Männerpflanzen: Welches Grün selbst in Männerhaushalten überlebt
Von Schusterpalme bis Schwiegermutterzunge: besonders pflegeleichte Gewächse und wie man sie pflegt.
Sie tragen starke Namen und haben eine Botschaft. Das ist Blade. Schärfer als deine Ex. Gemeint ist ein Epiphyllum, auch bekannt als Bauernkaktus. Das ist Kevin. Never be home alone again. Gegen Einsamkeit hilft manchmal auch eine Wüstenrose, mithin Adenium genannt. Das ist Jimmy. Wild and free. So ein Geweihfarn im Wohnzimmer weckt vielleicht auch beim größten Pantoffelhelden das Abenteuer.
Vor ein paar Jahren landete das Blumenlieferservice Fleurop einen ziemlichen Coup: Unter der Marke „Männerpflanzen“ vertreibt es Gewächse mit besonderen Eigenschaften – äußerst pflegeleicht und unkompliziert sollen sie sein, robust, mit Ecken und Kanten. „Brauchen Männerpflanzen kein Wasser?“ (tun sie) oder „Sind Männerpflanzen auch etwas für Frauen?“ (und ob), diese und ähnliche Fragen werden auf der Schweizer Website maennerpflanze.ch gleich mitbeantwortet.
Ein Spiel mit den Klischees, das manch Feministen und Männervereine gleichermaßen auf die Palme treibt, wie zu lesen war. Aber als PR-Masche natürlich voll aufblüht. Vorausgesetzt, man gibt dem Humor vor dem Ärger über das Stereotyp den Vorzug. „Unser Männerangebot ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen“, so der Schweizer Chief Operating Officer der Firma.
Empathie-Therapie für Machos
In Wahrheit wissen Männer natürlich selbst am besten: Männer können mehr – und dazu gehört auch, sich um Kinder und Familie kümmern, Hemden bügeln, Essen machen. Und erst recht sind Männer imstande Pflanzen am Leben zu halten. „Pflanzen bringen Ruhe und Entspannung ins Leben, man wird empathischer und freut sich, wenn etwas gedeiht“, erklärt Miri Cervantes. Das kann auch harten Mackern oder gestressten Managern gewiss nicht schaden.
Miri Cervantes, Chefin von Calienna
©Julius HirtzbergerIn Wien-Neubau betreibt Cervantes mit ihrem Mann den Konzeptstore Calienna. Auch Innenraumbegrünung setzt die Firma um, das steigert Wohlbefinden wie Produktivität. „Zu unserer schnelllebigen Zeit“, so Cervantes, „verkörpern Pflanzen einen schönen Gegenpol, weil sie nicht sofort abliefern, sondern Zeit brauchen und es uns gut tut, das nicht zu verlernen.“ Einige eignen sich als Einstieg besonders gut.
Die Sansevieria – besonders pflegeleicht, optisch top
©Getty Images/CoinUp/istockphotoSansevieria
Da wäre etwa die Sansevieria, auch Schwiegermutterzunge genannt – Schwiegermütter erfreuen sich in der Pflanzenwelt keiner allzu großen Beliebtheit (es gibt etwa den stichelnden Goldkugelkaktus namens Schwiegermuttersitz). Die afrikanische Sansevieria hat dicke, dunkelgrüne, hellgestreifte Blätter, die aufrecht wachsen und in eine pieksige Spitze münden. Ihr Langweilerimage als „Beamtenspargel“ (weil beliebte Büropflanze) hat sie abgelegt. Auch deswegen: Sie ist extrem robust und pflegeleicht, und kommt sowohl mit viel als auch wenig Licht aus. Einmal gießen im Monat reicht ihr vollkommen. Cervantes empfiehlt, die Erde während der Gießgänge komplett durchtrocknen zu lassen. Die einzige Möglichkeit, die Sansevieria umzubringen, sei praktisch, sie zu viel zu gießen. Also, Hände weg von der Gießkanne!
