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Meine Bibliothek: Was bei Künstlerin Esther Stocker im Bücherregal steht

Die Künstlerin drückt sich in prägnanten Schwarz-Weiß-Arbeiten, Linien und Winkeln aus. Wo ihre Leseplätze sind und warum Sprache für ihre Kunst wichtig ist.

Lesen bedeutet Freundschaft mit Büchern und ein Reisen durch Zeit und Raum“, sagt die Künstlerin Esther Stocker. Unendliche Räume sind auch die wichtigsten Themen ihrer Arbeiten: So gestaltete sie etwa im Kärntner Museum Liaunig eine Rauminstallation mit subtilen Schwarz-Weiß-Mustern auf Boden, Wänden und Plafond – in einem engen Durchgang. Ihre markanten Linien finden sich auf Bildern, Installationen und Textilien, wie dem Crinkle-Dress, das sie 2020 als einen Hybrid zwischen Couture-Kleid und Kunstinstallation in Kooperation mit   Modedesignerin Flora Miranda schuf, der in der Ausstellung (Con)temporary Fashion Showcase im MAK Geymüllerschlössel zu sehen war. Ihre 3D-Geometrie übersetzt Stocker auch immer wieder in Möbelobjekte.

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Esther Stockers Räume sind Schwarz-Weiß - genau wie eines ihrer Lieblingsbücher

©Leonardo Morfini

Da fehlt der Südtirolerin, die zwar in Wien lebt, aber von Ausstellung zu Ausstellung reist, oft Zeit zum Lesen. Was sie dabei fasziniert? „Ähnlich wie in der Kunst beeindruckt  mich das Überdauern von Texten und wie sich Sprache mit Schönheit zusammenschließt. Lesen kann einem bei der Flucht aus der Wirklichkeit behilflich sein“, so die Künstlerin, die seit ihrer Studienzeit in Wien ein Fan der Schriften des Psychologen Alexander Luria ist. 

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„The Mind of a Mnemonist“ von A. R. Luria. Harvard University Press. Schriften des Psychologen Alexander Luria

©Privat

„In seinem Buch ,The Mind of a Mnemonist’ sehe ich die Bestätigung, dass Poesie weniger Bilder, dafür aber mehr Ideen hervorruft. Die Bilder in einem Gedicht sollen die Bedeutung und eigentliche Intention des Gedichts verpacken.“ Stockers vielseitige Ausstellungen bringen sie nach Meran, Innsbruck und Wien. Was  aus ihrer Bibliothek inspiriert sie besonders? Ein Buch, in das sie immer wieder hineinsieht, ist ein Ausstellungskatalog aus dem Museum MART. „,La parola nell’arte’, die Sprache in der Kunst, ist für mich ein umfangreiches Nachschlagewerk. Da die Sprache wichtig ist, ist es auch wichtig, sich mit ihrer ästhetischen Dimension zu befassen.“

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„La Parola nell’arte“ (Die Sprache in der Kunst), Ausstellungskatalog des Museums MART

©Privat

Stockers Kunst zeigt auf, dass Beziehungen zwischen Formen und Linien am besten in hohem Kontrast von Schwarz und Weiß zu erkennen sind. Deshalb greift sie auch gerne zu einem schwarz-weißen Comicalbum: ,Dantes Inferno’ von Paul und Gaetan Brizzi. Um es bequemer zu haben, richtete sie in jedem Zimmer einen Leseplatz ein. Dort vertieft sie sich in ihre Lieblingsbücher, teilt sie mit anderen, trägt daraus vor – mit einem Polster unter dem Nacken.

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„Dantes Inferno“ von Paul und Gaetan Brizzi.  Splitter-Verlag. Graphic Novel zum ersten Teil der „Göttlichen Komödie“. 

©Privat

„Diese Graphic Novel wurde mir in der wunderbaren Buchhandlung ‚analog‘ empfohlen. Sie zeichnet sich durch kunstvolle Zeichnungen und einen einfachen Einstieg in eine komplexe Erzählung aus. Das Buch habe ich sehr gerne mit meinem damals neunjährigen Sohn gelesen: ich in der Rolle des Dante, er in der des Vergil.“  

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"Wichtiger als die Anzahl der Bücher ist, dass man seine Lieblingsbücher immer wieder einmal liest und sie mit anderen teilt, oder daraus vorliest“, so Esther Stocker

©Privat

Aktuell sind Stockers Arbeiten in den Ausstellungen „ATLAS“ im Schloss Tirol in Meran, kuratiert von Heinrich Schwazer, „Geometric Love“, gezwanzig in Innsbruck in Kooperation mit Galerie Krobath Wien (endete soeben) und in Mödling, im Essingers Art Club in Mödling in „Spielraum-Raumspiel“ bis Ende August zu sehen.  

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