Hubert Weinheimer
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Auf diese Bücher würde Hubert Weinheimer nie verzichten

Der Musiker und Autor schreibt nicht nur ungewöhnliche Romane – auch das Ordnungssystem in seinen sechs Buchregalen versetzt uns in Erstaunen.

„Mein Herz schlägt mich innerlich tot ...“ Schon als Songwriter seiner Band Das Trojanische Pferd zeigte Hubert Weinheimer, welche poetische Kraft er in seine Sätze fließen lassen kann. 

Nicht überraschend also, dass sein zweiter Roman Zirkus Morgana Kritiker und Literaturfreunde begeistert. 

Überraschend ist allerdings sehr wohl, welche Antwort der Autor und Musiker auf die Frage, ob er Bücher nach Genre oder Alphabet ordnet, bereit hat: „Ich habe irgendwann damit angefangen, für Verlage, von denen ich viele Bücher habe, eigene Regale zu bauen. Vier sind es jetzt –  und zwei gemischte. Diese Regale ordne ich dann nach Farben.“ 

Nach Farben – das hatten wir noch nie!

Hubert Weinheimer

Hubert Weinheimers Suhrkamp-Regal. Selbst gebaut.

©Hubert Weinheimer

Lese-Phasen

Ob Weinheimer überhaupt Zeit zum Lesen hat, hängt von der Phase ab, in der sich seine eigene Arbeit befindet. Während  sich eine „grobe Idee und das zentrale Problem“ für ihn erschließen, liest Weinheimer, was ihm zwischen die Finger kommt. 

Hat er die Hauptfiguren herausgearbeitet, die möglichst „viel Reibung mitbringen“, um die Story voranzutreiben, beginnt die Recherche. 

Seine Heldin Kristin aus Zirkus Morgana etwa ist nicht nur Informatikerin, die der von ihr entwickelten KI möglichst viel Persönlichkeit geben will, sondern auch begeisterte Bogenschützin: „Davon wusste ich praktisch nichts, also habe ich mich damit beschäftigt. Wenn ich dann intensiv schreibe, lese ich gar nichts mehr und recherchiere auch kaum.“

Hubert Weinheimer

Sechs große Regale stehen in Hubert Weinheimers Wohnung. Auf diesem kleinen "Zusatzregal" über seinem Schreibtisch stehen allerdings drei seiner Lieblingsbücher

©Privat

Bereits vor einiger Zeit gelesen hat Weinheimer drei Bücher, die einen besonderen Platz, quasi auf einem kleinen Ehrenregal direkt über seinem Schreibtisch, haben: „Das erste Buch, das mir viel bedeutet hat, war Frederick und seine Mäusefreunde, weil mir das meine Mama früher oft vorgelesen hat“, erklärt er dazu. 

In direkter Nachbarschaft findet man hier auch Austerlitz von W. G. Sebald und Karte und Gebiet von Michel Houellebecq.

Zu Gast bei Jelinek

Welche  Autoren würde Hubert Weinheimer gerne persönlich kennenlernen? 

„Als ich Das glückliche Geheimnis von Arno Geiger gelesen habe, dachte ich mir: Mit dem würde ich mich wahrscheinlich gut verstehen ... Elfriede Jelinek habe ich im Frühling besucht, die war sehr freundlich und offen zu mir, das hat mir viel bedeutet. Mit Houellebecq dagegen würde ich mich nicht unbedingt unterhalten wollen. Aber man muss ja nicht alle Leute, die man schätzt, auch mögen ...“

Ein Lieblingsgenre hat der Autor von Büchern, die sich nicht in  Genregrenzen pressen lassen, natürlich nicht. 

Aber: „Lange Zeit habe ich fast ausschließlich Romane gelesen. In letzter Zeit aber lese ich gern unterhaltsame Sachbücher. Eines über die Besonderheiten maritimer Lebewesen gefällt mir gerade besonders: Venus, Schildpatt, Knallgarnele heißt es – und es macht fast so viel Spaß wie Frederick und seine Mäusefreunde “, erklärt er lachend. 

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Redakteur bei KURIER freizeit. Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also auch immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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