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„Wetter schön, Hotel gut“: Was wurde aus der Postkarte?

Heute schickt man digitale Grüße. Gudrun Weigl wollte in einem „Postkarten-Experiment“ wissen, was echte Post bei Adressaten auslöst – mit überraschenden Ergebnissen.
Postkartenständer vor einem Souvenirshop mit Ansichten vom Wörthersee und Schloss Velden.

Natürlich für die Oma. Und für die Tante. Für die beste Freundin eine besonders witzige. Und unbedingt ans Büro denken, sonst gibts einen Rüffel nach der Rückkehr.

Das Verschicken von Urlaubskarten war über Jahrzehnte ein fixes Ritual: Karten kaufen – oft dutzendweise, Briefmarken dazu nicht vergessen. Ob man dann „Wetter schön, Essen gut, liebe Grüße“ draufschrieb oder detailliert von Urlaubserlebnissen berichtete, variierte je nach Adressat. Jedenfalls suchte man so bald wie möglich eine Post, denn im Idealfall kam die Karte schon vor einem selbst daheim an.

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Gudrun Weigl verschickte 64 Postkarten. Eine kam zurück. 

Die Zeiten ändern sich

Wer schreibt eigentlich noch Karten? Es ist förmlich aus der Mode gekommen. Längst haben Whatsapp und andere soziale Medien die Funktionen von Post- und Ansichtskarten übernommen. Ein Bild mit Meer ist in Sekundenschnelle gepostet. Im Gegensatz zum Aufwand, Karten auszuwählen, Briefmarken zu organisieren und eine Poststelle zu suchen.

Dabei ist die Zeit des Postkarten-Schreibens – besonders aus dem Urlaub – noch gar nicht so lange her. Gudrun Weigl erinnert sich gut daran, noch vor zehn Jahren auf ihrer Pinnwand nach dem Sommer bis zu 20 Urlaubsgrüße gesammelt zu haben. „Heute ist es wirklich selten geworden.“

„Schachtelweise“ habe die 58-jährige Lehrerin aus Kottingbrunn (NÖ) in ihrer Kindheit und Jugend Post- und Ansichtskarten gesammelt. „Geordnet nach Ländern und Kontinenten.“ Als Teenager betrieb sie mit Freundinnen auch einen „Postkarten-Club“: Wöchentlich schrieben sich die Mädchen mehrmals. „Zehn bis 15 Karten haben wir da wöchentlich hin- und hergeschickt, nur mit ganz kurzen Nachrichten, oft sinnlose Sachen, zum Beispiel, dass ich grad einen Kaffee trinken war. Aber jeden Tag war eine Karte im Postkasten.“ Nachsatz: „Eigentlich haben wir das gemacht, was wir heute auf Whatsapp machen.“

Weniger die Liebe zu den Erinnerungen an ferne Länder als mehr ihre Vorliebe zu schreiben brachte sie auf die Idee zu ihrem „Postkarten-Experiment“. Da das Alphabet genau 26 Buchstaben hat, entschloss sie sich am 1. Jänner 2026, allen Kontakten in ihrem alten Adressbuch eine Karte zu schreiben – von A bis Z, ohne besonderen Anlass, aber versehen mit eigens gestalteten Aufklebern, der auf ihr Experiment hinwies. Darunter waren enge Freunde und Verwandte ebenso wie frühere Arbeitskollegen, von denen sie Adressen hatte.

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Die Postkarte von Gudrun Weigl an den KURIER.

Analoges Lebenszeichen

Die Adresse des KURIER war zwar nicht darunter, ist aber leicht zu finden – Weigl widmete der Redaktion den Buchstaben K. „Zum Großteil waren es Personen, mit denen ich regelmäßig Kontakt habe. Bei einigen dachte ich, es wäre ja auch witzig, wieder mal ein Lebenszeichen zu schicken. Im Handy habe ich ja drei Mal so viele Kontakte eingespeichert.“

Die Ergebnisse ihres Experiments überraschten Weigl dann aber doch – und sie spiegeln den Zeitgeist wider. Von 64 verschickten Postkarten antworteten 36 Empfänger relativ schnell – vor allem per Whatsapp, aber einige, vor allem die Älteren, griffen zum Telefon. „Das war auch sehr schön, so konnten wir auch wieder mal miteinander reden.“

Eine Postkarte schickte tatsächlich nur eine einzige Person, ihre Schwägerin. „Ich habe zwar nicht erwartet, dass viel zurückgeschrieben wird, aber dieses Ergebnis war dann doch erstaunlich. Fast absurd. Ich fand das schon sehr interessant, dass sich die Menschen zwar über die analoge Kommunikation freuten, aber erst recht wieder digital darauf eingingen.“

Whatsapp und Co. haben durchaus Vorteile, betont Gudrun Weigl. Aus ihrem Finnland-Urlaub verschickt sie derzeit auch Fotos per Smartphone. Schreibt aber natürlich ebenso Postkarten. Das hat heutzutage fast schon das Potenzial einer Aufsehen erregenden Handlung.

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