Mafia Hit Man Pulling on Leather Gloves

Eleganz fest im Griff: Wieso Männer zu Handschuhe greifen sollten

Herrenhandschuhe können nicht nur wärmen und schützen, sondern einen Mann so subtil wie kein anderes Accessoire zum Gentleman und Dandy erheben.

Sie haben etwas erstaunlich Intimes. Die drei geübten Zupfer: Einer am Stoffzipfel über dem Daumen. Einer über dem Zeigefinger. Und ein dritter – nachdem das Leder ausreichend gelockert wurde – lässt den Handschuh von der rechten Hand gleiten. Unverhüllt wird diese einem sodann entgegenstreckt. Bestimmt, zuversichtlich, wärmend. Kein großer Aufwand, aber dennoch eine Aufmerksamkeit, eine dem Gegenüber erwiesene Ehre.

Bei Herrenhandschuhen denkt man heute schnell an sportliche Betätigung. Vielleicht an dick gepolstert Fäustlinge beim Boxen oder die bunten, warm gefütterten Versionen, wie sie die Herren bei den heutigen Freestyle-Ski-Bewerben in Cortina tragen. Man assoziiert sie mit manueller Arbeit; dem Gärtnern, mit Baustellen. Oder aber mit bestimmten Berufsgruppen, etwa einem Arzt oder einem Feuerwehrmann.

Doch der Handschuh für ihn kann mehr als Schutz und Wärme liefern; er kann in einer Subtilität, die keinem anderen Accessoire vorbehalten ist, einen Herren zum Gentleman erheben.

News - Dolce & Gabbana - Runway - Milan Fashion Week - Menswear Fall/Winter 2026-2027

Edel in Schwarz - Männerhandschuhe bei Dolce & Gabbana.

©IMAGO/Gruppo LiveMedia/IMAGO/Cinzia Camela / LiveMedia

 

Als der Dandy und Stummfilmstar Rudolph Valentino 1926 im Alter von nur 31 Jahren an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs verstarb, soll er nicht weniger als 85 Paar Handschuhe zurückgelassen haben. Auch wenn er mit dieser Zahl hervorsticht, so geziemte es sich einst für feine Herren durchaus, nicht nur ein oder zwei Paare zu besitzen, sondern dem Accessoire eine gesamte Schublade im Ankleidezimmer zu widmen.

Handschuh-Hochburg

Freilich reizt es einen hier zu argumentieren, dass diese Zeiten lange zurückliegen. Aber stimmt das wirklich? Noch in den 1960ern gab es allein in Wien 15 erzeugende Handschuhfirmen.

„Die Vertreter der deutschen, Schweizer oder italienischen Firmen sind noch gar nicht eingerechnet“, sagt Handschuhschneider Thomas Riemer. „Eine Handschuh-Vertretung für Wiener Kunden war damals so kostbar, dass sie notariell vererbt wurde.“ Drei Monate lang sei sein Vater unterwegs gewesen, sagt Riemer, von Februar bis April, um alle Wiener Kunden besuchen zu können.

Heute ist Thomas Riemer einer der wenigen verbliebenen Erzeuger. Doch noch immer, ergänzt er, gebe es mit fast einem halben Dutzend Handschuhgeschäfte in Wien mehr Shops, die sich auf dieses Kleidungsstück spezialisieren, als in jeder anderen deutschsprachigen Metropole.

IM MEN Issey Miyake - Paris Men¸Äôs Fashion Week FW2026 - Runway

Übergroß wuchtig, das aktuelle Modell von Issey Miyake. 

©WWD via Getty Images/WWD/Getty Images

Und damit sind wir schon in der Gegenwart. Als Dolce & Gabbana ihre aktuelle Wintermode in Mailand präsentierten, blitzten wiederholt glänzend schwarze Lederhandschuhe am Ende von Anzugs- und Mantelärmeln hervor; entspannt schlenkernd oder die farblich passende Ledertasche fest im Griff. Der japanische Designer Issey Miyake gab dem Accessoire in seiner Pariser Wintervorschau noch mehr Raum: Sein ausladendes Modell reicht über den halben Oberarm und hebt sich kontrastreich vom weißen T-Shirt ab. So wuchtig und präsent ist dieser Handschuh, dass er ans Falkenzähmen oder ein mittelalterliches Lanzenturnier erinnert.

Nostalgie in der Hand

Die unsicheren Zeiten lassen uns aber gerade auch besonders gerne in Nostalgie schwelgen, nicht nur bizarre Modetrends der 2000er aufgreifen, sondern auch die (vermeintliche) Romantik des Mittelalters, des Elisabethanischen Englands (man denke an „Hamnet“) oder der Regentschaftszeit hochleben. 

Am 26. Februar wird Netflix den zweiten Teil der vierten Bridgerton-Staffel freischalten. Wenn Regé-Jean Page als charismatischer Duke of Hastings oder Luke Thompson als träumerischer Benedict Bridgerton durch tiefgrüne Parks oder über kiesbestreute Pfade schreiten, dann stecken ihre Hände gewöhnlich in glatten und überraschend engen Handschuhen

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In Bridgerton tragen die Männer noch häufig Handschuhe.

©LIAM DANIEL/NETFLIX

Hier ist den Kostümbildnern der Netflix-Show übrigens kein Faux-pas passiert; es wurde nicht versehentlich ein zu enges Paar bestellt. Das ist der wichtigste Ratschlag, den Thomas Riemern modeaffinen Männern mitgeben möchte: „Lederhandschuhe müssen knackig sitzen.“ Daher komme im Englischen die Redewendung „It fits like a glove“ (übersetzt: es passt wie angegossen). Viele Kunden würden automatisch zu große Größen wählen. „Aber durch das ständige Bewegen wird der Handschuh im Laufe der Zeit weiter.“

Worauf gilt es noch zu achten? Das Ensemble. „Stiltechnisch“, sagt die Wiener Imageberaterin Eva Köck-Eripek, „ist es wichtig, dass der Handschuh farblich zum Schuh passt.“ Meist sehe man sie historisch vor allem in Schwarz oder Brauntönen.

 Cognacbraun sei besonders beliebt oder auch Graubraun, wenn es sich um Hirschleder handelt.

Bezaubernd hell 

Den feinsten Handschuh-Komfort, ergänzt Thomas Riemer, erreiche man mit Rehleder. Das sogenannte „Offiziersleder“ ist auch jenes Material, mit dem er die Handschuhe für die Spanische Hofreitschule fertigt. In einer Blässe, die mit dem Weiß der Lipizzaner harmoniert, auf der sich jedoch besonders leicht Dreck abzeichnet, weshalb man mit ihnen besonders gut Eindruck schinden könne.

Es ist ein Moment, der Thomas Riemer von den Spaziergängen mit seinem Vater besonders stark im Gedächtnis geblieben ist. Wenn sie einen Bekannten trafen, zupfte sein Vater behände den Handschuh von der rechten Hand, bevor er sie zur Begrüßung entgegenstreckte. Das Gegenüber blieb jedoch so gut wie immer am Accessoire hängen. „Ja, wie machen Sie das“, kam so häufig der erstaunte Ausruf, „dass Ihre Rehlederhandschuhe stets so schön und sauber sind?

Anna-Maria Bauer

Über Anna-Maria Bauer

Schreibt seit 2021 als freie Autorin aus London für den KURIER über Politik, Royals und Lifestyle. Zuvor acht Jahre in der Wien-Chronik.

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