Mini-Hochbeet, große Ernte: So geht Gemüseanbau auf engstem Raum
Kompatible Pflanzen kuscheln gerne – eine Expertin erklärt, wie man auf engstem Raum im Hochbeet erstaunliche Erfolge erzielen kann.
„Es ist nie zu spät, mit einem Beet anzufangen“, sagt die auf food garden design spezialisierte Landschaftsarchitektin, Agrarpädagogin und Gemüsebäuerin Sabine Kahrer. Der Einstieg ist jederzeit im Jahr möglich und wer jetzt mit dem Garteln beginnt, kann noch im Sommer Gemüse ernten.
Kahrer führt die Mikrofarm garten goodies im Bezirk Baden. Für frisches Gemüse brauche es keinen ganzen Bauernhof: „Man glaubt gar nicht, was auf kleinstem Raum möglich ist.“ Ein Hochbeet mit 1 × 1 Meter Größe liefert mehr Ertrag, als man glaubt, und passt auf fast jeden Balkon.
Mischkultur: Tetris spielen mit Gemüse
Die Natur ist das beste Vorbild, sagt Kahrer: „Aufgrund einer gut strukturierten, gut durchdachten Mischkultur hat man nicht nur eine Saison, sondern vier, für jede Jahreszeit eine.“ Das Geheimnis liegt darin, Pflanzen zusammenzusetzen, die sich gut ergänzen. Unter Pflanzen, die in die Höhe wachsen, setzt die Expertin welche, die die Erde bedecken, statt Unkraut Raum zu lassen.
"Raketengemüse" Pflücksalat
Die beliebteste Pflanze in Österreichs Beeten ist laut der Bäuerin die Paradeiser. Drei Stabtomaten passen auf 1 × 1 Meter. Sie wurzeln tief und wachsen hoch. Darunter passt perfekt Pflücksalat, der flacher wurzelt. Die starkzehrende Tomate, ein wahrer Vielfraß, und der genügsame Salat harmonieren gut. „Sommersalate, die man jetzt aussetzen kann, sind wirklich Raketen-Gemüse.“ In wenigen Wochen kann geerntet werden.
Tipp: Zwiebel als Bodyguard für Karotten
Perfekt zur Paradeiser passen auch Basilikum, Petersilie und Karotten. Neben Letzterer rät die Expertin, Zwiebel zu setzen. Denn der dominante Geruch der Zwiebel verwirrt die Möhrenfliege. Die ist zwar ganz wild auf das Wurzelgemüse, findet es aber dank des streng riechenden Nachbarn nicht.
Warum sich Paradeiser und Paprika nicht leiden können
Umgekehrt sollte man verwandte Gemüsesorten keinesfalls zusammensetzen. Sie haben oft dieselben Krankheiten und ziehen die gleichen Schädlinge an. Tomaten und Österreichs zweitliebstes Gemüse, die Paprika, gehören nicht ins gleiche Beet. Beide sind Nachtschattengewächse, genau wie Melanzani oder Kartoffel.
Der Winter beginnt im Juni
Kahrer empfiehlt, sich eine Mischkulturscheibe zu besorgen. Die zeigt, welche Pflanzen harmonieren. Neo-Gemüsebauern empfiehlt Kahrer Kürbis, Zwiebel oder Spinat, die ihrer Meinung nach zu den pflegeleichtesten Pflanzen gehören. Ihr Ernte-Tipp: „Bei vielen Kulturen ist es so, dass, umso mehr ich ernte, desto mehr produziert die Pflanze nach.“
Und während im Beet die Tomatenpflänzchen wachsen, kann man schon an die nächste Jahreszeit denken und in der Wohnung aus Samen erste Wintergemüsepflänzchen vorziehen. Denn Kohlsorten werden von Juni bis in den September hinein angebaut. Sind die neuen Pflanzen einige Zentimeter hoch und die Paradeiser abgeerntet, kann man die nächste Jahreszeit im Beet einläuten. Mahlzeit!
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