TV-Moderatorin Michelle Hunziker
Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Neue Liebe, 50er, Gottschalk: Michelle Hunziker im Interview

Michelle Hunziker über das „Wetten, dass ..?“-Revival und ihre Zukunftspläne: zehn Jahre noch arbeiten – dann ist Schluss.

Lachen verboten! Für eine Frohnatur wie Michelle Hunziker eine Qual. Und doch ist das Spielregel Nummer eins bei der Show „LOL: Last One Laughing“, aktuell zu sehen bei Amazon Prime Video. Die vom Publikum heiß geliebte Moderatorin tritt dabei gegen Comedy-Profis wie Bully Herbig an (er fungiert diesmal nicht als Host, sondern ist Kandidat). Dabei versuchen die Teilnehmer sich mit allen Mitteln gegenseitig zum Lachen zu bringen – das Format ist ein riesiger Erfolg auch in der siebenten Staffel. 

Im Leben darf Hunziker hingegen unbeschwert fröhlich sein. Mit einem neuen Partner an ihrer Seite schwebt sie im siebenten Himmel. Ihrem kommendes Jahr anstehenden 50. Geburtstag sieht sie entspannt entgegen. Und auch sonst genießt sie bewusst das Leben und Zeit für sich selbst: „Hätte ich früher schon verstanden, wie wichtig dieses Gleichgewicht ist, wäre manches vielleicht leichter gewesen.“ 

Beim Interview trägt Michelle Hunziker eine weiße Bluse, deren großer Kragen unter dem sonnengelben Pullover hervorragt, die blonden Haare offen – und im Gesicht ein charmantes Lächeln.

Michelle, Sie haben einmal gesagt, die Show „LOL“, in der Lachen für die Teilnehmer verboten ist, das sei wie Comedy-Schach zu spielen. Wie sind Sie die Partie denn dieses Mal angegangen?

Ich hatte jedenfalls keine bestimmte Strategie, denn das macht bei dieser Show keinen Sinn. Man weiß nie, was einen wann zum Lachen bringen wird und wie man sich dann unter Kontrolle halten muss. Mir fällt es sehr schwer, mir das Lachen zu verkneifen, denn ich bin eine Frohnatur, die gerne lacht im Leben. Selbst in einem normalen Gespräch lächle ich gern, aber schon das ist hier ja verboten.

Sie sind ja keine klassische Comedienne, wie war das für Sie in der Champions League deutscher Komiker?

Ich war nicht auf Konkurrenz gepolt, denn ich weiß, ich kann da nicht mithalten. Ich fühlte mich wie ein Special Guest, der gefoltert wird, weil ich dafür bekannt bin, oft zu lachen. Ich bin das beste Opfer. Dafür habe ich mich gut geschlagen.

Wann haben Sie denn das letzte Mal herzlich gelacht, abseits der Kamera?

Vor einer halben Stunde. Lachen tut dem Leben gut. Wenn man dann noch von Herzen lacht, auch der Gesundheit. Der ganze Hormonhaushalt ändert sich, weil das dem Gehirn signalisiert: jetzt ist alles gut. Das ist ein bisschen mein Lebensrezept.

Können Sie mir einen guten Witz erzählen?

Nein. Oder, besser gesagt: Ich kenne gute Witze, aber ich bin die schlechteste Witze-Erzählerin der Welt. Mein Problem ist: Ich vergesse immer die Pointe. Ich fange an zu erzählen und dann entfällt mir, wie der Witz weitergeht, was ja das Schlimmste ist, was passieren kann bei einem Witz. Ich bin da leider gar nicht gut.

Was machen Sie denn im Leben, wenn Sie auf jemanden treffen, der absolut keinen Humor besitzt?

Nichts wie weg – so schnell wie möglich. Ich finde Leute, die sich selbst zu ernst nehmen sehr langweilig und auch wenig intelligent. Ich werde nächstes Jahr 50 und will nur mit Leuten zusammensein, die mir guttun. Das ist viel schöner, als mit Leuten, die das Leben nicht begriffen haben und nicht wissen, wie wichtig es ist, auch ein bisschen selbstironisch zu sein.

Weil Sie Ihren 50. Geburtstag erwähnt haben – wie gehen Sie auf dieses Datum zu?

Mit Freude! Ich bin Oma geworden, habe drei fantastische Kinder, und mein Job wird auch immer interessanter. Ich bin gerade an einem sehr schönen Punkt in meinem Leben und ich genieße das wirklich. Früher habe ich das vielleicht eher nur so dahin gesagt, aber inzwischen merke ich: Ich meine es tatsächlich so. Ich genieße das Leben wirklich.

Und das war nicht immer so?

Ich nehme mir heute bewusst Zeit für mich selbst, habe die Kapazitäten dafür, für Me-Time, für meine guten Freundinnen. Hätte ich früher schon verstanden, wie wichtig dieses Gleichgewicht ist, wäre manches vielleicht leichter gewesen. Das habe ich erst relativ spät gelernt. Genau deshalb fühlt es sich jetzt umso schöner an.