Männergrün: Der Ohrwaschlkaktus (hier der Opuntia microdasys)
©Getty Images/iStockphoto/Almaje/istockphotoOhrwaschlkaktus
Geht es um pflegeleichte Pflanzen, ist natürlich der Kaktus nicht weit. Die südamerikanische Opuntia indica oder consolea, besser geläufig als Ohrwaschlkaktus, macht einen freundlichen Eindruck und ist weniger stachelig als ähnliche Artverwandte. Perfekt für Männer, die in einer hellen Wohnung leben (bitte ans Süd- oder Westfenster stellen) und selten gießen wollen (etwa Vielreisende). Aber Wasser braucht er – die Annahme, dass Kakteen eh ohne alles auskommen, weil ihre Heimat ja die Wüste sei, ist falsch. Je nach Herkunft (Wüste, tropischer Wald, Savanne) haben sie unterschiedliche Bedürfnisse. „Die Heimat gibt wichtige Hilfestellung bei der Pflege“, so Cervantes – „dann klappt es auch gleich besser mit dem grünen Daumen.“
Die Schusterpalme - eine perfekte Einstiegspflanze
©mauritius images / Alamy Stock Photos / Zoonar/Olga Simonova, Zoonar GmbH/Alamy Stock Photos / Zoonar/Olga Simonova, Zoonar GmbH/Mauritius ImagesSchusterpalme, Gummibaum, Philodendron
Unspektakulär, aber praktisch, dabei elegant in der Erscheinung ist die Aspidistra elatior aus China und Japan. Bis zu 80 cm wird sie hoch, trägt breite, stielige Blätter. Eine perfekte Starterpflanze. Zu gießen ist sie, wenn die Erde im Topf zur Hälfte ausgetrocknet ist. Vergisst man mal zwei Tage zu gießen oder übergießt sie sogar, verzeiht sie das gnädig. „Eine Pflanze, die viel vergibt.“ Das Beste: Die Schusterpalme gedeiht auch im Halbschatten.
Grün ist die Hoffnung: Ficus Elastica Abidjan
©Christian Cervantes / CaliennaEin Klassiker ist der Gummibaum oder Ficus elastica. Besonders schön ist etwa die Sorte Abidjan – durchaus über zwei Meter hoch, mit Stamm und Baumkrone. Es gibt ihn allerdings auch kleiner, dann kann man sich an seinem Wachstum erfreuen. Auch hier gilt: Die Erde durchtrocknen lassen, dann erst gießen. „Beim Ficus elastica kann man relativ wenig falsch machen“, gibt Expertin Cervantes Hoffnung, „und man hat ihn wahrscheinlich ewig.“ Er bevorzugt einen hellen Platz mit großteils indirektem Licht und ein paar Stunden direkter Sonne.
Philodendron - viele Arten, Formen, Farben
©Getty Images/iStockphoto/Firn/istockphotoDen Philodendron aus dem tropischen Südamerika gibt es in vielen Arten und mit unterschiedlichen Blattformen- und farben. Manche wachsen buschig, andere klettern nach oben. Sein Steckbrief bleibt derselbe: indirektes Licht, heller Standort und leicht feucht halten.
Ein Tool, das dabei hilft und Männer lieben werden: ein Feuchtigkeitsmessgerät, das auf einer Skala von eins bis zehn anzeigt, wie es um die Erde bestellt ist. Extrem hilfreich und erhöht die Lebensdauer jeder Pflanze. „80 Prozent der Pflanzen sterben, weil man sie zu viel gießt“, erläutert Miri Cervantes. Dabei sind Trockenperioden wichtig, damit Sauerstoff an die Wurzeln kann. „Pflanzenpflege ähnelt dem Erlernen einer Sprache“, so die Expertin. „Man darf sie nicht nur als Bauanleitung sehen – sondern muss auch ein Gefühl dafür entwickeln.“ Gut so. Denn auch Männer haben Gefühle.
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