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freizeit Wohnen & Design
12/15/2019

Thonet: Ein legendärer Sessel und seine (Promi-)Geschichten

Mit einer Ausstellung wird das Jubiläum der Möbelmarke gefeiert. Promis erzählen ihre persönlichen Geschichten zu den legendären Sesseln.

von Christina Michlits

Er gehört zur Wiener Kaffeehauskultur wie grantige Kellner oder eine Melange: der Sessel Nummer 14 der Möbelmanufaktur Thonet. Mit mehr als 50 Millionen Exemplaren ist er außerdem einer der meistverkauften Sessel der Welt. „Bis heute gilt er als das gelungenste Industrieprodukt der Welt“, erklärt Thonet-Geschäftsführer Brian Boyd stolz.


Aber auch unzählige weitere Designklassiker gehen auf die Kappe der Wiener Sesselerzeuger. „Ich finde die Funktionalität gepaart mit einfühlsamem und formschönem Design bei Thonet besonders einnehmend“, schwärmen auch Promis wie „Tatort“-Star Adele Neuhauser. Das Museum für angewandte Kunst in Wien (MAK) widmet dem weltbekannten Unternehmen anlässlich seines 200-Jahr-Jubiläums nun eine eigene Schau und geht damit auch auf Zeitreise durch die Möbelgeschichte.

Seinen Ursprung hat die Marke übrigens nicht in Österreich, sondern in Deutschland. Tischler Michael Thonet (1796–1871) arbeitete in Boppard am Rhein – bis Fürst Metternich auf seine außergewöhnlich gebogenen Holzstühle aufmerksam wurde und ihn 1842 überredete, mit ihm nach Wien zu gehen. Dort hatte der Kunsttischler gemeinsam mit seinen Söhnen die damals neuartige Technologie des Biegens von massivem Holz perfektioniert.

Der erste Industrie-Sessel

Das innovative Kleinunternehmen etablierte sich bald als Möbelhersteller für öffentliche Räume. Die Kaffeehäuser Daum und Griensteidl (siehe Bild) wurden mit einem der ersten Sessel – Modell Nummer 4 – ausgestattet. Sie hatten sich in den hallenartigen Cafés sofort bewährt – robust und leicht zugleich sein, um sie für größere Runden schnell umzustellen.

Und dann kam das Jahr 1859 und damit der große Durchbruch. Stuhl Nr. 14 wurde entworfen, der durch die einzeln gefertigten Teile erstmals industriell hergestellt werden konnte – ein Meilenstein, der schon 1870 Verkaufsstellen in Barcelona, Moskau und New York aufpoppen ließ.

Jugendstil und Bauhaus

Schließlich warfen die Architekten des Jugendstils ein Auge auf den Möbelhersteller. Adolf Loos bis Otto Wagner entdeckten die Möglichkeiten von Bugholz und ließen Werke in Auftrag geben.

Auf ihren Lorbeeren wollte sich die Firma aber nicht ausruhen. Nach den Industrie-Holzsesseln wurde in den 1930er-Jahren gebogenes Stahlrohr zum innovativen Freischwinger. Im Folgenden sollten sie zum Must-have der Interior-Szene avancieren. Thonet hat also kein Problem damit, sich neu zu erfinden.

 

Heute setzt das Unternehmen auch verstärkt auf Büromöbel. „Arbeiten und Wohnen überlagern sich zunehmend. Außerdem werden Entwürfe, die Wärme und Wohnlichkeit vermitteln, gewünscht,“ so Boyd.

Eines bleibt aber auch nach 200 Jahren gleich: „Auf Thonet kommen Menschen zusammen.“

Interior-Expertin Laura Karasinskis
Lieblingsstück und neues Projekt

Nicht wegzudenken. Wenn es um die hippsten Bars, Restaurants und Geschäftslokale geht, die  derzeit in Wien entstehen, hat sie fast immer ihre Finger im Spiel: Laura Karasinski. Die 29-jährige Interior-Designerin gilt mit ihrer Agentur „Atelier Karasinski“ als eine der vielversprechendsten Jungunternehmerinnen des Landes. Vom Wirtschaftsmagazin Forbes wurde sie schon 2016 auf die Liste der einflussreichsten Personen unter 30 gehievt. 

Als Thonet-Fan outet sich die Ästhetik-Fetischistin nun via KURIER. Sie besitzt einen Sessel, der in ihrer Wohnung ständig umgestellt wird. Ihr Lieblingsstück ist aber „der Oswald Haerdtl Cafétisch, den Thonet produziert hat. Ich habe ein Vintage Modell in meiner Küche.“ Auch Lokale stattet sie gerne mit dem Wiener Klassiker aus.

Thonet ist für mich, neben Auböck, Lobmeyr, Augarten & Co, nicht von der Gilde der Wiener Traditionsunternehmen wegzudenken. Mit der Erfindung des Bugholzstuhles ist ein Klassiker geboren worden, den ich nicht nur privat, sondern auch beruflich gerne einsetze. Für unser kommendes Restaurant-Projekt ,Adlerhof‘ in Wien haben wir in Kooperation mit Thonet eine eigene Variation des typischen Kaffeehausstuhls mit eigenem eingeprägtem Logosignet des Adlerhofs entworfen.“

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Spitzenkoch Gutenbrunner bringt Loos-Design nach NY

Dem Österreicher Kurt Gutenbrunner gehört eines der besten Lokale in New York – das Wallsé. Nicht nur mit der Küche wird an sein Heimatland erinnert, der Spitzenkoch setzt auch auf österreichisches Interieur wie Thonet-Sessel.

