Harlan Coben weiß genau, mit welchen Plot-Twists er Leser in den Wahnsinn treibt. Seine Thriller schrieb er früher im Taxi.
Das neue Jahr begann mit einem ordentlichen Thrill. Die Story: Eigentlich schien Simon ein perfektes Leben zu führen. Doch dann verschwindet plötzlich seine älteste Tochter. „Suche mich nicht“ – so lautet die Nachricht, die sie hinterlässt (und der Name der Serie).
In einem Park begegnet er ihr wieder, ein Schatten ihrer selbst, vollgepumpt mit Drogen. Es kommt zum Streit, sie flieht erneut. Und Simon betritt eine Welt, deren Geheimnisse seine Familie zerstören könnten und die bevölkert wird von Junkies, Killern und einer Sekte. Ein wilder Mix, der beim Netflix-Publikum bestens ankam: Die nervenzerfetzende achtteilige Miniserie um den verzweifelten Familienvater stürmte zu Jahresbeginn in vielen Ländern auf Platz eins der meistgesehenen Serien. Und schlug sogar „Stranger Things“.
Düstere Geheimnisse
Geschrieben hat den Serienhit Harlan Coben. Beweisen muss der niemandem mehr etwas. 35 Romane hat der Amerikaner veröffentlicht, damit die wichtigsten US-Krimipreise gewonnen, Bestseller, die sich mehr als 90 Millionen Mal verkauft haben, übersetzt in 46 Sprachen.
Was ihn so speziell macht: Nach seiner Buchreihe um Myron Bolitar, der als Sportagent zum Ermittler wider Willen wird, sind oft nicht Kommissare oder sonstige Profis die Helden, sondern Normalos wie du und ich, die in Schwierigkeiten geraten, düstere Geheimnisse zu verbergen haben oder deren Vergangenheit sie einholt. Dazu kommt, dass Coben es liebt, jede Menge überraschende Handlungswendungen in seine Romane einzubauen, nichts ist, was es scheint – was dafür sorgt, dass Leser abends kaum imstande sind, seine Bücher wegzulegen und endlich schlafen zu gehen.
Normalos, die in Extremsituationen geraten: Harlan-Coben-Serie „The Stranger"
©NetflixDer hohen Cliffhanger-Dichte ist es auch zu verdanken, dass Coben-Thriller sich so perfekt zum Verfilmen eignen. Auf Netflix ist ein ganzes Serien-Universum zu begutachten, von „The Stranger“ über „Wer einmal lügt“ bis „Ich vermisse dich“, insgesamt zwölf Titel sind in Österreich abrufbar und laden zum Bingen ein. Auch in den Serien überschlagen sich oft die Ereignisse und es wimmelt vor Handlungssträngen und Figuren. Das wird manchem Kritiker denn auch zu schwindelerregend. Zeit zum Verschnaufen bieten Cobens Thriller so gut wie keine. „Wenn Sie keine Wendungen mögen, bin ich wirklich nicht der Richtige für Sie“, erläuterte der Starautor einmal im Guardian. Sein Motto sei: „Wie kann ich Sie dazu bringen, unbedingt weiterlesen zu wollen?“
Thriller im Taxi
Harlan Cobens Karriere begann aber nicht am Schreibtisch. Neben seinem Politikwissenschaft-Studium jobbte er als Reiseleiter an der Costa del Sol und in einer Diskothek. Das Umtriebige blieb ihm in gewisser Weise. Er könne nicht lange am selben Ort sitzen, so Coben, also habe er früher während Taxifahrten geschrieben (auf diese Art entstand in drei Wochen „The Stranger“). Später stieg er auf Flugzeuge um. Ist er zuhause, dann in New Jersey, wo der vierfache Vater mit seiner Frau lebt, einer Kinderärztin.
Beruflich lieben ihn aber auch Hollywoodstars: Die Oscar-Gewinnerin Reese Witherspoon wollte einen Thriller schreiben und wandte sich vertrauensvoll an Coben. In Kooperation entstand so das Werk „Ohne ein letztes Wort“ über eine Ex-Militärchirurgin, die von einem superreichen russischen Oligarchen für eine Schönheitsoperation angeheuert wird – und bald in einen Strudel rund um Organhandel und Geldwäsche und in Lebensgefahr gerät. Für neuen Serienthriller-Stoff ist gesorgt.
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