Heike Hagen, Stimme von Siri

© Herbert Dehn

freizeit
11/13/2019

Wer hinter den Stimmen von Siri, Wiener Linien und ÖBB steckt

Ihre Stimmen begleiten uns durch den Alltag, sind uns vertraut und doch unbekannt. Wir haben die Stimmen unserer Freizeit unter die Lupe genommen.

von Bernhard Praschl

Kürzlich ist es ihr wieder passiert. Da stand Angela Schneider an der Kasse von irgendeinem Supermarkt, grüßte, schlichtete ihren Einkauf aufs Band, zahlte und verabschiedete sich. Nur wenige Worte, aber schon fiel sie, diese oft gestellte Frage: ,Sind Sie nicht ...?“ Ja, ist sie. Angela Schneider ist jene Stimme, die fast rund um die Uhr Hunderttausende Wiener und Besucher der Bundeshauptstadt durch den Tag begleitet.

Was für ein Unterschied zu ihrer anderen Existenz. Da ist die Absolventin der Schauspielschule des Wiener Volkstheaters zwar ebenfalls Stimme. Aber mit Gesicht. Auf einer Bühne. „Als Öffi-Stimme bin ich unsichtbar“, so Angela Schneider sichtlich erleichtert. 

Mit dieser Ansage sorgt die Schauspielerin und Sprecherin (u. a.  Ö1) durchaus für mehr Höflichkeit  in den Öffis und U-Bahn-Stationen der Wiener Linien. Dabei drückt sie diese Bitte eher mit Charme als mit  Nachdruck aus.  „Schwedenplatz. Umsteigen zu U1, 1, 2, 3A, Flughafen Bus“. Auch für Vielfahrer werden ihre Ansagen nicht langweilig. Selbst wenn sie sich naturgemäß ständig um das Gleiche drehen: Linien und  Stationen. „Mehr Lockerheit“ wünscht sie sich, wenn sie auch versteht, dass der Ton bei Stimmen wie diesen  „grundsätzlich neutral“ sein soll. Natürlich wird sie hellhörig, wenn sie anderen Ansagen lauscht. Und sie betont: „Otto Schenk hat einmal gesagt, eines der schwersten Dinge für einen Schauspieler ist, seine eigene Stimme zu finden. Die einzige, die ich aus Millionen anderen heraushöre, ist die von Chris Lohner.“ Angela Schneider ist auch als Autorin aktiv: Ihr Jugenddrama „Asip und Jenny“ wurde 2016 am Hans Otto Theater in Potsdam  uraufgeführt und ist derzeit etwa auf dem Spielplan des „Kleinen Theaters“ in Salzburg.

Mars und Venus

Sieben Jahre ist es jetzt her, dass die Wiener Linien  weiblich wurden. Ein Einschnitt für viele. Den Wechsel von ihrem Vorgänger Franz Kaida zu Angela Schneider goutierten nicht alle Fahrgäste. „Von Wohlwollen bis zu kritischen Tönen war alles dabei“, erinnert sich die Wienerin mit burgenländischen Wurzeln. „Da  merkte ich, welche Bedeutung diese Stimme für die Wiener hat.“

Nicht nur für die Wiener. Stimmen machen Stimmung. Und markante sind besonders gefragt. Studien zeigen, dass männliche Stimmen  bevorzugt werden, wenn es um pure Information geht. Weibliche Stimmen hingegen stehen bei jenen Nutzern hoch im Kurs, die eine Hilfestellung suchen. So erklärt sich etwa, warum in einem Call Center  vorwiegend Frauen tätig sind.

Hey Siri!

Als das US-Technologieunternehmen Apple seinen Sprachdienst Siri vorstellte, war die Reaktion vieler Nutzer: „Ist eh ganz witzig, aber wer braucht denn so etwas?“ Acht Jahre ist das her.

