freizeit
09/02/2014

Wir Kinder von der Bäckerstraße

von Ernst Molden

Jetzt ist der Zweitgeborene auch im Gymnasium. Das heißt, er ist nicht im Gymnasium, sondern er ist, derweil, im anderen Gymnasium, zehn Minuten entfernt, weil das eigentliche Gymnasium noch nicht fertig renoviert ist. Pech, niemand kann so richtig was dafür, aber der erste Schultag, der hatte es in sich. Der fand nämlich, symbolisch und treffpunktmäßig, eh im eigentlichen Gymnasium statt oder halt in den Räumen, die schon fertig waren. Wo dann Hundertschaften von Eltern, Schülern und Pädagogen um die Dominanz im Chaos kämpften. Dazwischen standen Securitys wie auf einem Praterclubbing, die verhindern sollten, dass irgendwer auf ein noch nicht renoviertes Häusl Lulu machen geht. Und ich und mein Bub mittendrin. Der Erstgeborene war gleich zu seinen Freunden weggezwitschert, mit der ganzen Wurschtigkeit des Zentralpubertären. Der Zweitgeborene aber stand erregt neben mir, und ich stand erregt neben ihm: Für mich ist das sowieso ein Wahnsinn. Gymnasium an sich, der Geruch, das hallende Geschrei, das Rempeln, Lehrer und vor allem überall Eltern, und ich einer von ihnen! Aber ich produzierte innere Alphawellen und strahlte eisern Ruhe aus. Dann sahen wir wie durch ein Wunder die Klassenvorständin und gingen ihr wie die Gansln des Konrad Lorenz stur hinterher. So kamen wir in irgendein Klassenzimmer. Da fanden sich Pädagogin, Kinder, Eltern zusammen. Die Erstere war schlau genug, die Letzteren aus der Klasse zu schmeißen, und so standen wir Eltern sodann am Gang herum. Ich rieb mir die Augen: Aber … Das konnte es doch gar nicht geben. Da war doch die A., die Liebste des C., jenes Schweizer Dichters, der in den Neunzigern mein bester Kumpan in den Nächten des Bäckerstraßenviertels gewesen war. Und da stand F., der Malerfürst! Und neben ihm H., der Zeichner und Theatermann! Sie alle hatten jenen Abschnitt meines Lebens definiert, der sich von meinem momentanen (fleißig, verantwortungsvoll, müd) am grundlegendsten unterschieden hat. Lauter alte Szenekumpane! Wie? Und eure Kinder sind mit meinem … ? Ja, sagten die alten Szenekumpane, zu Boden blickend. Was sollten wir machen? Wir gingen auf einen Kaffee, wie früher.

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