TV-Moderatorin Michelle Hunziker

Michelle Hunziker über das „Wetten, dass ..?“-Revival: „Kann nur funktionieren, wenn man den Mut hat, die Show wirklich neu zu denken“

©Prime Video

Sind Sie egoistischer geworden, im positiven Sinn, weil Sie mehr auf sich achten?

Egoistischer würde ich nicht sagen. Ich bin nach wie vor jemand, der sehr darauf achtet, dass es allen gut geht. Ich bin dreifache Mutter, inzwischen auch Oma, und dieses Verantwortungsgefühl ist einfach immer da – für meine Kinder, mein Enkelkind, meine Mama. Ich kümmere mich gerne um die Menschen, die ich liebe, das gibt mir auch sehr viel zurück.

Aber?

Aber ich habe mit den Jahren gelernt, dass Zeit für sich selbst unglaublich wichtig ist. Das hat meine Mama mir mitgegeben. Ich glaube nicht, dass das Egoismus ist – vielleicht im besten Sinne des Wortes. Es ist einfach wichtig für die eigene Balance, für die Gesundheit und auch für die mentale Stärke.

Man legt sich so einen Schutzmechanismus zu, wenn man im Leben schmerzhafte Erfahrungen gemacht hat. Trotzdem bin ich ein Mensch, der nach wie vor sehr an die Liebe glaubt.

Michelle Hunziker

Ich habe gelesen, Sie haben einen neuen Partner gefunden, wie bringt der Sie denn zum Lachen?

Mit was nicht? Ich lache sehr viel mit ihm. Für mich ist Humor bei einem Mann sehr wichtig, denn ohne den ist es doch langweilig.

Haben Sie das Gefühl, mit den Jahren offener und entspannter geworden zu sein?

Auf jeden Fall. Ich denke, dass man mit den Jahren entspannter wird, weil man mehr Lebenserfahrung hat und viele Dinge leichter nehmen kann. Und dass man einen Schutzpanzer, den man sich in jungen Jahren vielleicht zulegt, später abstreifen kann.

Warum hatten Sie das Bedürfnis, sich damals stärker schützen zu müssen?

Man legt sich so einen Schutzmechanismus zu, wenn man im Leben schmerzhafte Erfahrungen gemacht hat. Trotzdem bin ich ein Mensch, der nach wie vor sehr an die Liebe glaubt. Genau darin liegt der Widerspruch: Wenn man sich zu sehr schützt, lässt man die Liebe irgendwann gar nicht mehr richtig zu. Das wollte ich nie. Für die Liebe braucht es Mut – man muss sich jedes Mal neu darauf einlassen, auch wenn man verletzt werden könnte. Aber dieses Risiko ist es wert.

Sie stehen schon seit vielen Jahren in der Öffentlichkeit. Gibt es eine falsche Annahme über Sie, die Sie immer wieder lesen und vielleicht korrigieren möchten?

Es gibt ganz vieles, das die Leute denken, das aber nicht der Wahrheit entspricht. Aber man muss sich ja nicht rechtfertigen. Man muss so sein, wie man ist. Der Job ist eine Sache, das Privatleben eine andere und sich rechtfertigen macht keinen Sinn. Es wird immer jemanden geben, der dich nicht cool findet. Das ist normal. Ich habe kein Problem damit. Ich bin jetzt seit 30 Jahren im Business, ich kenne das Spiel, das Game of Entertainment.

TV-Moderatorin Michelle Hunziker

 Michelle Hunziker über Thomas Gottschalk: „Er hat an mich geglaubt, dafür bin ich ihm bis heute dankbar“ 

©Prime Video / andreas büttner

Was sagen Sie denn zum Revival von „Wetten, dass ..?“, das mit Bill und Tom Kaulitz als Moderatoren im Dezember auf den Bildschirm zurückkehren wird?

Ich freue mich für die Jungs, die sind doch toll. Zeiten ändern sich – deshalb glaube ich auch, dass so ein Revival nur funktionieren kann, wenn man den Mut hat, die Show wirklich neu zu denken und sie an die beiden und die Gegenwart anzupassen. Hauptsache, es wird nicht nostalgisch! Ich glaube sehr an Veränderung. Ich war nie jemand, der zurückschaut oder Dingen nachtrauert, wie sie früher einmal waren. Ich mag es, wenn sich Dinge weiterentwickeln, und ich passe mich Veränderungen auch gerne an. Deshalb glaube ich, dass das gut funktionieren kann.

Wären Sie gern Teil der neuen „Wetten, dass ..?“-Show?

Ich habe darüber ehrlich gesagt noch nicht konkret nachgedacht. Ich mag die Kaulitz-Brüder. Aber ich habe auch so viel zu tun, deshalb hat das gerade nicht oberste Priorität. Aber ausgeschlossen wäre es definitiv nicht.

Haben Sie wieder mit Thomas Gottschalk gesprochen, seitdem er seine Krebserkrankung bekannt gemacht hat?

