Lucas Fendrich: „Andere schreiben Tagebücher, ich schreibe Songs“
Seine neue Single „Meier“ über Liebeskummer verbindet Emotionen und Austropop. Am 12.9. kommt er zur KURIER freizeit.live.
Das Erbe des Austropop wiegt nicht nur auf seinen Schultern. Er trägt es in seinem Namen. Lucas Fendrich hat sich mit Liedern wie „Feuer über Wien“ einen Namen gemacht, vergangenes Jahr erschien sein Debütalbum „Rezeptfrei“. Nun kommt ein Jahr später schon der Nachfolger: Am 24.9. erscheint Fendrichs neues Album – der Titel ist noch geheim, der Inhalt aber klar: moderner Austropop im Dialekt und mit eingängigen Rhythmen.
In der aktuellen Single „Meier“ wird es emotional, wenn Fendrich über den Herzschmerz einer Trennung und zerbrochene Zukunftspläne singt. Im Interview spricht er darüber – und über Vergleiche mit seinem Vater, Authentizität und Panikattacken.
Schon am Samstag, den 12.9., präsentiert Lucas Fendrich bei der KURIER freizeit.live in der Wiener Hofburg einen exklusiven Vorgeschmack auf sein neues Album.
Lucas, Ihre neue Single „Meier“ handelt von einem gebrochenen Herzen. Ist der Song autobiografisch?
Alle meine Songs tragen autobiografische Züge. Auch diese Geschichte ist zum Teil wahr, ich erzähle sie aber nicht eins zu eins nach. Aber das Leben ist meine größte Inspirationsquelle.
„Meier“, das bedeutet im Dialekt: kaputt, völlig am Ende. Wie fertig waren Sie nach dieser Trennung, die Sie besingen?
Die Trennung hat mich eine Zeit lang tatsächlich außer Gefecht gesetzt, ich glaube, dieses Gefühl hat jeder zumindest einmal schon erlebt. So ist das Leben. Da hilft nur: aufstehen, abputzen und weiter geht’s.
Hilft Ihnen Musikmachen gegen Liebeskummer?
Definitiv. Sobald ich über einen Liebeskummer einen Song geschrieben und ihn aufgenommen habe, merke ich, wie gut mir das tut. Ich entferne den Schmerz damit aus meinem System. Andere schreiben Tagebücher – ich schreibe Songs. Heute geht es mir wieder super. Ich bin überm Berg.
Glauben Sie trotzdem noch an die große Liebe Marke Hollywood?
Enttäuschungen gehören zum Leben dazu, ich will da nicht zu melodramatisch werden. Und ich bin nach wie vor der Meinung, für jeden da draußen gibt es das perfekte Puzzlestück, das zu einem passt.
Leid wird gern als Triebfeder für Kreativität hochgejubelt. Dabei ist man im Moment des akuten Leids gar nicht fähig, etwas zu schaffen.
Am Anfang ist man wie betäubt. Dann aber beginnt der Verarbeitungsprozess, und den gestaltet jeder anders: Die einen machen Sport, die anderen feiern Exzesse, jeder wie er will. Ich schreibe Songs, weil das hilft. Auch wichtig: Selbstfürsorge, also im Gym trainieren, gut essen, erholsam schlafen, auf sich selbst fokussieren.
War es immer klar für Sie, Ihre Erfahrungen in Ihrer Musik zu teilen und zu verarbeiten?
Ich finde es wichtig, als Künstler authentisch zu sein. Was gibt es Besseres, als dafür Erfahrungen aus dem eigenen Leben zu vertonen? Das muss nicht immer Schmerz sein, das gilt auch für gute Laune. Ich freue mich, wenn Fans mir schreiben, dass sie sich in einen Song von mir gerade extrem einfühlen können, oder sie im Urlaub eines meiner Lieder feiern, weil es perfekt zur Stimmung passt. Das sind Momente, in denen ich denke: Das ist der geilste Beruf der Welt. Weil man Menschen damit berühren kann.
Ich finde es schmeichelhaft, wenn es heißt, ich klinge wie Fendrich, Falco oder Wanda.
Sie singen Deutsch mit Dialekt. Was bedeutet moderner Austropop für Sie?
Ich singe so, wie ich rede. Es ist eine Mischsprache, aus Hochdeutsch, jungen Anglizismen und jenem Wienerisch, das noch meine Großeltern gesprochen haben. Vergangenes Jahr habe ich mein erstes deutschsprachiges Album rausgebracht, da musste ich selbst noch für mich herausfinden, wie es sich für mich am besten anfühlt. Mit „Feuer über Wien“ ist mir dann ein cooler Song gelungen, der gut angekommen ist. „Tante Hilde“ wurde ein Weihnachtshit. Ich sage immer, ich mache Austropop 2.0 und versuche, das Alte mit dem Neuen zu verbinden.