Erst 2019 wurde das Sterne-Restaurant nach 20 Jahren rundumerneuert. Seine Thonets der Serie „Loos Cafe Museum“ werden seit der Eröffnung benutzt und haben lediglich einen neuen Anstrich verpasst bekommen.

Kein einziger Stuhl ging bisher zu Bruch, erzählt der  Gastronom stolz: „Als ich das Wallsé vor 20 Jahren mit dem aus Österreich stammenden Architekten Constantin Wickenburg gebaut habe, waren Adolf Loos und Josef Hoffmann-Leuchten Teil des Designs und dazu haben die von Adolf Loos designten Thonet-Sessel wunderbar gepasst. Sie spielen auch  nach der Renovierung des Restaurants eine große Rolle: Sie sind zeitlos.“

Daheim hat sich Gutenbrunner übrigens ebenfalls mit den Klassikern eingedeckt: „Wir haben zu Hause genügend Thonetstühle  – einen Schaukelstuhl, einen Kinderstuhl und auch Esstisch-Sessel.“

Neuhauser hat Thonet vom Vater geerbt

Schauspielerin Adele Neuhauser liebt historisches Design. Die Leidenschaft hat sie  ihrem Vater zu verdanken, der 2015 einem Krebsleiden erlag.  Die fünffache ROMY-Preisträgerin schätzt ihre Erbstücke seither noch mehr. „Mein Vater war Architekt und ist mit dem Jugendstil aufgewachsen. Thonet habe ich durch ihn kennen- und schätzen gelernt. Jahre später, ich lebte damals in einem Klosterdorf in Bayern, schickte er mir per Bahntransport einige Jugendstilmöbel. Darunter war auch ein Stuhl, den ich bis heute sehr gerne ‚beSitze‘.“

Über die Entwürfe schwärmt die TV-Kommissarin: „Ich finde die Funktionalität gepaart mit einfühlsamem und formschönem Design  sehr einnehmend“.

Querfeld setzt beruflich als auch privat auf "praktische" Thonets

Neben  dem Café Mozart und Café Museum ist Bernd Querfeld auch Eigentümer des legendären Café Landtmann. Unglaublich, aber wahr: Ein Foto beweist, dass schon 1900 die gleichen Sessel im Landtmann standen wie heute

. „Das Großartige an den Stühlen ist, dass sie noch immer in Verwendung sind. Als meine Eltern  1982 renovierten, war die große Frage, was man mit den Sesseln macht. Damals wusste man historisches Design noch nicht so zu schätzen wie heute. Es gab aber auch keine passenden Alternativen und so wurden die schwarz gestrichenen Sessel  einfach abgebeizt. Zum Vorschein kam schönes Nussholz. Unsere einzigartigen Exemplare wurden von Thonet eigens für das Landtmann gefertigt. Ich habe sie  sonst noch nirgends gesehen.“

Repariert werden die Sessel von einem Tischler im neunten Wiener Gemeindebezirk.

„Sie müssen wirklich viel aushalten. Aber es gibt keine bessere Alternative. Sie sind robust, zeitlos und vor allem auch leicht zu verschieben. Das war am Beginn der Kaffeehauskultur in Wien besonders wichtig. Damals glichen Cafés  großen Hallen, wo  ständig Tische und Sesseln zusammengeschoben wurden. Die kleinen, privateren Logen kamen erst später.“

Auch privat setzt Querfeld auf Thonet, wenn auch auf ein etwas neueres Design. In seinem Haus stehen „107 Robert Stadler“ aus dem Jahr 2011. Sie sind relativ schmal und auch für große Personen wie ihn geeignet. Der Familienvater schätzt auch hier die Möglichkeit, schnell umsetzen und variieren zu können.

„Wir haben ein offenes Haus und laden gerne spontan große Runden zum Essen ein. Oft wissen wir gar nicht, wie viele Personen tatsächlich kommen. Die praktischen Thonets sind zum Dazustellen ideal.“

Reparaturen

Wer bei einem österreichischen Fachhändler kauft, kann sich mit diesem in Verbindung setzen. Sie wickeln diverse Reparaturen direkt über Thonet in Deutschland ab.

In Wien verhilft Drabek Christine (Kreuzgasse 7, 1180 Wien) kaputten Stühlen seit  55 Jahren  wieder zu altem Glanz. Auf Reparaturen des Wiener Geflechts ist auch Radka Prutka in Wien 7 spezialisiert. (7., Zieglerg. 65,  wienergeflecht.at)

Die Marke

Damals   
Tischler Michael Thonet zieht 1842 von Boppard nach  Wien. 1859 entsteht der Bugholz-Stuhl Nr. 14, ein Welthit. Ab 1930 auch mit Stahlrohr-Möbeln sehr erfolgreich.

Heute
Hauptsitz ist im deutschen Frankenberg. Thonets Erben sind als Gesellschafter tätig. Mit der ursprünglichen Firma nichts zu tun haben Hersteller wie „Ton“ oder  „Gebrüder Thonet Vienna“.

INFO

BUGHOLZ, VIELSCHICHTIG – Thonet und das moderne
Möbeldesign

Im MAK – Museum für angewandte Kunst Wien,
Stubenring 5, 1010 Wien. Laufzeit: 18. 12. 2019 bis 13. 4. 2020

 

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