freizeit
05/06/2014

Hallelujah!

Mit der Liebsten zu musizieren lässt mich wunschlos froh werden

von Ernst Molden

Hallelujah! Geräusch- und erschütterungslos zieht das Österreichrad durch die Hauptallee aufs Stadionbad zu. Blüten fliegen. Es duftet und die Praterluft legt sich wie eine Pflegelotion auf das in Falten geworfene Wintermännergesicht. Im Kassenhäuserl des Bades plauschen Damen. Dag, sage ich. Ich hol meine Saisonkarte und gehe schwimmen. Die Saisonkoaten kennans hobn, sagt die eine Dame, schwimman kennans ob easchtn Mai. – Ah, aber der Erstgeborene hat in der Zeitung gelesen, dass städtische Bäder bei Schönwetter bereits ab 26. April ... – Wir san a Privatbod, sagt die Dame. Ich verstehe: Stadthalle, Stadionbad, Wienholding undsoweiter, das ist diese städtisch vorgelagerte Halbprivatheit, die ich immer schlecht begreife, überhaupt an einem Traumtag wie heute. Kamma nix machen. Etwas weniger dynamisch fährt das Österreichrad nach Erdberg zurück. Hallelujah! Das ist einer der zehn schönsten Cohen-Songs und das neueste Juwel im Repertoire jener Hausmusikband, die die Liebste und ich gegründet haben. Wiederentdeckt haben wir den Song über ein rührendes YouTube-Filmerl, wo ein irischer Pfarrer dem Brautpaar Hallelujah vorsingt. Über die Osterferien hammas beide nicht aus dem Kopf bekommen und jetzt spielen wirs, mein Baby an der Sopran-Ukulele, ich selbst an der Folkgitarre. I heard there was a secret chord / that David played and it pleased the Lord ... Was für ein Zweizeiler, ich bin ergriffen. Ich finde ja, dass man Hallelujah so wie Cohen ganz tief unten zu singen beginnen muss, um dann schon in der Mitte den hymnischen Bereich zu erreichen. Andere bevorzugen das seraphinisch hohe Register, dass der verstorbene Jeff Buckley in seiner Version anschlug. Es ist Geschmackssache. Hallelujah! Mit der Liebsten zu musizieren lässt mich wunschlos froh werden. Irgendein ein gschissener Pädagoge sagte ihr, als sie klein war, sie sei nicht musikalisch. Aber schon, als ich sie vor zehn Jahren und mehr der winzigen Brut Schlaflieder vorsingen hörte, wusste ich, dass das nicht stimmt. Wie er ja eigentlich nie bei irgendjemandem stimmt, dieser gschissene Satz. Und jetzt spielen wir Cohen. Hallelujah! Was für ein Sieg über das Gschissene in der Welt.

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