Im September veröffentlichen Sie Ihr neues Album. Was erwartet uns?
Es ist das erste Album, mit dem ich meine Richtung gefunden habe. Phonetisch habe ich einen schönen roten Faden hineingebracht. Erzählerisch sind es Songs, die auf meinen Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre basieren. Über Dinge, die einen eben so beschäftigen, wenn man 40 wird. Dann wieder gibt es Alltagsgeschichten , in „Montag“ etwa geht es um gute Vorsätze und wie man immer wieder an ihnen scheitert, wie etwa mit dem Rauchen aufzuhören. Comedy kommt nicht zu kurz, gepaart mit Sentimentalität, dazu Songs mit Message. Ich finde, es ist die Aufgabe eines Künstlers, vernachlässigte, aber wichtige Themen ins Licht zu rücken. „Palmentapeten“ etwa handelt von materialistischem Denken. Ich bin sehr happy mit dem Album.
Seit vorigem Jahr singen Sie auf Deutsch. Mit Ihrer Alternative-Rockband Hunger früher auf Englisch, und auch der Sound war damals deutlich melancholischer.
Dabei bin ich gar kein melancholischer Mensch, ganz im Gegenteil: Ich bin ein sehr glücklicher Mensch – ein optimistischer Realist. Aber ich höre gern Synthwave. Ein sentimentaler Song berührt mich mehr als ein fröhliches Lied. Mir gefällt diese düstere, mystische Soundwelt, mit mir persönlich hat es eher wenig zu tun.
Mit Austropop-Legende Rainhard Fendrich haben Sie einen mehr als prominenten Vater. Eine typische Wie-der-Vater-so-der-Sohn-Geschichte?
Ich mache einfach sehr gern Musik, das wurde mir praktisch in die Wiege gelegt. Dabei wollte ich eigentlich Tennisprofi werden. Erst als Teenager hab ich meine Liebe zur Musik entdeckt und meine erste Punkrock-Band gegründet. Ich freue mich extrem, dass ich in der Lage war, mein Hobby zum Beruf zu machen.
Fendrich am Mikro: Panikattacken vor Auftritten gut in den Griff bekommen
©Berni UlrichAngst, verglichen zu werden?
Mir war klar, dass Vergleiche und Hinweise auf Ähnlichkeiten nicht lange auf sich warten lassen, wenn ich auf Deutsch singe. Aber Austropop ist eben Austropop. Andere wiederum meinen, ich klinge wie Falco oder Wanda. Ich finde das lustig. Sobald Menschen mit neuer Musik konfrontiert werden, benötigen sie immer Vergleiche, um sie einordnen zu können. Ich werte das nicht negativ. Ich finde es schmeichelhaft, wenn es heißt, ich klinge wie Fendrich, Falco oder Wanda. Man verarbeitet als Musiker, wovon man Fan ist, und gibt diese Einflüsse auf seine persönliche Art wieder.
Hat es Sie manchmal belastet, mit Nachnamen Fendrich zu heißen?
Die Medien würden diese Geschichte gerne hören, aber sie entspricht überhaupt nicht der Realität. Ich verschwende keinen Gedanken daran, ob meine Musik schlechter oder besser sein könnte als die meines Vaters. Musik bedarf keiner Bewertung, jeder hat seinen eigenen, persönlichen Geschmack. Der eine findet einen Song grandios, der andere abscheulich. Meine Musik muss in erster Linie mir gefallen. Wenn sie auch andere berührt, ist das der schönste Erfolg.
Welche Bands haben Sie geprägt?
Ich bin ein Riesen-Fan der Indie-Rocker von Incubus. Aktuell mag ich die Band The 1975 aus England oder Holly Humberstone. Die machen geile Mucke und inspirieren mich. In der deutschsprachigen Musik bin ich ein großer Fan von Georg Danzer.
Sie hatten in der Vergangenheit mit Panikattacken zu kämpfen. Wie schaffen Sie es heute, auf die Bühne zu gehen?
Ich habe mich damit auseinandergesetzt und es ist mir ganz gut gelungen, diese Panikattacken in den Griff zu kriegen. Sie treten eigentlich nur dann auf, wenn ich zu viel arbeite oder Party mache und zu wenig auf mich achte. Ein Warnsignal, einen Gang zurückzuschalten und mir Ruhe zu gönnen. Zum Glück hatte ich diese Attacken schon länger nicht mehr. Wenn ich heute auf die Bühne gehe, hilft mir die Routine, die ich mittlerweile aufgebaut habe. Früher war mein Lampenfieber extrem. Heute gehe ich mit jedem Auftritt selbstbewusster auf die Bühne und glaube an mich selbst. Damals konnte ich mich vor einer Show kaum darauf freuen – heute schon.
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