Insekten im Garten: Auf diese Blütenform kommt es an
Naturgärten bieten vielfältige Nahrungsquellen für unsere Insekten- und Vogelwelt - so werden sie angelegt.
In Österreich gibt es laut Statistik 5,25 Millionen Privatgärten. Nimmt man für diese eine durchschnittliche Größe von 200 Quadratmetern an, so ergibt das eine Fläche von 1.050.000.000 Quadratmetern. Stellen Sie sich vor, wie viele Insekten und Vögel ein wahres Schlaraffenland vorfinden würden, wenn diese naturnah gestaltet wären.
Allerdings stößt der Begriff Naturgarten vielerorts nach wie vor auf Ablehnung. Er wird mit einer „ungepflegten G’stätten“, „Unkrautansammlung“ oder schlicht und einfach als „unästhetisch und schlecht gestaltet“ assoziiert.
Diese Argumente lässt Katja Batakovic, Bildungsmanagerin bei der Organisation „Natur im Garten“ nicht gelten. „Ich würde Naturgarten mit bunter Vielfalt übersetzen – alle Elemente wie Bäume, Sträucher, ein Kräuterrasen, aber auch Stauden oder Hecken kommen vor“, sagt sie. „Ob diese dann naturnah oder streng formal angelegt werden, hängt vom jeweiligen ästhetischen Empfinden ab. Auf jeden Fall benötigen sie gute Planung und viel Fachwissen.“
Wohltuend fürs Auge
Naturgärten sollten nicht zur ideologischen Weltanschauung mutieren. In den Mittelpunkt werden ökologische Fragen gestellt. „Manche Menschen mögen nun einmal Ton-in-Ton-Arrangements, andere bevorzugen Beete,die so bunt und kontrastreich wie möglich sind – all das kann in einem Naturgarten umgesetzt werden“, gibt Katja Batakovic zu bedenken.
„Wirklich wichtig ist es, die Bedürfnisse der Pflanzen zu kennen: welchen Standort sie brauchen, welche Bedürfnisse sie haben. Denn dann können sie ohne viel Zutun gedeihen.“ Und damit ist etwa auch übermäßige Bewässerung oder Düngung gemeint, was letztlich ökologisch nicht sinnvoll ist.
Kein Thema spaltet Gärtner mehr als die Auswahl der Pflanzen. Ein Lager der Naturgärtner sagt, es dürfen ausschließlich heimische Pflanzen gesetzt werden, die andere Gruppe will auch Exoten im Beet vorfinden. „Auf Neophyten muss man nicht grundsätzlich verzichten“, sagt dazu die Expertin. „Die Natur verändert sich und mit dem Klimawandel verändert sie sich noch mehr, daher können heimische Pflanzen durchaus mit anderen ergänzt werden, sofern sie sich hier gut einfügen.“
Invasive Pflanzen meiden
Nur die sogenannten invasiven Neophyten, also die Pflanzen, die ursprünglich aus anderen Ländern stammen und sich ungehindert auch außerhalb unserer Gärten ausbreiten, sind absolut zu vermeiden. „Von tausend fremden Arten ist aber nur eine einzige invasiv“, so Batakovic. „Alle invasiven Neophyten, die in keinem Garten vorkommen sollten, sind in der EU-Liste gebietsfremder Arten erfasst.“
Gelungener Mix
In einem gut geplanten Naturgarten findet man Pflanzen vor, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. So finden Insekten immer eine reiche Nahrungsquelle. „Wertvolle Arten sind etwa die Zaubernuss, Krokusse oder die Sal-Weide, die ganz zeitig im Jahr blühen“, sagt Katja Batacovic. „Auch Kräuter sind eine wichtige Insektenweide: Sie blühen oft zweimal im Jahr und tragen sehr lange.“
Je vielfältiger die Bepflanzung ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch die Generalisten unter den Insekten einfinden. „Ein Tipp ist, sich die Blütenform anzuschauen“, so die Expertin. „Sind die Staubgefäße offen zugänglich, wird diese Pflanze mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Insekten anziehen, selbst wenn sie nicht aus unseren Breiten stammt.“ Übrigens: Auch unter den heimischen Pflanzen finden sich allen Unkenrufen zum Trotz solche, die lange und ausdauernd blühen.
Die Sache mit dem Grün
Ein echter Knackpunkt sind der Rasen und Hecken. Makelloses, kurz gemähtes Gras und Thujen sind ökologisch wertlos. „Ich verstehe, dass man blickdichte Hecken haben will“, so Batakovic. „Aber man könnte über Eiben nachdenken oder Hainbuchen, die die Blätter über den Winter behalten. Beide bieten Insekten und Igeln in der kalten Jahreszeit Schutz.“
Auch beim Rasen kann man über Alternativen nachdenken. „Mit einem guten, standortgerechten Kräuterrasen kann man annähernd dasselbe Erscheinungsbild erreichen“, betont die Expertin. „Abgesehen davon, dass er für Insekten ein Paradies ist, macht viel weniger Arbeit.“ Denn im Gegensatz zu einem Rasen muss er weniger oft gemäht und nicht gegossen werden.
„Ich würde alle Gärtner zu einem Experiment einladen: Lassen wir den Dünger und die Herbizide weg und schauen einfach, was mit dem Rasen passiert“, sagt Katja Batakovic. „Vielleicht erfreuen sie sich ja, wenn Blüten und mehr Insekten auftauchen, vielleicht verändern sich die eigenen Sehgewohnheiten ja.“
Ein Naturgarten sollte nie zu einem Dogma werden, ein Naturgarten setzt auf Vielfalt – und unterstützt damit die Biodiversität.
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