Ich habe ihn zuletzt bei der Bambi-Preisverleihung in München gesehen und mich sehr über das Wiedersehen gefreut. Ich hatte mit Thomas immer ein gutes Verhältnis und habe ihn nach wie vor sehr lieb. Wir haben „Wetten, dass ..?“ zusammen gerockt. Er hat an mich geglaubt, dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Ich bin ein Mensch, der nie vergisst, wer einen unterstützt hat. Viele haben sich gewundert, warum ich mich zu seiner Erkrankung nicht öffentlich geäußert habe. Ich finde, dass ein solches Thema privat ist und dazu äußere ich mich generell nicht.

Haben Sie den Eindruck, dass wegen mancher seiner Aussagen zu hart mit ihm umgegangen wurde?

Ich habe selbst vieles erlebt und wurde auch oft von den Medien angegriffen. Es gibt Phasen, in denen der öffentliche Umgang mit einem sehr hart sein kann. Natürlich macht man auch Fehler, und dann muss man die Konsequenzen tragen. Aber ein einzelner Moment definiert einen Menschen nicht. Thomas hat ein bisschen dafür gezahlt, dass er im falschen Moment die falschen Worte gewählt hat. Das kann passieren. Niemand ist perfekt.

Michelle Hunziker

Michelle Hunziker

Michelle Hunziker wurde 1977 in Sorengo (Schweiz) geboren. Sie begann als Model und wurde als Moderatorin großer TV-Unterhaltungsshows in Italien berühmt. Zudem moderierte sie  „Deutschland sucht den Superstar“ und mit Thomas Gottschalk „Wetten, dass ..?“. Hunziker war mit Eros Ramazzotti verheiratet (eine Tochter) und Mode-Erbe Tomaso Trussardi (zwei Töchter).  
 

Sie wirken heute so strahlend und zufrieden wie lange nicht – woran liegt das?

Ich danke Ihnen für dieses schöne Kompliment. Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade sehr dankbar bin. Wenn man immer nur jammert und anderen die Verantwortung für die eigenen Probleme zuschiebt, ist das nicht gut. Wenn man viel Wut in sich trägt, tut das dem Körper nicht gut. Wut ist Gift und macht dich alt. Die Kraft zu vergeben macht dich stark und hält dich jung.

Mussten Sie sich das erst erarbeiten?

Diese Einstellung habe ich von meinem Papa. Er hat nie schlecht über andere gesprochen und das Leben immer positiv gesehen. Obwohl er auch seine Probleme hatte, war er eine Frohnatur.

Sie betreiben viel Karate. Ist der Kampfsport ein Blitzableiter für Sie?

Sport ist mehr als nur Bewegung, es ist eine Lebensphilosophie. Man lernt zu verlieren, wieder aufzustehen und nicht aufzugeben. Man versteht, dass man mit Disziplin Ziele erreichen kann, wenn man keine Angst hat, dass es Jahre dauern kann. Das gilt für den Körper wie für Freundschaften oder die Arbeit. Disziplin zu halten ist nicht leicht. Aber der Lohn ist immer Freude und Zufriedenheit. Wenn man eine Person ist, die in sich ruht und nicht provoziert werden kann, macht das andere sehr nervös. (lacht)

An welche Niederlage erinnern Sie sich besonders schmerzlich und an welchen Sieg besonders gerne ?

Niederlagen habe ich oft das Erreichen meiner größten Ziele zu verdanken. Am meisten lernt man aus Niederlagen. Etwa meine Zeit in einer Sekte, aus der ich aus eigener Kraft herausgefunden habe. Das war eine schwierige Phase, die mir im Nachhinein viel über mich selbst gezeigt hat. Und wenn ich an die größten Siege denke, dann sind das für mich ganz klar meine drei Kinder – das sind die wichtigsten und schönsten Erfolge meines Lebens.

Sie sind auch Unternehmerin, haben eine Lifestyle-Marke mit Nahrungsergänzungsmitteln und Beauty-Produkten. Bleiben Sie dem Fernsehen dennoch erhalten?

Mein Ziel ist es, noch zehn gute Jahre zu arbeiten und dann mehr Zeit für mich zu finden, für meine Familie, für meine Liebe, für mein Leben. Zehn Jahre noch – und dann fange ich an zu reisen.

Ihr Traumziel?

Japan steht ganz oben auf meiner Liste, auch Australien möchte ich unbedingt sehen. Es gibt so vieles, das ich noch entdecken will. Deshalb möchte ich mir bewusst dafür Zeit nehmen, solange ich noch jung bin – um zu reisen, das Leben zu genießen und noch viele Sonnenuntergänge zu erleben.

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schrieb für 110%, das Sport- und Lifestyle-Magazin von Die Presse. Seit 2020 Redakteur der KURIER Freizeit mit Reportagen, Kolumnen, Texten zu Kultur, Gesellschaft, Stil, Reise und mehr. Hunderte Interviews, von Beyoncé und Quentin Tarantino über Woody Allen und Hugh Grant bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio sowie in der deutschsprachigen Kulturszene. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Liebt Kino, Literatur und Haselnusseis.

Kommentare