freizeit
04/28/2015

Etliche Sachen

von Ernst Molden

Etliche Sachen passieren, zu viele eigentlich für mich alten Erlebnis-Asketen. Nun muss ich alles in diesen Aufsatz quetschen. Einerseits sind die Prater-Gärtner blitzartig ans Werk geschritten, was die gefallene Silberpappel aus der letzten Kolumne angeht. Man hat einfach zweieinhalb Meter aus dem zerborstenen Stamm herausgeschnitten, der Weg zum Lusthauswasser ist wieder frei und führt jetzt durch einen engen Canyon zwischen zwei Gebirgszügen aus totem Holz. Ich hab versucht, die Jahresringe auf der einen Seite zu zählen, aber irgendwo zwischen fünfzig und sechzig, da war ich noch lang nicht in der Mitte, hab ich mich verloren. Andrerseits ist Post eingegangen, von Lesern meiner vorletzten Kolumne, in der ich über alte Instrumente im herrlichen Schleifmühlviertel-Geschäft Flash geschrieben habe: Leser R. hat sich an seiner Gemahlin vorbeigeschlichen, ist zum Flash gefahren und hat sich dort eine schöne semiakustische Vintage-E-Gitarre gekauft. Der Gemahlin, schreibt er, habe er später gesagt, ich sei schuld. Leser L. wiederum fand ebendort Stimmwirbel für sein altes Instrument. Jetzt musiziert er wieder. Das sind Nachrichten, die mich erfreuen. Wieder andrerseits hat mir der Wiener Kulturstadtrat, Landstraßer wie ich, erzählt, er hätte den Fleischhauer in der Baum aus der vorvorletzten Kolumne ausprobiert und eine wohlschmeckende Leberkässemmel erworben. Dies lässt mich an meiner eigenen, gebetsmühlenartig vorgetragenen These zweifeln, meine Texte hätten keinen Impakt auf die Politik. Ich riet dem Kulturstadtrat zum Kauf des dortigen Kalbsvögerls. Ort unserer Begegnung war das Juchee des Ringturms, wo eine Buchpräsentation stattfand. Dort oben hat man eine wirklich schöne Aussicht. Es war jener Tag im späten April, an dem man das Gefühl hatte, es sei längst Mai, eine potente Sonne senkte sich allmählich zwischen den Brüsten des Wienerwaldes. Jetzt bricht der Mai an, und man hat das Gefühl, es sei noch Februar. Statt schwimmen zu gehen, habe ich Yoga gemacht. Statt mich zu entspannen, habe ich mir dabei das Handgelenk gezerrt. Jetzt schreibe ich und leide dabei Schmerzen. Aber es ist eh alles gesagt.

ernst.molden@kurier.at

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