Mittlerweile gilt Heike Hagen (siehe Aufmacherbild), Siris deutsche Stimme, als berühmtestes Vokalorgan im deutschsprachigen Raum. Auch weil Siri über den Exotenstatus hinausgewachsen ist. Die technikaffine Sprecherin ist darüber hinaus ein echter Tausendsassa. Heike  Hagen ist nicht  nur via iPhone und iPad präsent, sie spricht aus dem TV, dem Radio und verleiht dazu noch Hörbüchern und Video-Games Charakter. Eine Branche mit Zukunft. Mittlerweile hat  Siri auch eine männliche Stimme. Und Siri mit Alexa eine Konkurrenz.

Höhenflüge ist die gebürtige Düsseldorferin gewohnt: Die Frau mit dem besonderen Look war schon Bordstimme von AirBerlin und akustischer Specialguest der Vienna Fashion Week 2017. Darüber hinaus ist sie Besuchern des Deutschen Museum München bekannt; sie produzierte und besprach dessen Audioguide. Auch nicht ohne war der Job für  die US-Serie „Homeland“. Jetzt möchte die ausgebildete Schauspielerin  als „Velve“ durchstarten: Unter diesem Namen tritt sie mit  Avantgarde- und Ambient-Bands auf.  „Dieser Stil  passt doch auch ganz gut zu meiner Existenz  als Stimme aus dem Computer.“ 

Alexa wird männlich

In fünf Jahren soll der Markt für digitale Sprachassistenten um mehr als 30 Prozent wachsen. Da schadet es nicht, wenn auch ein paar echte Weltstars die Werbetrommel  für die Stimmen rühren, die uns künftig durch den Tag begleiten. Samuel L. Jackson zum Beispiel. Der Hollywood-Schauspieler, der vor 25 Jahren neben John Travolta in Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ neu durchstartete, soll demnächst in den USA bei Amazon im „Celebrity Mode“ verfügbar sein.

Falls man damit seinen eigenen „Echo“-Lautsprecher aufrüsten will, kommt das pro Stimme auf 99 Cent. Ziemlich günstig für das eigentlich unbezahlbare Gefühl, einmal einen Star um so etwas Banales wie die Wetterauskunft zu bitten. Oder darum, ein Gedicht aufzusagen. Oder einen aufzuwecken. 

Alexa bleibt anonym

An einem jedoch will man beim Internetgiganten Amazon nicht rütteln: Die Identität der deutschsprachigen Alexa bleibt weiterhin streng geheim. „Ihre Grundlage ist eine echte, menschliche Stimme“, so die knappe Auskunft aus der  deutschen Konzernzentrale in München.

Auf jeden Fall gilt: Bei allen besprochenen Diensten ist es eine Software, die danach bei Bedarf die gesprochenen Texte zerhackt und sie  wie gewünscht neu zusammenfügt. Klingt brachial, aber sonst müsste ja ständig eine echte Person hinter dem Mikrofon sitzen.

Die Stimme der ÖBB

Fotomodell, „Kottan“-Darstellerin, die selbst Kultstatus erlangte und seit 35 Jahren akustische Zugbegleiterin: Laut Adam Riese begleitet Chris Lohner mehr als die Hälfte der knapp neun Millionen Österreicher durch ihr ganzes Leben. Der Job für die ÖBB war dabei keine Eintagsfliege. Vor vier Jahren war sie erneut für eine Woche ins Aufnahmestudio übersiedelt: Mehr als 30 Stunden Material bzw. 15.000 mussten auf Deutsch und auf Englisch für das neue Digitalsystem aufgesprochen werden.  Mittlerweile trägt auch eine Schnellbahn ihren Namen. Für ihr langjähriges Engagement für sehbehinderte Menschen in Afrika erhielt Chris Lohner einen Preis für Zivilcourage. Was ihr im Leben so alles passiert, erzählt die Frohnatur bei ihren Kabarettprogramm.

Nächster Auftritt: „Anekdoten aus meinem Leben“, 30. 11., Anton-Bruckner-Centrum, Ansfelden, 20h.  

 

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